Nicht zuletzt den Waldumbau hin zu mehr klimastabilen Mischbeständen treiben die Bayerischen Staatsforsten weiter voran.
Nicht zuletzt den Waldumbau hin zu mehr klimastabilen Mischbeständen treiben die Bayerischen Staatsforsten weiter voran.
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BaySF blicken auf das Geschäftsjahr 2022

18. Oktober 2022

Am 30. Juni lief das Geschäftsjahr 2022 aus (1. Juli 2021 bis 30. Juni 2022). Die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) ziehen rückblickend Bilanz und wagen den Blick in die Zukunft.

Die letzten Jahre waren aus forstwirtschaftlicher Sicht nicht einfach. Die Extremjahre seit 2018 sorgten für große Schäden in den Wäldern – nicht nur durch Trockenheit und Hitze. Insbesondere Schäden durch die Fichtenborkenkäferarten sorgten für einen hohen Anfall von Fichtenschadholz und damit für eine unsichere Marktlage. Umso erfreulicher fiel die Bilanz des Geschäftsjahres 2022 der BaySF aus. So schreibt das Unternehmen laut eigener Aussage wieder schwarze Zahlen. Die Borkenkäferschäden sind auf dem niedrigsten Stand seit fünf Jahren und auch auf zukünftige Krisen will sich das Unternehmen vorbereiten. Hierzu hat das einen Klimawaldfonds aufgesetzt.

Hauptursache für die Ergebnisverbesserung ist der marktbedingt spürbare Preisanstieg beim Holz. Das geht aus einer Pressemitteilung der BaySF hervor. Der Holzeinschlag im Geschäftsjahr 2022 betrug demnach rund 4,9 Mio. Fm (Vorjahr: 4,1 Mio. Fm) – und das bei einem jährlichen Zuwachs von rund 6,1 Mio. Fm. Der Holzverkauf der BaySF betrug im vergangenen Geschäftsjahr 4,3 Mio. Fm (Vorjahr: 4,4 Mio. Fm).

Geschäftsjahr 2022: BaySF produzieren mehr Brennholz

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und die damit verbundene Energiekrise setzen den Brennholzmarkt aktuell enorm unter Druck. Aus diesem Grund haben auch die BaySF die Produktion und die Bereitstellung von Brennholz erhöht, so das Unternehmen. „Die Staatsforsten haben bereits im Frühjahr 2022 eine Mehrmenge von rd. 50.000 Fm gegenüber der Planmenge an Brennholz bereitgestellt. Im Geschäftsjahr 2023 sollen nach Möglichkeit weitere Mehrmengen bereitgestellt werden. Damit wird die Brennholzmenge bei den BaySF insgesamt um rd. 25 % erhöht“, so Martin Neumeyer, Vorstandsvorsitzender der BaySF. Die Grundsätze der Nachhaltigkeit habe man dabei stets im Blick.

Aber auch andere Nutzungsformen spielen im bayerischen Staatswald eine zunehmend größere Rolle. So wollen die BaySF auch für die gesellschaftliche Notwendigkeit nach regenerativen Energieformen wie bspw. für die Stromerzeugung aus Windkraft Flächen zur Verfügung stellen. Die Bayerische Staatsministerin und BaySF-Aufsichtsratsvorsitzende Michaela Kaniber: „Die geplante Anpassung der 10-H-Regelung führt schon jetzt zu einer sehr hohen Nachfrage nach Flächen für Windenergieanlagen im Staatswald. Deshalb kommt es jetzt darauf an, den Ausbau der Windenergie auf BaySF-Flächen waldschonend, rechtssicher und gleichzeitig effektiv und mit hoher Geschwindigkeit voranzubringen.“

Die niedrigsten Borkenkäferzahlen seit fünf Jahren

Die Witterung und das Borkenkäfermanagement mit über 175.000 Suchstunden haben laut BaySF dafür gesorgt, dass es dem bayerischen Staatswald im Geschäftsjahr 2022 etwas besser ging. Reinhardt Neft, Vorstand Bayerische Staatsforsten: „Die Borkenkäferholzmenge lag mit rund 660.000 Fm knapp 300.000 Fm unter der Vorjahresmenge. Das ist der niedrigste Wert seit 2017.“ Auch die Gesamt-Schadholzmenge sei auf 1,26 Mio. Fm zurückgegangen.“

Der Hitzesommer 2022 habe die Lage erneut verschärft. Durch den trockenen und heißen Sommer seien die Bäume gestresst und es habe sich an vielen Orten eine dritte Käfergeneration ausgebildet. Die Borkenkäferzahlen steigen aktuell wieder, teilt der Staatsbetrieb mit.

