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Aus den Blüten der Linde lässt sich Tee zubereiten.

Bäume und Sträucher in der traditionellen Volksmedizin

Forstleute im Pfälzerwald haben in den letzten Wochen festgestellt: die Zahlen derer, die Ausgleich und Entspannung im Wald suchen, hat sich vervielfacht. Damit zeigt die Corona-Krise auch, wie wertvoll unsere Wälder als Rückzugsorte für die Menschen tatsächlich sind. Immer mehr Untersuchungen bestätigen darüber hinaus die positive Wirkung von Wald und Bäumen auf unsere Gesundheit. In Japan ist die „Waldmedizin“ sogar ein anerkannter Forschungszweig. Von dort stammt der Begriff Shinrin yoku, bei uns als Waldbaden bekannt. Neben dieser Wirkung, die sich allein durch einen achtsamen Aufenthalt unterm Blätterdach entfalten kann, gibt es in unserem größten Erholungsraum Baum- und Straucharten, die eine pharmazeutische Bedeutung haben.

Als die Versorgung mit Ärzten und Apotheken noch nicht so dicht war wie heute, war zur Heilung, Vorbeugung oder Linderung mancher Krankheiten die „grüne Praxis des Doktor Wald“ wichtig für die zum Großteil bäuerliche Bevölkerung. Das Wissen um die heilenden Wirkungen von Kräutern, Sträuchern und Bäumen war noch weit verbreitet und so bediente man sich an den rezeptfreien und kostenlosen „Arzneimitteln“ der Natur. Natürlich kann diese Art der Medizin einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Renaissance der Volksmedizin

In letzter Zeit erlebt die sogenannte Volksmedizin jedoch eine gewisse Renaissance. Vielleicht eine gute Gelegenheit, sich bei den Aufenthalten im Wald einmal wieder mit einigen Waldbäumen und -sträuchern und deren pharmazeutischer Wirkung zu befassen. Wer noch nicht alle Arten kennt, kann die große Bandbreite der Bestimmungsliteratur zu Rate ziehen oder eine der kostenlosen Apps für das Smartphone herunterladen.

Bei der Entnahme von Naturmaterialien, die für den Verzehr geeignet sind, aber bitte beachten, dass auch hier die sogenannte Handstraußregel gilt. Diese besagt, dass es erlaubt ist, an Stellen der Natur, die keinem Betretungsverbot unterliegen, wie dies in Naturschutzgebieten oder Nationalparks der Fall ist, bestimmte Pflanzen in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf pfleglich zu entnehmen und sich anzueignen (§ 39 III Bundesnaturschutzgesetz). Geschütze Pflanzen sind dabei selbstverständlich auch außerhalb dieser Gebiete tabu.

Ausgewählte Bäume und Sträucher unserer Wälder in der Volksmedizin

Eiche (Stiel- und Traubeneiche)

Die Eiche übt schon sehr lange eine starke Anziehungskraft auf die Menschen aus, die sie als heilig verehrten. Auch in der Heilkunde hatte sie ihren Platz. Die Germanen sollen Eichenlaub für Bäder zur äußeren Behandlung von entzündlichen Hauterkrankungen verwendet haben. Bei der inneren Anwendung kam sie bei unspezifischen, akuten Durchfallerkrankungen und bei lokaler Behandlung leichter Entzündungen im Mund- und Rachenbereich zur Anwendung.

Eichenaufguss: Zur inneren Anwendung ein Gramm der fein geschnittenen oder grob pulverisierten Eichenrinde mit kaltem Wasser ansetzen, aufkochen und nach fünf Minuten abseihen. Bei der äußerlichen Anwendung (Spülungen, Umschläge, Gurgellösung) wird 20 Gramm Droge mit einem Liter Wasser zubereiten. Für Voll- und Teilbäder 5 Gramm Droge auf einen Liter Wasser geben.

Linden

Bekannt ist der hustenreizstillende und beruhigende Effekt des Lindenblütentees bei Halsschmerzen. Zudem wird der Lindenblüte eine krampflösende, schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkung zugesprochen. Sie wird daher bei fieberhaften Erkrankungen, grippalen Infekten und Katarrhen der oberen Atemwege eingesetzt und aufgrund spezifischer Inhaltsstoffe auch zur Linderung von Unruhezuständen verwendet.

Lindenblütentee: Pro 250 ml Tee benötigt man circa einen Teelöffel der getrockneten oder zwei Teelöffel der frischen Blüten. Mit kochendem Wasser übergießen und zehn Minuten lang ziehen lassen. Tee vor dem Genuss durch ein Sieb geben. Frischer Zitronensaft und ein Teelöffel Honig runden das Getränk geschmacklich ab.

