Baum und Natur

Baum des Jahres 2022: Die Rotbuche

Bearbeitet von Jörg Fischer

Die Rotbuche (Fagus sylvatica) ist der Baum des Jahres 2022. Was die Entscheidung des Kuratoriums Baum des Jahres so besonders macht ist die Tatsache, dass die Buche diesen Titel nicht zum ersten Mal trägt. Die „Mutter des Waldes“, wie unsere aktuelle Titelträgerin auch genannt wird, war bereits im Jahr 1990 zum Jahresbaum gekürt worden. Was kennzeichnet unsere häufigste heimische Laubbaumart, wie ist ihre aktuelle Situation in Deutschland zu beurteilen und mit welchen Herausforderungen muss die Buche in Zeiten des Klimawandels zurechtkommen? Darüber informiert unser Autor, Prof. Dr. Andreas Roloff, in der AFZ-DerWald 4/2022.

Eine große, gewölbte, dunkle Krone und ein glatter, silbergrauer Stamm mit einem Bilderbuch der Baum-Körpersprache, da alle Narben sehr lange erhalten bleiben: Das ist typisch für die Rotbuche. Zudem haben sich am Stammfuß oft eindrucksvolle Wurzelanläufe entwickelt. Im naturnahen Wald bildet die Rotbuche oft sogenannte Hallenwälder, fast ohne Unterwuchs. Highlights sind das Austreiben der hellgrünen Blätter im April und die Herbstfärbung im Oktober mit allen Gelb- und Brauntönen, bevor es dann hell unter den Buchen wird. Mit ihrem starken Kronenschatten im Sommer kommt sie selbst gut zurecht. Wo sie wächst, bestimmt sie daher das Konkurrenzgeschehen. Das große natürliche Areal der Buche erstreckt sich über fast ganz Europa, mit Ausnahme des Nordens und Nordostens.

Ihre dichte Belaubung und Krone lassen nur 1 % der Freilandstrahlung durch. Junge Buchen können so extrem an Schatten angepasst sein, dass sie Jahrzehnte in waagerechter Wartestellung verharren – bis schließlich durch Absterben oder Beseitigen von Nachbarbäumen Licht zu den kleinen Bäumchen durchkommt. Dann richten sie sich auf und wachsen los. Ähnlich schattentolerante Baumarten sind bei uns nur Eibe, Ilex und Weißtanne. Etwas sehr Interessantes ist die sog. Belaubungsregel der Buche: Die Kronen ergrünen allmählich von unten nach oben, Naturverjüngung und die unteren Äste treiben zuerst aus. Dies ist für das Überleben dieser Schattenzweige existenziell, denn nur so erhalten sie noch bis zu fünf Wochen Licht durch die Oberkronen, bevor diese dann auch austreiben und es für den Rest der Saison unten stockdunkel wird.

Gegenüber Trockenheit wird die Buche überwiegend als empfindlich eingestuft. Dies gilt allerdings nur für plötzliche Trockenheit wie in Extremsommern. Hat sie sich dagegen in ihrem Leben an trockenere Standorte angepasst, kommt sie damit relativ gut klar – darüber gehen die Meinungen aber auseinander.

Buchen sind Lebensraum für viele Tierarten und Pilze – unter Letzteren ist sicher der Zunderschwamm am bekanntesten und am häufigsten. Die Bucheckern werden gerne von Vögeln und Säugetieren verzehrt und versteckt und auf diese Weise auch über größere Distanzen verbreitet.

Die Buche ist wegen ihres harten Holzes mit dem rötlichem Farbton (daher auch der Name Rotbuche) für die Forstwirtschaft attraktiv. Aus ihrem Holz werden Möbel und Gebrauchsgegenstände hergestellt, neuerdings wird es auch für tragende Konstruktionen im Hausbau verwendet. Aus Bucheckern kann man Speiseöl gewinnen. In der Heilkunde wurden Buchenblätter früher als kühlende Wundauflage verwendet, sie sind glatt und weich.

Den Beitrag in voller Länge lesen Sie in der Printausgabe 4/2022 von AFZ-DerWald oder in unserem Digitalmagazin.

Text: Andreas Roloff