ABO
Baumkletterer Kay Busemann überwacht den Aufstieg seiner Kollegin Erika Luppi in eine Kiefer (Foto aus 2016). Foto: LV Lippe

Baumkletterer im Dienst des Waldschutzes

Sie erregten zu Beginn des vergangenen Jahres einiges Aufsehen: Zwei Baumkletterer, die in Waldflächen rund um den Donoper Teich in Kiefernkronen aufstiegen, um dort Zweige mit Kiefernzapfen zu schneiden. In den nächsten Tagen kehren sie zurück – und werden zusammen mit den Forstfachleuten des Landesbetriebes Wald und Holz Nordrhein-Westfalen und des Landesverbandes Lippe erneut Kiefern beernten. Die Maßnahme dient dem Waldschutz.„Wir ernten hier Zweige mit Zapfen aus den Kronen, um die Genressourcen dieser Kiefern zu erhalten“, erläuterte Lydia Schulze vom Lehr- und Versuchsforstamt Arnsberger Wald des Landesbetriebes Wald und Holz Nordrhein-Westfalen. Gehölzgenetik sei die Basis für gesunde und widerstandskräftige Wälder der Zukunft und somit für eine künftige, erfolgreiche Waldbewirtschaftung. Deshalb hat sich das Land Nordrhein-Westfalen zur Aufgabe gemacht, forstliche Genressourcen von Bäumen und Sträuchern in Nordrhein-Westfalen zu erhalten und zu fördern. „Die Kiefern, die wir beernten, sind rund 205 Jahre alt. Sehr wahrscheinlich gehören sie der alten ostwestfälischen Standortrasse an. Von dieser gibt es nicht mehr viele Vorkommen. Zugleich weisen die Bäume eine sehr gute Holzqualität auf. Wir wollen ihre DNA unbedingt erhalten.“Dazu werden in den Kiefernkronen dünne Äste geschnitten, sogenannte Veredelungsreiser. In diesen stecken das Erbgut und das Alter des Baumes. In den Gewächshäusern des Lehr- und Versuchsforstamts werden diese an jungen Bäumchen befestigt, so dass Ast und Baum zusammenwachsen. Mit dem Ast trägt dieser neue Baum die Information in sich, schon 205 Jahre alt und somit in der Lage zu sein, Saatgut, also Zapfen zu produzieren. Durch diesen „Trick“ beginnen diese kleinen Bäumchen sehr früh, Zapfen auszubilden. „Nach drei Jahren pflanzen wir die kleinen Bäume als Samenplantage auf eine geeignete Fläche des Landesverbandes, um mittelfristig reichlich Saatgut ernten zu können“, sagte Hermann Kaiser, Leiter des zuständigen Forstreviers Hiddesen beim Landesverband Lippe. „Wir unterstützen die Arbeit des Lehr- und Versuchsforstamts sehr gern, weil so das genetische Potential unserer Kiefern für künftige Generationen gesichert wird. Wir hoffen, damit Bäume zu gewinnen, die optimal an die sich ändernden Umwelt- und Klimabedingungen dieses Standortes angepasst sind.“Lydia Schulze und Hermann Kaiser wiesen darauf hin, dass die Baumkletterer in den nächsten Tagen zahlreiche Kiefern beernten und dazu auch mit ihrem Wohnmobil im Wald unterwegs sind. Sie bitten Wanderer und Spaziergänger um Verständnis.

LV Lippe
Baumkletterer Kay Busemann überwacht den Aufstieg seiner Kollegin Erika Luppi in eine Kiefer (Foto aus 2016). Foto: LV Lippe Wanderausstellung

Auch interessant

von