Forstbetrieb

BaySF: Rückkehr in die Gewinnzone im Geschäftsjahr 2022?

Bearbeitet von Jörg Fischer

Die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) haben auf ihrer Bilanzpressekonferenz in München für das Geschäftsjahr 2021 (1. Juli 2020 bis 30. Juni 2021) ein gemischtes Resümee gezogen: Nach einem erneuten operativen Verlust in 2021 – auch wenn dieser geringer ausfiel als noch 2020 – erwarten die Staatsforsten bereits im laufenden Geschäftsjahr 2022 eine Rückkehr in die Gewinnzone.

Das deutlich kühlere und feuchtere Wetter in diesem Jahr wirkt sich ebenso positiv auf den bayerischen Staatswald und in der Folge auch auf die BaySF aus, wie die deutlich verbesserte Situation auf dem Holzmarkt.

Martin Neumeyer, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Staatsforsten: „Die Borkenkäferzahlen gehen insgesamt im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zurück, die Nachfrage nach gesundem, frischem Nadelholz ist gestiegen und die Rundholzpreise haben sich nach einem deutlichen Anstieg der Schnittholzpreise wieder nach oben entwickelt. Diese positiven Entwicklungen sorgen gemäß unserer Planung dafür, dass die BaySF im laufenden Geschäftsjahr wieder in die Gewinnzone kommen. Für das abgelaufene Geschäftsjahr verzeichnen wir aufgrund der letzten drei Trockenjahre und deren Auswirkungen allerdings zum zweiten Mal einen operativen Verlust von -19,2 Mio. € – nach -36,3 Mio. € im Vorjahr.“

Holzeinschlag und -verkauf bewegen sich wie in den Vorjahren auf einem nachhaltig stabilen Niveau. Das Ziel, den Wald gesund zu halten und die Nadelholzvorräte zu sichern, wurde laut Aussage des Unternehmens erreicht. Der Holzeinschlag im Geschäftsjahr 2021 betrug demnach rund 4,1 Mio. Fm. Davon waren 1,35 Mio. Fm Schadholz durch Stürme, Trockenheit, Borkenkäfer oder Hitze:

Neumeyer: „Nur mehr 33 % des Einschlags der BaySF ist Schadholz durch Stürme, Trockenheit, Borkenkäfer und Hitze. Ein Jahr zuvor waren es noch rund 60 %.“

Klimaschutz durch nachhaltige Waldbewirtschaftung und Holzverwendung

Auf der Bilanzpressekonferenz hat Neumeyer zudem deutlich gemacht, welchen Wert Wald und nachhaltige Holzverwendung im Rahmen einer modernen Klimapolitik hat: „Die Bayerischen Staatsforsten wollen und können ihren Beitrag zur CO2-Reduzierung und zur Bewältigung der Klimakrise leisten: Indem wir die Waldfläche erhalten, durch zukunftsgerichteten Umbau zu Klimawäldern und durch zusätzliche Baumpflanzungen. Und indem wir die nachhaltige Bereitstellung von heimischem Holz als Klimaprodukt langfristig sicherstellen und mit Holz und Holzprodukten andere Rohstoffe mit negativer CO2-Bilanz ersetzen. Beides ist untrennbar miteinander verbunden.“

Der Erhalt der Waldfläche und eine nachhaltige Holzverwendung: „Beides ist untrennbar miteinander verbunden.“ – Martin Neumeyer, Vorstandsvorsitzender der BaySF
Der Erhalt der Waldfläche und eine nachhaltige Holzverwendung: „Beides ist untrennbar miteinander verbunden.“ – Martin Neumeyer, Vorstandsvorsitzender der BaySF
Foto: BaySF

Waldumbau auf Rekordniveau

Der Waldumbau – also der Umbau von anfälligen Reinkulturen hin zu stabilen Mischwäldern – konnte im vergangenen Geschäftsjahr noch einmal forciert werden.

Reinhardt Neft, Vorstand der BaySF: „Die Bayerischen Staatsforsten setzen das von Ministerpräsident Dr. Markus Söder und Forstministerin Michaela Kaniber initiierte 30-Millionen-Bäume-Programm konsequent um. 6 Mio. Bäume werden jedes Jahr gepflanzt. Eine Million mehr pro Jahr als geplant.“

Über die Hälfte der zusätzlichen Klimawaldbäume, die im vergangenen Jahr gepflanzt und gesät wurden, waren Eichen. Ausschlaggebend für den hohen Eichenanteil war eine starke Eichenmast im vergangenen Jahr. Aber auch Tannen, Buchen, Douglasien und Lärchen sowie seltenere Baumarten wie Elsbeeren, Kirschen und Esskastanien wurden verstärkt gepflanzt.

Neft: „Aufgrund der neuen Klimawaldkulturen und der zum Teil sehr günstigen Entwicklung der Naturverjüngung können die BaySF zu den bisherigen 7.000 ha Waldumbaufläche pro Jahr zusätzlich weitere 1.000 ha pro Jahr zu klimastabilen Mischwäldern umbauen.“

Ein wesentlicher Schlüssel für den zukünftigen Klimawald sei dabei ganz klar die Jagd. Es gelte die Schalenwildbestände so anzupassen, dass sich die standortgemäßen Baumarten im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen natürlich verjüngen können und die jungen Pflanzen nicht verbissen werden.

