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Bayerische Staatsforsten legen erfolgreiche Bilanz vor

Die Bayerischen Staatsforsten, AöR haben heute (6.10.2017) ihre Bilanz für das Geschäftsjahr 2017 (1.7.2016 bis 30.6.2017) veröffentlicht.

Immer noch prägen die Folgen von Sturm Niklas die Geschäfte der Bayerischen Staatsforsten. Dazu hat die trocken-warme Witterung in diesem Frühjahr die Ausbreitung des Borkenkäfers begünstigt und das Waldunternehmen zu enormen Anstrengungen gezwungen, eine großflächige Käferkalamität abzuwenden. Das vor diesem Hintergrund erzielte Jahresergebnis von 54,1 Mio. € ist ein großer Erfolg!

Der Umsatz der Staatsforsten ist auf einem vergleichbarem Niveau wie in den vergangenen Jahren und liegt heuer bei 402 Mio. €. 90 % davon oder 362 Mio. € entfallen auf das Kerngeschäft des Unternehmens, den Holzverkauf. Der Holzeinschlag lag mit 4,96 Mio. Fm unter der früher oft überschrittenen Marke von 5 Mio. Fm. Die Preise für frische Fichte und die Holzpreise generell waren im Geschäftsjahr 2017 trotz der Folgen von Sturm Niklas stabil bzw. sogar leicht steigend.

Trotz eines operativen Ergebnisses der Wirtschaftstätigkeit der Bayerischen Staatsforsten von erneut über 80 Mio. € ist der Gewinn von 71 Mio. € auf 54,1 Mio. € zurückgegangen. Die wesentliche Ursache dafür sind steigende Rückstellungen für Altersvorsorge, die unser Unternehmen im Geschäftsjahr 2017 im Ergebnis zusätzlich um 13 Mio. € im Vergleich zum Vorjahr belastet haben. Diese erhöhten Aufwendungen für Altersvorsorge sind direkte Folgen der Niedrigzinspolitik im Euro-Raum.

Dem Borkenkäfer auf der Spur

Das Geschäftsjahr war vor allem zu Beginn im Sommer 2016 wesentlich durch den Borkenkäfer geprägt. Insgesamt sind 2017 rund 710.000 Fm Käferholz angefallen, das entspricht etwa 15 % des Gesamteinschlags. Damit liegt das Niveau etwa 56.000 Fm unter dem Vorjahr, aber immer noch um fast das Doppelte über dem Niveau vor Niklas. Um den Holzmarkt von den Sturm- und Borkenkäferholzmengen zu entlasten, lagern die Bayerischen Staatsforsten seit Sommer 2017 erstmals gute Qualitäten von Borkenkäferhölzern in Nasslagern ein, um diese erst bei einer verbesserten Marktlage zu verkaufen. Zudem gilt seit dem Sommersturm „Kolle“ in Niederbayern ein bayernweiter Einschlagstopp für Nadelfrischholz, der auch vom Sturm betroffenen privaten Waldbesitzern nützt.

Waldumbau – Fit für den Klimawandel

Die letzten großen Stürme Niklas und Kolle sowie die Trockenheit in diesem Frühjahr zeigen es immer deutlicher. Der Klimawandel geht auch an den bayerischen Wäldern nicht spurlos vorüber. Dies gilt vor allem für die sogenannten Nadelholzreinbestände. Diese bauen die Staatsforsten seit einigen Jahren zu stabilen Mischbeständen um.

Aufarbeitung von Sturmholz. Foto: Bayerische Staatsforsten

Von den rund 724.000 ha Staatswald waren 2008 rund ein Viertel, also etwa 172.000 ha umbaunotwendig. Ursprünglich sollten diese Wälder bis 2035 in klimastabile Mischwälder umgebaut sein. Bis Ende 2017 werden jedoch bereits rund 70.000 ha umgewandelt sein, so dass nur noch rund 100.000 ha verbleiben. Da jedes Jahr 7.000 ha umgebaut werden, kann der Umbau voraussichtlich bereits vorzeitig 2030 abgeschlossen sein. Maßgeblicher Grund ist eine deutliche Zunahme der Naturverjüngung, die mittlerweile drei Viertel der notwendigen Waldverjüngung liefert. Die Staatsforsten investierten im Geschäftsjahr 2017 rund 26 Mio. Euro in den Waldumbau in Form von Pflanzung bzw. Saat, Mischwuchs-pflege und Schutz vor Wildschäden. Ziel des Waldumbaus ist ein angemessenes Verhältnis zwischen Nadel- und Laubbäumen.

