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BaySf-Forstbetrieb Wasserburg stellt Naturschutzkonzept vor

Der Forstbetrieb Wasserburg am Inn stellte im Rahmen zweier Waldbegänge Vertretern der Kommunen, der Landkreise und des verbandlichen sowie behördlichen Naturschutzes sein neu aufgestelltes Regionales Naturschutzkonzept vor. Naturschutz im Wald bedeutet für die Förster der Bayerischen Staatsforsten Bäume so zu nutzen, dass vielgestaltige Strukturen und Kleinstlebensräume entstehen und erhalten blieben: Spechtbäume, besonnte Altbäume, wertbringende Nadel und Laubbäume, dichte junge Wälder, Tümpel und Waldwiesen. Das Besondere am Naturschutz im Wald ist die Entwicklung des gesamten Lebensraums für Tiere, Pflanzen, Holzproduktion und Erholung. Der Wald ist in unserer Kulturlandschaft oftmals letzter Rückzugsraum für seltene Arten, weil er ganzjährig Deckung und Nahrung bietet.

Am Beispiel des Großhaager Forstes und des Altöttinger Forstes zeigten der Forstbetriebsleiter, Dr. Heinz Utschig und seine Mitarbeiter wie der Wald hin zu artenreichen und gesunden Mischwäldern umgebaut wird. Der scheinbare Interessenskonflikt zwischen Holzproduktion und Bewahrung des Naturerbes (Naturschutz) lässt sich mit konsequent naturnaher Waldbewirtschaftung sehr gut lösen. Daraus erwachsen stabile Wälder mit hohem Strukturreichtum, die anpassungsfähig an Umweltveränderungen sind. Sie sind geprägt durch einen hohen Anteil an natürlicher Waldverjüngung. Dabei verstehen die Waldexperten unter naturnaher Waldwirtschaft ein dynamisches System, bei dem junge Wälder sich auf gleicher Fläche mit reifen Stadien abwechseln. Erreicht wird dies durch aktives Nutzen auf ganzer Fläche. Dr. Utschig vor Ort: Nutzung und Wald-, Biotop- und Artenschutz sind in unserem Bewirtschaftungskonzept kein Widerspruch. Sonderstandorte wie Gewässer oder Wiesen werden extensiv gepflegt.

Das Regionale Naturschutzkonzept gibt den Försterinnen und Förstern künftig Leitlinien ihres Handelns, hält Besonderheiten in Text und Karten fest und formuliert Ziele. Eines dieser Ziele ist den Anteil an Totholz in älteren Beständen ein Lebensraum für viele selten gewordene Arten zu steigern. Ein anderes Ziel ist das konsequente Markieren von Biotopbäumen vor Hiebsmaßnahmen, um z.B. das Fällen von Spechtbäumen in den Waldbeständen zu verhindern.

Eine wichtige Säule in der Naturschutzarbeit der Bayerischen Staatsforsten ist eine regionale Vernetzung mit den Naturschutz- und Landschaftspflegeverbänden und den verantwortlichen Behörden. Die projektbezogene Zusammenarbeit soll auch hier in Zukunft vertrauensvoll fortgesetzt werden.

Die Forstwirtschaft feiert heuer, dass die Idee der Nachhaltigkeit vor 300 Jahren erfunden wurde. Die in unseren bewirtschafteten Wäldern zu findende Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten macht Mut, den Weg von Schützen und Nutzen im Rahmen der integrativen Forstwirtschaft fortzusetzen.

Hintergrund

Im Zuge ihres Nachhaltigkeitskonzepts haben die Bayerischen Staatsforsten Ziele für den Naturschutz im Wald festgelegt. Das daraus entwickelte Naturschutzkonzept enthält bereits detaillierte Aussagen zum Natur- und Artenschutz in den Staatswäldern des Freistaats Bayern und wurde in einem 10-Punkte-Programm veröffentlicht. 

Im regionalen Naturschutzkonzept werden diese Vorgaben auf Forstbetriebsebene in konkrete Handlungsanweisungen umgesetzt und regionale Besonderheiten des Naturschutzes herausgearbeitet. Der Forstbetrieb Wasserburg umfasst eine Gesamtfläche von 19 681 ha. Trotz des hohen Nadelbaumanteils von 68 % haben die Wälder des Forstbetriebs in der Region eine besondere naturschutzfachliche Bedeutung. Dies zeigt sich an der Gebietskulisse von über 4 100 ha Fauna-Flora-Habitat-Gebieten (FFH), 354 haVogelschutzgebieten (SPA) und 221 ha Naturschutzgebieten. In diesen Schutzgebieten werden die jeweiligen Schutzziele konsequent verfolgt und mit den zuständigen Behörden vertrauensvoll und konstruktiv umgesetzt.

Übergeordnetes Ziel der Naturschutzarbeit ist die Erhaltung und Schaffung von naturnahen Mischbeständen mit den daran gebundenen Lebensgemeinschaften. Durch einen integrativen Schutzansatz werden mit dem Erhalt von alten Wäldern und mit dem Totholz- und Biotopbaumprogramm die Ansprüche aus dem Artenschutz zielführend abgedeckt. Die Bewirtschaftungsphilosophie beinhaltet eine naturnahe Forstwirtschaft auf ganzer Fläche, die neben der Holznutzung eine hohe ökologische Wertigkeit sicherstellt.

Wälder auf Feucht-, Trocken- und Sonderstandorten wurden im Forstbetrieb erfasst und erfahren eine gesonderte, angepasste Waldbehandlung. Besonders erwähnenswert sind hier die Grauerlenwälder oder die Brennen entlang des Inns. In verschiedenen Programmen, Projekten und Untersuchungen wird am Artenschutzmanagement gearbeitet. Ziel ist hierbei, durch eine naturnahe und rücksichtsvolle Waldbewirtschaftung, den Ansprüchen der einzelnen Arten Rechnung zu tragen. Die dynamischen Entwicklungen im Ökosystem Wald werden dabei stets im Auge behalten und genießen i.d.R. den Vorrang vor einem statisch konservierenden Schutzansatz.

Die vorgesehenen Naturschutzziele sind in der mittel- und langfristigen Forstbetriebsplanung (Forsteinrichtung) berücksichtigt. So entsteht in den ausgewiesenen Klasse-2- und Klasse-3-Waldbeständen durch die verstärkte Anreicherung von Totholz ein Verwertungsverzicht. Die Ausweisung von Klasse-1-Waldbeständen und der damit verbundene Nutzungsverzicht ist bei der Herleitung des forstbetrieblichen Hiebsatzes berücksichtigt worden

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BaySf / Naturschutzkonzept Forstbetrieb Wasserburg

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