Peter Martensen, IG BAU (links), Ministerpräsident Stephan Weil (Mitte), Dirk Schäfer, BDF (rechts)
Peter Martensen, IG BAU (links), Ministerpräsident Stephan Weil (Mitte), Dirk Schäfer, BDF (rechts)
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BDF: Forum Wald und Klima

07. Januar 2020

700 Forstleute, Waldbesitzende, Forstunternehmer, Forststudierende, Vertreter des Naturschutzes und waldinteressierte Bürgerinnen und Bürger sind der Einladung vom Bund Deutscher Forstleute Niedersachsen und der IG BAU LV Niedersachsen nach Wolfsburg gefolgt. Unter dem Motto: „Streiten und Nachdenken“ fand dort das Forum Wald und Klima statt.

Die Veranstaltung stand unter der Schirmherrschaft des Niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil. Der Ministerpräsident hielt die Eröffnungsrede und hob hervor, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, wenn sich zwei Gewerkschaften für ein solches Projekt zusammentun. Er gab in seiner Rede ein Plädoyer für den Wald und für die darin arbeitenden Menschen: „… ich habe den klaren Eindruck, dass wir nicht über Personalabbau, sondern über Personalaufbau werden zu reden haben“, so Weil. Das haben Forstleute seit Jahrzehnten nicht mehr gehört und folgerichtig gab es kräftigen Applaus aus dem Plenum.

Der Wald braucht Förster

In ihrer Begrüßung wiesen Peter Martensen von der IG BAU und Dirk Schäfer vom BDF auf eine nachdenklich machende Tatsache hin: Für 1,1 Mio. ha Wald in Niedersachsen gibt es deutlich weniger als 400 Förster. Grund dafür ist der massive Personalabbau der letzten 25 Jahre. Die jetzt auf die Forstbetriebe zurollende Arbeitswelle ist mit dem jetzigen Personalstamm nicht zu bewältigen. Zudem grassiere die grundsätzliche Sorge, dass das niedersächsische Waldbauprogramm LÖWE mit seinen hohen fachlichen Standards im Landeswald nicht mehr umsetzbar ist. Im Privatwald sei ein Bezirksförster für 4.000 ha Wald verteilt auf durchschnittlich 280 Waldbesitzer zuständig. Da bedürfe es keiner Erklärung dafür, dass eine flächendeckend befriedigende Beratung und Betreuung nicht mehr realisierbar ist.

Am Vormittag waren die Erlebnisberichte von 5 Menschen zu hören. Ein Waldbesitzer, eine Försterin, ein Sägewerkbesitzer und je ein Vertreter des Tourismus und eines Naturschutzverbandes gaben unter dem Slogan: „Erfahrungen, Erlebnisse, Erwartungen: Berichte von Freunden des Waldes“ Einblick in ihre Perspektive auf das derzeitige Geschehen im Wald.

Fachvorträge

Anschließend hielt Prof. Dr. Christian Ammer den Hauptvortrag „Erst die Gletscher, jetzt die Wälder: Wald und Waldbewirtschaftung im Klimawandel – Fakten, Prognosen, Strategien“. Der Redner erläuterte die Auswirkungen der zunehmenden Wetterextreme auf unsere Baumarten und richtete den Blick in die Zukunft des Waldes. Er stellte dabei fest: „Ich fürchte, die Wetterentwicklung wird eher den ungünstigsten Prognosen des Klimawandels entsprechen.“

Etwas Unruhe entstand bei der Ankündigung des Impulsvortrages von Dr. Stephan Krinke vom Unternehmen Volkswagen zur Dekarbonisierungs-
strategie des Konzerns. Verlorengegangene Glaubwürdigkeit lässt sich eben nur mühsam wieder herstellen. Der Vortrag war aber ein echter Gewinn und ein wichtiger Blick auf die Ursachen des Klimawandels und die Strategien des Wandels!

