Holztransport

Wichtige Trends im Holztransport

Bearbeitet von Oliver Gabriel

BdHG-Gschäftsführer Marco Burkhardt schildert in seinem Jahresrückblick 2017 wichtige Themen im Holztransport.

Fahrermangel

Es zeichnet sich ab, dass auch das Holztransportgewerbe sich dem Langzeitproblem Fahrermangel nicht entziehen kann. Vermehrt bleiben Fahrzeuge auf dem Betriebshof stehen, weil die Unternehmer zu aktuellen Konditionen keine Fahrer finden. Um hier als Unternehmer richtig zu reagieren, muss man künftig neben der allgemeinen Steigerung der Arbeitskosten einen zusätzlichen Fahrer-Zuschlag von jährlich drei bis vier Prozent einplanen. Die Tendenz der letzten Jahre, in denen die Lohnkosten für Fahrer in den zurückliegenden fünf Jahren um rund zehn Prozent gestiegen sind, wird sich sicher fortsetzen.

Frachtpreise

Auch wenn die Selbstausbeutung in Deutschland nicht verboten ist, wird jeder vernünftig kalkulierende Unternehmer die Frachtpreise dementsprechend anpassen müssen. Es liegt auf der Hand, dass nur der Transporteur, der  seine Forderung mit Zahlen, Fakten und Argumenten untermauern kann, von seinen Kunden als Kaufmann wahrgenommen wird. Ob womöglich ein Paradigmenwechsel von einem Nachfrage- zu einem Anbietermarkt bevorsteht, kann derzeit nicht seriös beantwortet werden. Sicher ist aber, dass die Branche über neue Preismodelle und Vergütungssysteme des Transportes nachdenken muss – sowohl die Kundschaft, als auch das Transportgewerbe selbst. Nur über angemessene Vergütungssysteme wird der Bestand an Holztransportunternehmen zu sichern sein.

Maut- und Dieselkosten

Gegenwärtig sind ca. 15.000 km auf Autobahnen und bestimmten Bundesstraßen mautpflichtig. Mit der Einführung der Mautpflicht auf allen Bundesstraßen ab dem 1. Juli 2018 wächst das Mautnetz um rund 40.000 km. Wie hoch die Mautkosten ausfallen werden ist derzeit noch offen. Die Höhe der Maut wird von Bundestag und Bundesrat im Rahmen einer Änderung des Bundesfernstraßenmautgesetzes auf Grundlage eines Wegekostengutachtens für die Jahre 2018 bis 2022 festgelegt. Dieses Gutachten ist jedoch noch nicht fertig gestellt. Es muss jedoch schon jetzt auf Basis der jetzigen Aufzeichnungen eine realistische Einschätzung der mautpflichtigen Zusatzkilometer erfolgen.
Insoweit sollten die Holzspediteure eine entsprechende Preisgleit- oder Nachverhandlungsklausel verwenden um die steigenden Fahrzeugbetriebskosten aufzufangen. Am Rande sei erwähnt, dass durch Langzeitbaustellen und ein stetig steigendes Verkehrsaufkommen die Fahrzeugauslastung sinkt. Es kann ferner prognostiziert werden, dass der Dieselpreis weiter ansteigen wird.

Todsünden

Die als „Todsündenliste“ bezeichnete EU Verordnung 2016/403 ist am 1. Januar 2017 in Kraft getreten. Wie alle Logistikunternehmen müssen die Holztransporteure damit rechnen, dass eine Häufung von Verstößen dazu führt, dass sie als „Risiko-Betriebe“ eingestuft und damit häufiger kontrolliert werden. Je nach Schwere der Verstöße wird die Genehmigungsbehörde außerdem früher oder später die persönliche Zuverlässigkeit der im Betrieb verantwortlichen Personen anzweifeln. Als schärfste Maßnahme kann die Behörde dann die Genehmigung zum Transport entziehen. Die Verordnung kannalso massive Wirkung entfalten. Erste Anzeichen aus der Praxis sprechend dafür, dass die Behörden die Vorschriften künftig konsequent angewenden werden.
Die genannte Verordnung unterscheidet drei Schweregrade von Verstößen: Schwerwiegender Verstoß, sehr schwer wiegender Verstoß und schwerster Verstoß. Bei Vorliegen von drei schwerwiegenden Verstößen eines Fahrers ergibt sich ein sehr schwerwiegender Verstoß. Bei drei sehr schwerwiegenden Verstößen ergibt sich ein schwerster Verstoß. Bei einem schwersten Verstoßes wird grundsätzlich ein Verfahren zur Überprüfung der Zuverlässigkeit eingeleitet.
Für das Holztransportgewerbe sind nach wie vor die meist beanstandeten Verstöße im Bereich der Überladung festzustellen. Von einem schwerwiegenden Verstoß ist im Falle einer Überladung bis 10 %  auszugehen. Eine Überladung bis 20 % stellt einen sehr schwerwiegenden Verstoß dar. Bei Überladung von 20 % und mehr ist von einem schwersten Verstoß auszugehen. Dieses Ahndungsprinzip gilt jedoch auch für Arbeitszeiten, Lenkzeiten etc.
Zusammenfassend ist daher jeder Holztransporteur gezwungen, durch Einführung eines Qualitätsmanagements in den Strukturen und Verantwortlichkeiten einen rechtskonformen Beförderungsablauf sicher zu stellen. Für die Auftraggeber sollte es selbstverständlich sein, jede in diese Richtung zielende Maßnahme zu fördern und unterstützen. Andernfalls droht die Gefahr, dass sich auch auf diesem Wege Holztransportunternehmen aus dem Markt verabschieden werden.

Marco Burkhardt