Ein Prototyp des Markiergeräts. Die Unterseite ist verpixelt, damit man den Mechanismus nicht erkennt
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Beetle ForTech: Der ultimative Herkunftsnachweis für Holz?

03. Oktober 2022

Ein StartUp aus Österreich will die Rundholzmarkierung revolutionieren. Mit einem einzigen Markierungsvorgang soll der gesamte Baum rückverfolgbar gekennzeichnet sein, auch wenn später im Sägewerk noch Abschnitte abgetrennt werden. Über die Technik kann bisher nur spekuliert werden: Weil die Patentanmeldung gerade noch läuft, geben die jungen Unternehmer keine Details preis.

Die vier Gründer von „Beetle ForTech“ sind Holztechnologen und Datenspezialisten. Ihre grundsätzliche Idee ist: Sie wollen Holz endlich auf einer praktikablen Ebene sicher rückverfolgbar machen. Je nach Datenquelle stammen bist zu 30 % des weltweit geernteten Holzes aus illegalem Einschlag. Neben den oftmals gravierenden ökologischen Folgen schadet das natürlich auch dem Image des nachwachsenden Rohstoffs Holz. Deswegen werden die rechtlichen Anforderungen immer strikter (z.B. die EU-Holzhandelsverordnung, European Timber Regulation EUTR). Bisher ist der genaue Herkunftsnachweis nur über teure Laboranalysen möglich. Deswegen begnügen sich die meisten Lieferkettensysteme mit einem reinen Dokumenten-Nachweis, wohl wissend, dass Papier immer geduldig ist. Es gibt technische Ansätze, die auf einer Fotodokumentation des Jahrringbaus bei der Fällung basieren. Damit lässt sich aber immer nur die Herkunft dieses einen Abschnitts –im Zweifel des Erdstamms– belegen. Das war Matthias Sammer, Koimé Kouacou, Anh Nguyen und Sebastian Vogler noch zu ineffektiv.

Geheimcode

Mit ihrem Markierungsgerät soll ein „fremdstofffreier Code“ auf den Stamm aufgebracht werden, also ohne Farbe oder Plastik, den man später mit dem Smartphone einfach wieder auslesen kann. Zusätzlich zu den üblichen Holzdaten soll jeweils auch die genaue geographische Koordinate des Baumstandorts mit verschlüsselt werden. Laut Auskunft von Sebastian Vogler, der selbst einige Jahre im internationalen Holzhandel gearbeitet hat, soll ein Markierungsgerät in der Serienproduktion möglichst nicht mehr als 500 € kosten.

Neben der händischen Kennzeichnung wird es auch möglich sein, das Markierungsgerät in einen Harvesterkopf zu integrieren. Damit eröffnen sich noch viele weitere Möglichkeiten, z.B. bei Sammelhieben im Privatwald, wenn das geerntete Holz zur Abrechnung zweifelsfrei einem Waldbesitzer zugeordnet werden soll. Die Informationen sollen sich im Empfängerwerk nicht nur am Erdstamm, sondern auch an den Folge-Abschnitten auslesen lassen können – dort natürlich mit einem schnellen Durchlaufscanner.

Wenn die Technik tatsächlich so funktioniert wie angekündigt, könnte das tatsächlich die Holzmarkierung und den Herkunftsnachweis revolutionieren. Bis Mitte nächsten Jahres werden wir uns allerdings wohl noch gedulden müssen. Bis dahin soll das Patent gesichert sein, und die geheimen Tests der Prototypen abgeschlossen.

Satellitendaten

Als zusätzliche Kontrollinstanz bei sensiblen Standortsfragen will das StartUp-Unternehmen auch eine Satellitenbild-Dokumentation liefern, auf der in der Zeitreihe genau erkennbar ist, ob sich an der übermittelten Koordinate jetzt eine Lücke im Waldbestand findet, weil dort der entsprechende Baum entnommen wurde.

Der Firmenname „Beetle For(est) Tech(nology)“ ist eigentlich ein wenig irreführend. Mit Käfern (engl. beetle) hat das Unternehmen nämlich gar nicht so viel zu tun. Eine Inspiration zur obengenannten Baum-Markierung haben die Gründer allerdings durch das charakteristische Fraßbild des Buchdruckers bekommen, berichtet Sebastian Vogler. Außerdem arbeiten sie in einem weiteren Projekt auch an einem Frühwarnsystem bei Borkenkäferbefall.

Beetle Fortech hat bereits mehrere StartUp-Wettbewerbe gewonnen, und Preise eingeheimst bei den Galileo Masters und den Copernicus Masters der European Space Agency. Unlängst wurde das Unternehmen ins Programm Greenstart des österreichischen Klima- und Energiefonds aufgenommen.

Heinrich Höllerl