Unterstützung aus der Politik

Ohne öffentliche Unterstützung wird die aktuelle Krise im Wald nicht zu bewältigen sein. Bundesministerin Julia Klöckner stellt 500 Mio. € für die Schadensbewältigung bundesweit zur Verfügung. Die Länder steuern im Rahmen der Kofinanzierung ebenfalls noch Geld dazu. Für Niedersachsen stünden dann 100 Mio. € für die nächsten vier Jahre zur Verfügung. Allerdings fehlt es noch an den Kriterien, das Geld zielgerichtet einzusetzen. Klimagerecht soll es sein. Für den Landeswald hat Ministerpräsident Weil für die nächsten Jahre jeweils 15 Mio. € zugesagt. Zusammen mit einem Personalaufbau kann das Geld eine große Hilfe sein.

Foren

Forum IV, Waldnatur der Zukunft - Podium mit Publikum am Nachmittag.
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Der Nachmittag galt der Diskussion in fünf verschiedenen Foren, zu denen sich die Teilnehmer angemeldet haben. „Wald wofür?“, „Wald ist Eigentum“, „Wald des Landes“, „Waldnatur der Zukunft“ und Wald und Arbeit“ hießen die Gesprächsrunden. Auch hier war man sich einig, dass es deutlich mehr Personal im Forst geben muss. Der Waldauf- und umbau kann nur mit allen Waldinteressengruppen geschehen. „Wir müssen mehr miteinander und weniger übereinander reden“ so die Forderung. Das öffentliche Anprangern von Waldeigentümern und Förstern in den Medien muss aufhören. Die Wälder, die wir heute vorfinden, sind geschichtlich geprägt. Öffentliche Bedürfnissen nach Bauholz nach dem 2. Weltkrieg verlangten nach schnellwachsenden Nadelbäume. Ein Umbau der so entstandenen Reinbestände zu stabilen Mischwäldern kann nicht von heute auf morgen geschehen. Deshalb ist es wichtig, dass überzogene Forderungen durch Gespräche in realistische umgewandelt werden. Die Risikostreuung, das Setzen auf verschiedene Baumarten mit Integration fremdländischer Baumarten ist eine wichtige Möglichkeit für Forstbetriebe, sich dem Klimawandel zu stellen.

Volle Unterstützung für den Privatwald

Auch Barbara Otte-Kinast, niedersächsische Forstministerin, unterstrich die Bedeutung von qualifiziertem Forstfachpersonal. Ihre volle Unterstützung sagte sie den Privatwaldbesitzern zu. Einige wurden durch die Schadereignisse um ihre Existenz gebracht. Wie soll eine Wiederbewaldung klimagerecht gehen ohne den Einsatz hoher finanzieller Aufwendungen? Der Wald wird in den kommenden 30 Jahren vielerorts keine Einnahmen mehr abwerfen. Die notwendigen Investitionen in Aufforstung und Pflege stellen gerade für Waldeigentümer kleiner und kleinster Waldflächen eine nicht zu stemmende Herausforderung dar. Die derzeit bezifferte Schadfläche in Niedersachsen beläuft sich auf 20.000 ha. Diese gilt es in den kommenden Jahren wieder aufzuforsten. Dafür werden 150 Mio. € benötigt. Hier wird die öffentliche Hand helfen müssen, so Otte-Kinast.

Fazit

Die Veranstaltung wurde als sehr gelungen und zur richtigen Zeit platziert empfunden – so die Worte von Ministerpräsident Stephan Weil. Und die Veranstalter, BDF und IG BAU, waren sich einig: Es war gut, sich der Herausforderung gemeinsam zu stellen. Allerdings wurde mit der Veranstaltung noch nichts Greifbares erreicht. Insbesondere für das im Wald beschäftigte Personal braucht es nun konkrete Maßnahmen, deren Ausgestaltung die kommende Aufgabe auch für die Berufsverbände sein wird.

Dirk Schäfer

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