Das macht den Waldumbau der Fichtenreinbestände zu einer der aktuell wichtigsten Herausforderungen für Forstbetriebe in Deutschland, so auch für die BaySF. Beim Waldumbau sei man aber „voll im Plan“, lässt das Unternehmen mitteilen. Derzeit werden demnach jährlich ca. 8.000 ha reine Nadelwaldbestände in Mischbestände umgebaut. Im letzten Geschäftsjahr wurden v. a. Eichen, Buchen und Tannen gepflanzt bzw. gesät.

Die finanzielle Situation der BaySF

Die ungebrochene Nachfrage nach dem Rohstoff Holz und die dadurch hohen Holzpreise sei hauptsächlich dafür verantwortlich gewesen, dass die BaySF im Geschäftsjahr 2022 einen im Vergleich zum Geschäftsjahr 2021 um 19,9 % gesteigerten Umsatz in Höhe von 407,3 Mio. € (Vorjahr: 339,7 Mio. €) ausweisen konnten. Der Holzumsatz, der 87,1 % des Gesamtumsatzes ausmacht, um 70,1 Mio. Euro bzw. 24,6 % von 284,7 Mio. Euro auf 354,8 Mio. € gesteigert werden.

„Die strikte Ausgabendisziplin unserer Betriebe und die Fokussierung auf das Kerngeschäft der Waldbewirtschaftung haben zu einem operativen Gewinn/EBIT im Geschäftsjahr 2022 von 45,5 Mio. € (Vorjahr: -19,2 Mio. €) geführt. Die nach wie vor erheblichen Aufwendungen für Pensions- und Beihilfeverpflichtungen führen unter dem Strich zu einem gegenüber dem Vorjahr deutlich verbesserten Ergebnis mit einem Jahresüberschuss von 5,3 Mio. € (Vorjahr: -64,2 Mio. €). Wir schreiben also wieder schwarze Zahlen“, betont BaySF-Vorstand Manfred Kröninger.

Klimawaldfonds sollen helfen, die Zukunft zu gestalten

Um auf künftige Krisen finanziell gut vorbereitet zu sein, wurde der sog. Klimawaldfonds ins Leben gerufen. „Auch wenn wir aufgrund der verbesserten Rahmenbedingungen auch für das Geschäftsjahr 2023 eine deutliche Verbesserung des operativen Ergebnisses und einen positiven Jahresüberschuss im Vergleich zu den Vorjahren erwarten, müssen wir die günstige Situation nutzen und Vorsorge betreiben: Die Errichtung des Klimawaldfonds ist eine der wichtigsten strategischen Entscheidungen in der Staatsforsten-Historie“, so Kröninger.

Der Klimawaldfonds soll der finanziellen Vorsorge für wirtschaftlich schwierige Zeiten dienen. Die Finanzmittel seien demnach für die Finanzierung der Waldbewirtschaftung im Krisenfall vorgesehen. In den kommenden Jahren sollen so durch regelmäßige Zuführungen insgesamt 200 Mio. € eingelegt werden, so der Staatsbetrieb in einer Pressemitteilung. Staatsministerin Kaniber dazu: „Eine erste Tranche in Höhe von 20 Mio. € konnten wir bereits im vergangenen Geschäftsjahr einzahlen.“

Kröninger ergänzt abschließend: „Für das (aktuell) laufende Geschäftsjahr sind Zuführungen in Höhe von bis zu 50 Mio. € geplant. Gewinne werden somit in den Wald, das Unternehmen und dessen Zukunft investiert und nicht mehr an den Freistaat abgeführt.“

Mit Material der BaySF