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In Bayerns Wäldern herrscht derzeit eine hohe Stehendbefallgefahr.

Bayern: Pflanzenschutzmittelsituation im Forst spitzt sich zu

Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) berichtet im Blickpunkt Waldschutz 9/2020: Zum 31. Juli 2020 enden die Zulassungen einiger Pflanzenschutzmittel (PSM) zur Borken- und Rüsselkäferbekämpfung. Im Einzelnen handelt es sich um die Spritzmittel „Fastac Forst“ und „Fastac Forst Profi“ sowie die Netz-Systeme „Storanet“ und „Trinet P“.

Die beiden „Fastac“-Präparate können sowohl gegen holz- und rindenbrütende Borkenkäfer, als auch Rüsselkäfer verwendet werden. „Storanet“ kann gegen holz- und rindenbrütende Borkenkäfer verwendet werden, „Trinet P“ ausschließlich gegen den Buchdrucker.

Rechtlich greifen ab dem Tag des Endes der Zulassung die gesetzlichen Abverkaufs- und Aufbrauchfristen (vgl. § 28 Abs. 4 und § 12 Abs. 5 Pflanzenschutzgesetz (PflSchG)).

PSM, die sich bei Zulassungsende bereits im Handel befinden, können somit voraussichtlich bis zum 31. Januar 2021 für weitere sechs Monate vertrieben werden. Die Anwender haben die Möglichkeit, ihre Restbestände innerhalb von 18 Monaten, bis zum 31. Januar 2022, aufzubrauchen.

Nach jetzigem Kenntnisstand ist die weitere Anwendung dieser Mittel über die genannten Fristenden hinaus verboten.

Die genannten Fristen gelten entsprechend § 46 PflSchG und Art. 52 Abs. 6 VO (EG) 1107/2009 ebenfalls für sämtliche durch den Parallelhandel in Verkehr gebrachte PSM, deren Referenzmittel eines der aufgeführten Präparate ist.

Für die Zukunft werden dadurch Optionen für die chemische Behandlung von Poltern und Jungpflanzen entfallen. Die Lage im Bereich der Pflanzenschutzmittel im Forst wird sich weiter verschärfen.

(Mehr zum Thema Pflanzenschutzmittel in der LWF)

Aktuelles zur Borkenkäfersituation – Stehendbefall zur Anlage der 2. Generation

In der ersten Juliwoche (KW 27) ist ein Großteil der Jungkäfer der ersten Generation ausgeflogen. Aktuell legen Buchdrucker die Bruten der zweiten Generation an. Die Fangzahlen liegen bei mehr als der Hälfte der Fallenstandorte bayernweit verteilt über 3.000 Buchdrucker je Falle. Es muss erneut mit erheblichem Stehendbefall gerechnet werden. Bei der andauernden Brutanlage wird viel frisches Bohrmehl ausgeworfen, das derzeit gut zu sehen ist.

Was jetzt bei der systematischen Befallskontrolle zu beachten ist:

  1. Bohrmehlsuche im Umkreis bekannter Befallsherde: Suchen Sie die Randbäume an bekannten Käfernestern aus dem Frühjahrsbefall und letztjährigen Befall sowie im Umkreis befallener Holzpolter intensiv nach Bohrmehl ab. Auch Harztropfen und mit Harz verklebtes Bohrmehl sind Kennzeichen frischen Befalls. Achtung: Bei Temperaturen über 30 °C, ziehen sich die Käfer zur Brutanlage ins Bestandesinnere oder an die kühleren Nordränder zurück. Daher ist die Befallskontrolle in disponierten Beständen entsprechend auszuweiten.
  2. Suche nach sich verfärbenden, bisher nicht gefundener Fichten aus dem Frühjahrsbefall – Bohrmehlsuche im Umkreis.

Der Frühjahrsbefall lag v. a. an süd- bis südwestlichen Waldrändern, im Umkreis von Einzel- und Nesterwürfen aus dem Sturmtief Sabine und im Umkreis letztjähriger Käfernester. Diesen Frühjahrsbefall bemerkt man nun an sich sukzessiv ins rotbraun verfärbenden Kronen, Rindenabfall am Kronenansatz, Spechtabschlägen und Nadelabfall („grüner Teppich“).

Achtung: viele Fichten weisen trotz eines starken Befalls noch immer eine grüne Krone auf. Auch diese Fichten werden sich nicht mehr von dem Befall erholen und absterben.

Haben Sie die genannten Befallsmerkmale gefunden, suchen Sie die benachbarten Fichten (Umkreis von ca. 150 m) intensiv nach Bohrmehl, Harztropfen und mit Harz verklebtem Bohrmehl ab, da in diesen Fichten die 2. Generation angelegt wird.

Entscheidend für den Bekämpfungserfolg in den kommenden Wochen ist es, die jetzt frisch befallenen Bäume zu finden und den Befall rasch zu sanieren, möglichst, bevor die Elternkäfer zur Anlage der Geschwisterbrut wieder ausfliegen. Schauen Sie auch unter die Rinde des Frühjahrsbefalls, ob ggf. noch Geschwisterbruten vorhanden sind. Je nach deren Entwicklungsstand ist die Aufarbeitung prioritär.

Die aktuelle Gefährdungseinschätzung der ÄELF finden Sie unter www.borkenkaefer.org.

Quelle: LWF/Red.

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