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BdHG 2019

BdHG-Unternehmertag 2019: Smarte Lösungen

Klassische Fragestellungen bestimmten den 12. Unternehmertag der Bundesvereinigung des Holztransportgewerbes am 18. Mai im Congress Centrum Würzburg. Trotzdem erhofften sich offenbar sehr viele Mitglieder einige smarte Antworten, denn das Forum war ausgesprochen gut besucht.

Den Vortragsreigen eröffnete Oliver Proske von der IHK. Er sollte versuchen, den Teilnehmern die eigene Ausbildung des Berufskraftfahrer-Nachwuchses schmackhaft zu machen. Wie sich herausstellte, ist diese Option, dem Fahrermangel entgegenzuwirken, in der Branche noch so gut wie gar nicht angekommen. Auf Nachfrage gaben sogar die großen Betriebe unter den Anwesenden mit bis zu 50 eigenen Fahrern an, nicht selbst auszubilden. Als Begründung wird in den meisten Fällen der Zeitmangel genannt, wenn der Chef noch gleichzeitig Disponent und sein eigener Aushilfs-Fahrer ist. Die Angst vor dem eigenen Ausbilderschein muss dagegen eher als Ausrede gewertet werden. Schließlich gibt es dafür noch nicht einmal eine Kurspflicht. Viele Bewerber kaufen sich nach Proskes Erfahrung stattdessen lediglich das zugehörige Lehrbuch und bestehen so auch die Ausbilder-Prüfung. Als echtes Hindernis sieht aber auch er den Umfang der Vorleistungen: Neben der Ausbildungsvergütung muss der Betrieb auch die Führerscheinausbildung bezahlen, neuerdings sogar für die Fahrerlaubnis der Klasse B, sofern diese noch nicht vorhanden ist. Oft werden in solchen Fällen mit dem Azubi Rückzahlungsklauseln vereinbart, falls er vor Ablauf einer bestimmten Mindestverweildauer das Unternehmen verlässt. Leider sind diese jedoch juristisch nicht haltbar. Vor dem Hintergrund einer Durchfallquote von rund 30 % und einer enorm hohen Wechselbereitschaft – die Auszubildenden sind sich heutzutage sehr wohl bewusst, dass sie dringend gebraucht werden – ist vielen Unternehmern das wirtschaftliche Risiko zu hoch.

Die Holztransporteure trafen sich zu ihrem 12. Unternehmertag im Congress Centrum Würzburg Foto: H. Höllerl

An dieser Stelle kommen die öffentlichen Fördermöglichkeiten ins Spiel. Ralf Gierk berät in seinem Unternehmen mit Sitz in Münsingen bei Stuttgart bundesweit Logistikunternehmen in Förderangelegenheiten. Er konnte aufzeigen, dass solche Ausbildungsverhältnisse vom Bundesamt für Güterverkehr (BAG) mit bis zu 50 000 € bezuschusst werden. Eine weitere Möglichkeit stellt die Förderung durch das Arbeitsamt im Rahmen der Weiterbildung von gering qualifizierten Mitarbeitern dar. Einigkeit herrschte im Saal, dass nur echtes Interesse auf Seiten des Bewerbers ein Garant für eine längerfristige Zusammenarbeit ist. In diesem Punkt scheint es den Holzspediteuren aber immer noch besser zu gehen als dem Durchschnitt der Transportbranche: Viele Mitarbeiter entscheiden sich bewusst für die Herausforderung und Verantwortung als Holzkutscher und gegen die langweilige Routine als reiner Lkw-Fahrer.

Förderdschungel

Alleine an De-Minimis-Fördermöglichkeiten gibt es eine schier unüberschaubare Fülle, die für einen Fuhrbetrieb in Frage kommen können. Neben den genannten Ausbildungszuschüssen gibt es Geld für die umweltfreundliche Ausstattung von Fahrzeugen oder die Nachrüstung mit Abbiegeassistenten. Dazu kommen aber auch noch unbekanntere Töpfe wie z. B. der Digitalbonus in Bayern, wenn Unternehmen ihre EDV erneuern. Die Beratung im Rahmen des BAG-Förderservice durch Ralf Gierk wird pauschal abgerechnet und kostet bei einem Betrieb mit bis zu zehn Fahrzeugen 300 € im Jahr. Einige Tagungsteilnehmer sind bereits Kunde bei ihm und bestätigten, dass sich diese Gebühr für sie sehr schnell bezahlt gemacht hat.

