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Beeinflussen Freizeitaktivitäten das Verhalten von Rothirschen?

Beeinflussen Freizeitaktivitäten das Verhalten von Rothirschen?

Beeinflussen Freizeitaktivitäten das Verhalten von Rothirschen? Ergebnisse einer Studie der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg

Jahr für Jahr nehmen die Übernachtungszahlen im Schwarzwald zu. Natursportarten wie Wandern und Mountainbike-Fahren im Sommer sowie Skilaufen und Schneeschuhwandern im Winter genießen zunehmende Beliebtheit: Immer mehr Menschen sind im Wald unterwegs. Dies hat Auswirkungen auf die dortige Tierwelt. ; Wie sich Rothirsche (Cervus elaphus) unter diesen Bedingungen verhalten, haben Wissenschaftler der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) im Südschwarzwald untersucht. ; Verhalten der Rothirsche wird stark von Erholungssuchenden beeinflusst ; Diese Studie zeigt, dass das Raum-Zeit-Verhalten der Rothirsche stark von Erholungssuchenden beeinflusst wird. Mit Hilfe von Lichtsensoren wurden Bewegungsmuster von Menschen im Gebiet aufgezeichnet; an den Rothirschen angebrachte Halsbandsender gaben Auskunft über ihre Bewegung: Während sich Menschen innerhalb des Gebiets tagsüber zum überwiegenden Teil auf Wanderwegen und Loipen fortbewegen, meiden die Rothirsche diese Bereiche tagsüber. Nachts, wenn kaum Menschen unterwegs sind, suchen die Hirsche bevorzugt jene Bereiche auf, die viel Nahrung bereitstellen und nah an der Erholungsinfrastruktur liegen. Dieses Muster lässt sich sowohl im Sommer als auch im Winter deutlich erkennen. Des Weiteren wurde nachgewiesen, dass sich die Hirsche bevorzugt in den Ruhebereichen des Managementkonzepts aufhalten, das für dieses Rotwildgebiet vorliegt. ; Wie die Studie zeigt, passen sich die Rothirsche in ihrem Verhalten an den Menschen an. Bestehen ausreichend zeitliche Ausweichmöglichkeiten, können die Tiere mit menschlicher Anwesenheit in ihrem Lebensraum umgehen. Große Teile ihres Lebensraumes stehen Wildtieren tagsüber jedoch nicht zu Verfügung, sie können die dort verfügbaren Ressourcen ausschließlich in der Nacht nutzen. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, dass sie nachts nicht zusätzlich gestört werden. Nachtaktivitäten wie Fackelläufe oder nächtliches Mountainbike-Fahren sollten vermieden werden. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass sich Rothirsche mit adäquatem Management in bestimmte Bereiche lenken lassen. Empfehlenswert ist es daher, räumliche Managementkonzeptionen zu erstellen und umzusetzen, in denen sowohl die Bedürfnisse der Menschen als auch diejenigen der Wildtiere berücksichtigt werden und mit denen den Tieren auch tagsüber ausreichend beruhigte Räume zur Verfügung gestellt werden können. ; Rotwild in Süddeutschland ; In Süddeutschland wird Rotwild nur in so genannten „Rotwildgebieten“ toleriert, deren Grenzen durch eine Verordnung festgelegt sind. Um die Ansprüche des Menschen an die Landnutzung (Wald- und Landwirtschaft, Jagd, Freizeitaktivitäten) einerseits und die Bedürfnisse des Rotwilds andererseits zu erfüllen, wurde im Rotwildgebiet Südschwarzwald eine Rotwildkonzeption erarbeitet. Sie unterscheidet zwischen Rand-, Übergangs-, Kern- und Ruhebereichen und gibt für jeden dieser Bereiche Maßnahmen oder Regelungen vor. So wird beispielsweise bei der Durchführung forstlicher Arbeiten oder beim jagdlichen Management diese räumliche Differenzierung berücksichtigt. In den Ruhebereichen sollen alle Störeinflüsse durch den Menschen minimiert werden, was sowohl die Waldwirtschaft und Jagd betrifft, als auch alle Freizeitaktivitäten. ; ; Studie: Coppes, J.; Burghardt, F.; Hagen, R.; Suchant, R.; Braunisch, V. 2017 Human recreation affects spatio-temporal habitat use patterns in red deer (Cervus elaphus). PLoS ONE 12(5): e0175134. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0175134. ;

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