Neft: „Mit über 67.000 Stück Schalenwild – davon knapp 11.000 Stück Schwarzwild, rund 3.800 Stück Rotwild und fast 50.000 Stück Rehwild – konnte insgesamt eine sehr hohe Schalenwildstrecke und beim Rehwild das höchste Ergebnis seit Gründung der BaySF erzielt werden.“

Laut Jahresbericht 2021 konnte der Waldumbau weiter vorangetrieben werden.
Laut BaySF konnte der Waldumbau weiter vorangetrieben werden.
Foto: BaySF

Finanzielle Situation

Die Ertrags- und Finanzlage der Staatsforsten hat sich im vergangenen Geschäftsjahr deutlich verbessert. Manfred Kröninger, Vorstand der BaySF: „Neben den positiven Wald- und Holzmarktentwicklungen haben der umfangreiche Holzlagerabbau, eine weiterhin sehr strikte Ausgabendisziplin der Betriebe und die Fokussierung auf das Kerngeschäft der Waldbewirtschaftung die Trendwende eingeleitet.“

Trotz dieser positiven Entwicklungen wirken sich die Trockenjahre und die Holzmarktkrise auf das Ergebnis aus. Kröninger: „Das operative Betriebsergebnis, das EBIT, ist immer noch negativ und der Gesamtverlust, der Jahresfehlbetrag, ist aufgrund der hohen Rückstellungen für die Pensionslasten weiterhin erheblich. Erfreulich ist dagegen, dass wir wieder einen Zahlungsüberschuss, d. h. positiven operativen Cash-Flow von 46,7 Mio. € ausweisen können. Das Unternehmen ist wieder in der Lage sich zumindest zum Teil aus eigener Kraft zu finanzieren.“

Die BaySF erzielten im Geschäftsjahr 2021 einen im Vergleich zum Geschäftsjahr 2020 um 8,1 % gesteigerten Umsatz in Höhe von 339,7Mio. € (Vorjahr 314,2Mio. €). Dabei konnte der Holzumsatz, der 83,8% des Gesamtumsatzes ausmacht, um 16,3Mio. € bzw. 6,1% von 268,4Mio. € auf 284,7Mio. € gesteigert werden.

Der Umsatz aus den weiteren Geschäftsfeldern konnte ebenfalls von 28,4Mio. € auf 29,9Mio. € gesteigert werden, genauso wie der Umsatz aus besonderen Gemeinwohlleistungen: Hier stiegen die Zahlen deutlich um 75,2% von 10,3Mio. € auf 18,0Mio. €. Es handelt sich dabei insbesondere um Coronahilfen des Freistaats Bayern sowie unter anderem um Förderungen für die Themen Schutzwaldsanierung und -pflege, Naturschutz und Erholung.Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung sowie die Konjunkturprognosen für die Bauwirtschaft und Sägeindustrie unterstützen die positive Entwicklung der BaySF zusätzlich.Kröninger: „Die BaySF sind wieder auf einem wirtschaftlich soliden Kurs. Wir können unsere Aufgaben für den Umbau des bayerischen Staatswaldes zum Klimawald erfüllen.“

„Staatsforsten müssen konsequent auf den Rohstoffmarkt einwirken“

Die Grünen im Bayerischen Landtag zeigten sich erfreut über die wirtschaftliche Erholung des Staatsforstbetriebs, reagierten jedoch besorgt auf die aktuelle Entwicklung am Holzmarkt. So erklärte der forstpolitische Sprecher der Landtags-Grünen, Hans Urban: „Wir sind froh, dass die BaySF wie alle anderen bayerischen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer das wirtschaftliche Tal am Holzmarkt durchschritten haben. Doch die Aufgaben werden mehr. Künftig gilt es für den größten bayerischen Waldbesitzer, aktiv auf den Holzmarkt einzuwirken.“ Dazu zähle unter anderem der Ausbau der Nasslagerkapazitäten in Zusammenarbeit mit den Privatwaldbesitzenden, um künftige Preiseinbrüche auf dem Holzmarkt abzufedern. Urban: „Die BaySF müssen auf den Rohstoffmarkt und somit auf die Preisgestaltung konsequent einwirken. Denn die Ausschläge am Holzmarkt werden häufiger und extremer werden. Nur so kann auch eine Holzversorgung im Inland dauerhaft gesichert werden. Gewinne müssen künftig bei den BaySF verbleiben. Damit wird notwendiger Spielraum geschaffen, um Fremdkapital zurückzahlen zu können und Waldbau nicht auf Pump betreiben zu müssen. Auch Investitionen in die Erholungsfunktion des Staatswalds könnten so geleistet werden – vom Wanderweg bis zum Radweg.“

Die BaySF sind am 20. Oktober erneut Thema im Landtag mit einer Anhörung von Sachverständigen zur Reform „Forstbetrieb 2030“. Urban hatte diese beantragt mit dem Hinweis, dass die Umstrukturierung der BaySF „nicht hinter verschlossenen Türen in einer Vorstandsetage, unterstützt durch eine wirtschaftsorientierte Unternehmensberatung“ geschehen dürfe. „Der Wald gehört uns allen. Deshalb muss seine Zukunft auch mit allen diskutiert werden.“

Weitere Informationen: www.baysf.de/bilanz2021

Quellen: BaySF/Die Grünen im Landtag Bayern