ELDATsmart

Marius Kopetzky vom KWF berichtete über den neuen Datenstandard ELDATsmart, der den Informationsfluss in der gesamten Logistikkette Forst und Holz verbessern soll. Auch der erste Ansatz ELDAT, 2002 von ForstBW zusammen mit den Spitzenverbänden von Forst- und Holzwirtschaft initiiert, hatte schon dieses Ziel. Die Prozesse waren aber nicht verbindlich genug beschrieben, sodass es plötzlich für die Kommunikation mit den unterschiedlichen Abnehmern ganz unterschiedliche „Eldats“ gab. Obwohl das neue Forschungsprojekt schon seit Ende 2017 abgeschlossen ist, existieren bis dato noch keine durchgängigen Lösungen, die für den Holztransport relevant wären. Das Ziel ist weiterhin, dass jede Forstsoftware ihre Holzlisten in einer solchen Form ausgibt, dass jedes Warenwirtschaftssystem in der Holzindustrie mit den Daten arbeiten kann und der Fuhrauftrag wiederum in allen Telematik-Programmen verarbeitet werden kann.

Andreas Meggendorfer und Sonja Escherich von UPM in Augsburg brachten sehr selbstkritisch gleich im Anschluss ein Negativbeispiel, wie auch in einem industriellen Großbetrieb die Kommunikation noch viel zu sehr über die fehlerträchtige Zettelwirtschaft funktioniert. Hier soll sich aber nach ihren Aussagen sehr bald etwas ändern. Die weitreichendere Nachricht der beiden war jedoch, dass nach der planmäßigen Schließung der Papiermaschine PM 10 in Plattling im kommenden Herbst ziemlich konkrete Planungen laufen für eine Bio-Raffinerie, in der aus Laubholz das Ausgangsmaterial für Kunststoffe und Biokraftstoff hergestellt werden kann. Als mögliche Standorte sind Frankfurt oder Leuna im Gespräch. In welcher Größenordnung dieses Werk den Wegfall an Fuhraufträgen im Papierholz kompensieren wird, ist noch nicht klar.

Smarte Tachographen

Jes Christophersen vom gleichnamigen Fahrtschreiberdienst informierte über die neue Generation von Digitalen Tachographen, die ab 15. Juni verpflichtend in allen neu zugelassenen Lkw ab 3,5 t verbaut sein müssen. Das kann unter Umständen sogar zur Nachrüstpflicht führen, wenn ein Fahrzeug zwar schon längst beim Aufbauer steht, aber die Erstzulassung erst nach dem Stichtag stattfindet. Über diese Geräte kursieren viele Gerüchte. Äußerlich unverändert, betreffen die wesentliche Änderungen die Integration einer GNSS-Satellitenempfangantenne, eines DSRC-Moduls zur Fernauslesung bis auf eine Distanz von etwa 60 m und die Schnittstelle zu Telematiksystemen. Für die Mauterfassung und die Aufzeichnung von Achslasten gibt es bisher nur eine technische Vorbereitung – die Umsetzung erfolgt voraussichtlich ab 2021. Die neuen Fahrerkarten, die das Potenzial der Geräte überhaupt ausnutzen können, werden erst ab Herbst sukzessive ausgegeben. Die Befürchtungen, dass mit diesen Apparaten der Fahrer vollständig gläsern wird, konnte der Spezialist ein Stück weit entkräften: Mit der neu eingeführten „Datenschutz-Funktion“ kann der Chauffeur immer noch selbst entscheiden, was an das Telematik-Gerät weitergegeben wird. Eine eigene SIM-Karte zur Datenübertragung besitzen die Geräte ohnehin nicht. Auch die Dedicated Short Range Communication DSRC kann wesentlich weniger als oft kolportiert wird: Nur 18 kleine Datenpakete kann die Polizei im Vorbeifahren registrieren, wenn die Zündung aus ist, überhaupt nichts. Dazu zählt z.B., ob eine Geschwindigkeitsüberschreitung (>85 km/h) vorliegt, oder eine Manipulation an der Anlage. Lenkzeitüberschreitungen gehören definitiv nicht dazu. Der Fehler „Betrieb ohne gültige Fahrerkarte“ wird allerdings auch sofort mit ausgegeben. Insofern sollte man dann bei unbedachten Rangierfahrten auf dem Hof künftig noch mehr aufpassen.

Heinrich Höllerl

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