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BDF Baden-Württemberg fordert nach Kartellamtsbeschluss gesellschaftlichen Prozess

„Nicht erst seit Berthold Brechts Suggestivfrage wissen alle, dass der Wald mehr als 1.000 Klafter Holz ist, nur die zuständigen Mitarbeiter des Bundeskartellamtes und dessen Präsident habe davon noch nichts begriffen“, so Dietmar Hellmann, Vorsitzender des Bundes Deutscher Forstleute (BDF) Baden-Württemberg. Sie beharren auf ihrer neoliberalistischen Sichtweise. Der Bund Deutscher Forstleute sieht damit seine Einschätzung von der Denk- und Handlungsweise dieser obersten Bundesbehörde bestätigt.
… an Zynismus nicht mehr zu überbieten.
Wie anders ist zu erklären, dass das Bundeskartellamt genau die Verwaltungsstrukturen, nämlich die Forstämter in den Land- und Stadtkreisen vollständig zerschlagen will, die in vorbildlicher Weise die Ansprüche der Bürgerinnen und Bürger an die Wälder im Lande sichergestellt hatten, fragen sich viele Forstleute und Waldbesitzer im Lande. Der am 15.7.2015 eingegangene Beschluss des Bundeskartellamtes belegt, dass alle Eingaben und Gespräche mit den Wettbewerbshütern vollständig wirkungslos blieben.
„Die Aussagen des Präsidenten des Bundeskartellamtes zu den Wohlfahrtswirkungen des Waldes im Zusammenhang mit dem am 15. Juli ergangenen Beschluss sind an Zynismus nicht mehr zu überbieten. Der Bund ist nun endgültig gefordert, seine Taktieren um eine längst überfällige Änderung des Bundeswaldgesetzes aufzugeben“, fordert der BDF weiter. Sonst bleibt nicht nur der Kleinprivatwald auf der Strecke. Die Privatisierungsvorgaben der Wettbewerbshüter zerstören die für die Betreuung kleiner Waldbesitzer einzig wirkungsvollen Strukturen. Öffentliche Wälder unterliegen einer besonderen Verpflichtung für das Gemeinwohl, sie sind keine reinen Wirtschaftsbetriebe.
Obwohl sich der BDF eindeutig zur Nutzung des Waldes und des Holzes bekennt, darf die Bewirtschaftung der Wälder nur unter den strengen Regeln einer umfassend definierten und ausgewogenen Nachhaltigkeit erfolgen. Die bisherigen Strukturen der Forstverwaltungen haben dies in einzigartiger Weise garantiert.
… dies kann nicht ins Belieben einer Behörde gestellt werden.
Dass das Verfahren zur Beseitigung der marktbeherrschenden Stellung von ForstBW beim Verkauf von Nadelstammholz zu einem Verfahren aufgeblasen wurde, das selbst die Kontrolle der Nachhaltigkeit in der Waldbewirtschaftung privatisieren will ist ohne Beispiel. „Das Land muss hier eine gerichtliche Klärung herbeiführen. Die Unterstützung des Bundes Deutscher Forstleute ist dabei sicher“, so der BDF-Vorsitzende.
Aber dies alleine reicht nicht aus. Der BDF fordert und fördert weiter einen breit angelegten gesellschaftlichen Prozess zur Klärung, welchen Wald die Bevölkerung will und welche Forstverwaltungsstruktur diesen Wald garantiert. „Wir wollen der Bevölkerung eine Stimme geben, wenn es darum geht festzulegen wie die Wälder vor ihrer Haustüre aussehen sollen und wie die Strukturen sind, mit denen sie bewirtschaftet werden – dies kann nicht ins Belieben einer Behörde gestellt sein.“
 

Zum Thema: forstpraxis.de-Meldung

 
Bund Deutscher Forstleute

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