Wilde Wälder: Bayern ist Spitzenreiter

Die Diskussion um den dritten Nationalpark haben die Staatsforsten zum Anlass genommen zu erheben, wie der Stand bei der natürlichen Waldentwicklung ist. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: 81.800 ha bleiben im Bayerischen Staatswald der natürlichen Waldentwicklung überlassen, mit dauerhaftem Verzicht auf Holznutzung. Das sind 10,4 % der Staatswaldfläche. Damit liegen Bayern deutschlandweit in der Spitzengruppe. Kein anderes Bundesland hat so viele wilde Wälder wie Bayern! Ein dritter Nationalpark, wie er von der Staatsregierung derzeit gesucht wird, ist dabei noch gar nicht berücksichtigt. Alle wilden Wälder Bayerns werden mit Karten und weiteren Informationen auf der Internetseite des Unternehmens sukzessiv veröffentlicht: www.baysf.de/wildewaelder. Jeder Bürger kann bereits 45.000 ha auf Karten im Internet einsehen und in der Natur aufsuchen. Bis zum Jahr 2020 werden alle 81.800 ha auf der Unternehmens-Website veröffentlicht.

Natürliche Waldentwicklung im Naturwaldreservat Riesloch. Foto: Bayerische Staatsforsten

Unternehmensstrategie 2027

Im Geschäftsjahr 2018 tritt die neue Unternehmensstrategie der Bayerischen Staatsforsten, das Nachhaltigkeitskonzept III an dem viele Beschäftigen aktiv mitgearbeitet haben, in Kraft. Allein über das extra eingerichtete Ideenportal wurden rund 2.000 Verbesserungsideen eingebracht. Bis Ende des Jahres werden die wesentlichen Ergebnisse der Unternehmensstrategie der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Nachfolgend eine erste Auswahl:

•  Ausbildungsoffensive: Mehr junge Menschen für den Wald

Alle von den Staatsforsten im Rahmen der neuen Ausbildungsoffensive angebotenen Ausbildungsplätze konnten besetzt werden. 67 Lehrlinge, und damit so viele wie nie, haben am 1. September ihre Ausbildung begonnen. Darunter stellen die Forstwirte/innen mit 59 Auszubildenden den größten Anteil, aber auch Revierjäger/innen, Mechatroniker /innen, Kaufmänner/frauen und Fachinformatiker/innen bilden wir aus. Für die Bayerischen Staatsforsten sind die Azubis eine wichtige Investition in die Zukunft des Unternehmens. Gleichzeitig stärkt das Unternehmen mit den Neueinstellungen den ländlichen Raum.

•  Innovativer Holzbau

Während in anderen Ländern ganz bewusst auf den nachwachsenden, ökologischen und innovativen Werkstoff Holz gesetzt wird, gibt es beim mehrgeschossigen Bauen in Bayern noch Nachholbedarf. Dabei bietet gerade Holz, etwa bei der Nachverdichtung in Städten, neue Möglichkeiten. Der hochwertigen Verwendung des Holzes im Bauwesen kommt in der Holzvermarktung eine Schlüsselrolle zu. Daher haben sich die Staatsforsten zum Ziel gesetzt, den Anteil von Holz im Wohnungsbau zu erhöhen und planen beispielgebende Leuchtturmprojekte des modernen Holzbaus. Das erste Projekt wird ein mehrgeschossiger Wohnungsbau neben der Unternehmenszentrale in Regensburg sein.

•  Zukunftsfähige Wälder – Forschung intensivieren

Die Bayerischen Staatsforsten brauchen eine gesicherte Basis, wie sich die Wälder unter geänderten Klimabedingungen entwickeln werden. Daher wird zusammen mit der TU München und der Bayerischen Forstverwaltung das seit mehr als 140 Jahren bestehende waldbauliche und ertragskundliche Versuchswesen weiterentwickelt und mehr als 100 ha neue Versuchsflächen angelegt. Dabei sollen heimische und „neue“ klimaplastische Baumarten in verschiedenen Mischungsformen erprobt und beobachtet werden.

•  Digitalisierung/Fernerkundung

Die fortschreitende Digitalisierung bedeutet auch für die Staatsforsten einen tiefgreifenden Wandel. Sie schafft zudem neue Möglichkeiten bei der Fernerkundung, um bei Schadereignissen wie Stürmen oder bei der Borkenkäferfrüherkennung deutlich früher als bisher auf belastbarer Datenbasis zurückzugreifen. In drei Jahren wollen die Staatsforsten praxisreife Anwendungen entwickeln die es mittels luftgestützter Aufnahmen von Satelliten, Drohnen oder Kleinflugzeugen deutlich schneller ermöglichen, strategische Entscheidungen zu treffen, insbesondere zu Schadholzaufarbeitung, Holzvermarktung, Nutzung von Lagerkapazitäten und Logistik.

Bayerische Staatsforsten

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