Baum und Natur

Baumschul-Lotterie: Fehlen Zukunftsbäume für klimastabile Stadtbepflanzung?

Bearbeitet von Carolin Föste

Neben dem Wald muss auch das Stadtgrün an den Klimawandel angepasst werden. Das Gelingen hängt unter anderem von der Verfügbarkeit der sogenannten Zukunftsbäume in den nächsten Jahren ab. Einflussfaktoren sind eine Verschiebung in der Nachfrage und der Fachkräftemangel. Der Bund deutscher Baumschulen e. V. (BdB) spricht von „Wartelisten“ und „Lotteriespiel“.

Deutsche Innenstädte sollen klimastabil werden. Daher steigt die Nachfrage nach ausgewählten Zukunftsbäumen. Mit verheerendem Effekt. Denn sind nur bestimmte Arten gewünscht, führt das zu Engpässen. Und tatsächlich: Die breite Palette an Bäumen, die sich für die Stadtbegrünung eignen, werde nicht gleichmäßig nachgefragt. Das berichtet der BdB und weist auf die Probleme hin, die daraus erwachsen.

Nachfrageverschiebung in Baumschulen

„Alle Landschaftsarchitekten, Planer und Grünflächenämter der Städte stürzen sich jetzt auf diese Zukunftsbäume, aber den Einen gibt es nicht“, berichtet Christoph Dirksen, Experte der Baumschule Ley in Meckenheim, Nordrhein-Westphalen. Daher haben die Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz e. V. (GALK) und der BdB 2021 eine Liste zur Empfehlung von 65 Baumarten ausgearbeitet, die künftig verlässlich Städte begrünen können.

Diese Zukunftsbäume seien aber keinesfalls neu: „Die waren auch schon vor Jahren in den Baumschulen bekannt, wurden aber nicht gefragt“, so Dirksen. Die Nachfrage sei zwar riesig, einen regelrechten „Run“ gebe es aber nur auf wenige Arten: „Aktuell wollen alle Verantwortlichen unbedingt Feldahorn (Acer campestre), Silberlinde (Tilia tomentosa) oder Amberbaum (Liquidambar).“

Baumschulen stehen vor großer Herausforderung

Einfach seien die gewünschten Bäume für die Stadtbegrünung nicht herangewachsen. Die Aufzucht ist kosten- und arbeitsintensiv und braucht vor allem Zeit. Manche Zukuftsbäume bringen zudem einen besonders hohen Aufwand mit, beschreibt Dirksen beispielsweise: „Ein Französischer Ahorn (Acer monspessulanum) will nicht gerade und gleichmäßig wachsen.“

Viel Zeit in der Aufzucht brauchen außerdem die Kornelkirsche (Cornus mas) oder der aktuell sehr gefragte Eisenholzbaum (Parrotia persica). Um zukunftsfähige Qualitäten bereitzustellen, brauche es daher ausreichend fachkundiges Personal. Doch das ist rar geworden: Die Anzahl an Baumschulen habe sich in den letzten Jahren halbiert.

Palette an Zukunftsbäumen erfordert Weitsicht

Baumschulen finden sich aktuell vor einer Herkulesaufgabe wieder: Der Nachfrage der nächsten Jahrzehnte gerecht zu werden sei ein „gewisses Lotteriespiel.“

Bäume seien noch nie so knapp bemessen gewesen wie heute, es gäbe sogar Wartelisten, beschreibt Dirksen: „Viele aktuelle Bestellungen können erst nächstes oder übernächstes Jahr geliefert werden.“ „Klassiker“ wie Platane (Platanus spec.), Kaiserlinde (Tilia pallida) und Spitzahorn (Acer platanoides) seien aktuell dennoch verfügbar. Der Baumschul-Experte appelliert daher an die Weitsicht der Abnehmer, „denn auch das etablierte Sortiment ist mit über 500 Sorten sehr groß.“ Damit könne ein Mix aus neuen und etablierten Baumarten verfolgt werden.

Quelle: BdB