Weiden

In der Antike kannte man Weidenrinde als fiebersenkende und schmerzstillende Arznei. Dies belegt eine Tontafel aus der Zeit um 700 v. Chr., auf der Rezepte und auch Weidenblätter abgebildet sind. Weidenrinde beinhaltet eine chemische Substanz, die der Acetylsalicylsäure sehr ähnelt. Dieser Wirkstoff ist unter dem Markenname Aspirin weltbekannt.

Weidenrindentee: Zwei bis drei Gramm fein geschnittene Weidenrinde mit 150 ml kaltem Wasser versetzen, den Ansatz zum Kochen bringen, vom Herd nehmen und nach zehn Minuten abseihen. Als mittlere Tagesdosis drei- bis viermal täglich eine Tasse Weidenrindentee trinken.

Weißdorn (ein- und zweigriffeliger)

Weißdornblätter mit Blüten wirken gegen nachlassende Leistungsfähigkeit des Herzens (Herzinsuffizienz). Weißdornfrüchte werden bei nervösen Herzbeschwerden und zur Unterstützung der Herz- und Kreislauffunktion verabreicht. Die positive Wirkung des Weißdorn-Extrakts ist wissenschaftlich untersucht und belegt.

Weißdorntee: Fein geschnittene Weißdornblätter mit Blüten (1,0 bis 1,5 g) mit 150 ml siedendem Wasser übergießen, nach 15 Minuten abseihen und frisch trinken. Weißdornfrüchte sind zur Bereitung eines Teeaufgusses nicht geeignet.

Walnuss

Tinkturen aus den grünen und unreifen Früchten der Echten Walnuss hilft bei Diabetes, behandelt die Arteriosklerose, nimmt die Müdigkeit und aktiviert das Immunsystem. Weiterhin hilft sie bei Erkältung, besonders bei einem langwierigen und trockenen Husten, und bei schwerem Durchfall.

Grüne Walnuss-Tinktur: Grüne und unreife Früchte der Walnuss – bei einem Durchmesser von 2 bis 3,5 cm von Ende Mai bis Mitte Juni sammeln – in kleine Stücke zerschneiden, bis zur Hälfte in eine Flasche geben und mit Wodka (40 %) auffüllen. Fest verschlossene Flasche für 40 Tage an einen dunklen und kühlen Ort stellen, dabei alle drei bis vier Tage aufschüttelnd. Die fertige Tinktur durchsieben und an einem dunklen und kühlen Ort aufbewahren. Zur Prophylaxe einen Teelöffel der Tinktur zwei- bis dreimal täglich und über einen Monat fortdauernd einnehmen.

Schwarzdorn (Schlehe)

Die Früchte, Blüten und Rinde der Schlehe enthalten Vitamine, Mineralien, Gerbstoffe und Fruchtsäuren, die sie zu einer wichtigen und breit einsetzbaren Heilpflanze machen. Die Inhaltsstoffe wirken schleimlösend, krampflösend, abführend, harntreibend, reinigend, zusammenziehend, entzündungshemmend und anregend auf unseren Organismus. Einsatzbereiche sind Durchfall, Erkältung, Hautausschlägen, Magenbeschwerden, Rheuma, Fieber, Verstopfung, Zahnfleischentzündungen sowie Ödeme.

Schlehensaft: Die Schlehenfrüchte, die Sie geerntet (und eingefroren) haben, geben sie in einen großen Topf und übergießen sie mit so viel kochendem Wasser, bis alle Schlehen gut bedeckt sind. Diesen Ansatz lassen Sie 24 Stunden lang stehen. Nach dieser Zeit sieben Sie die Flüssigkeit ab, erhitzen sie wieder zum Kochen und gießen sie erneut über die Schlehen. Wieder 24 Stunden stehen lassen, absieben, den Schlehensaft zum Sieden erhitzen und heiß über die Schlehen gießen. Diesen Vorgang wiederholen Sie 5 bis 7 mal. Mit jedem Tag wird die Flüssigkeit dunkler, süßer und aromatischer. Nach dem letzten Erhitzen wird der Schlehensaft heiß in Flaschen gefüllt und gleich verschlossen. So ist er lange haltbar. Zum Trinken können sie ihn wieder erwärmen und bei Bedarf süßen.

Für Interessierte steht hier eine Liste mit weiterführender Literatur zur Verfügung.

Quelle: Landesforsten Rheinland-Pfalz

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