Baumpflege

Bäume, die „in den Himmel wachsen“

Bearbeitet von Mirjam Kronschnabl-Ritz

Auf Industriebrachen und Halden leisten heute „wilde Wälder“ einen wertvollen Beitrag zur Klimaanpassung, zur Naherholung und zur Artenvielfalt im Ballungsraum an Rhein und Ruhr. Das 1996 gegründete Industriewald-Projekt feiert dieses Jahr 25. Geburtstag.

Mit dem Rückgang des Bergbaus entwickelten sich mitten im Ruhrgebiet auf Brachflächen, Halden und in Bergsenkungsgebieten sogenannte „Postindustrie-Wälder“. Um diese Wälder zum Schutz des Klimas, für den Boden- und Gewässerschutz, die Artenvielfalt und die Naherholung im Ballungsraum zu erhalten, wurde vor 25 Jahren das „Industriewaldprojekt Ruhrgebiet“ als Kooperationsprojekt des Städtebauministeriums als Flächeneigentümerin und der Landesforstverwaltung NRW aufgebaut und entwickelt.

Multitalent und Hot Spot

Ursula Heinen Esser, NRWs Umweltministerin freut sich über diese multitalentierten urbanen Wälder, die eine besondere Form grüner Infrastruktur sind. „Sie speichern CO2, schützen das Klima, speichern Feuchtigkeit und kühlen die Umgebung an heißen Sommertagen. Sie sind unverzichtbar im Kampf gegen den Klimwandel.“ Zudem seien sie ein Hot Spot der biologischen Vielfalt und darüber hinaus vielfältig nutzbar im Hinblick auf Erholung, Freizeitgestaltung und Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Brachflächenfolgenutzung gesichert

Umweltministerin Ursula Heinen-Esser und Städtebauministerin Ina Scharrenbach besuchten gemeinsam aus Anlass des 25-jährigen Projektjubiläums sowie des Eigentumsübergangs der Waldflächen an den Landesbetrieb Wald und Holz NRW eine Fachtagung mit dem Titel „Wertvoller Wilder Wald“. Städtebauministerin Ina Scharrenbach zum Jubiläum: „Wir haben es heute mit einem fast natürlichen Übergang einer Fläche in eine neue Zuständigkeit zu tun: Industriewald, der nicht zuletzt durch die gute Zusammenarbeit von Umwelt- und Städtebauministerium heute einen wesentlichen Beitrag zur Erholung und Umweltbildung und für die nachhaltige Entwicklung in einem Ballungsraum mit vielfältiger Industriegeschichte leistet, wird künftig in der ,Obhut’ des Landesbetriebs Wald und Holz weiterentwickelt. Auf diese Weise wird das Fortbestehen eines der innovativsten Projekte der Brachflächenfolgenutzung im Ruhrgebiet gesichert.“

Hintergrund zum Projekt Industriewald:

Das Industriewaldprojekt Ruhrgebiet ist 25 Jahre lang als Kooperationsprojekt des Städtebauministeriums als Flächeneigentümerin und der Landesforstverwaltung NRW aufgebaut und entwickelt worden. In diesem Kooperationsprojekt dürfen auf ehemaligen Industriebrachen und Halden die Bäume sprichwörtlich „in den Himmel wachsen“. Denn hier ist das Wirken der Natur und damit die natürliche Entwicklung der Wälder weitestgehend ohne Eingriffe des Menschen, Programm und Methode zugleich. Die Forststation auf der ehemaligen Zeche Rheinelbe, einst eine Schaltzentrale für eine Reihe Gelsenkirchener Zechengelände, dient dabei heute als Bildungs- und Informationszentrum des Industriewaldprojektes.

Das Industriewaldprojekt Ruhrgebiet wurde Ende 2020 als „Wildnis- und Naturerfahrungsraum im Ruhrgebiet“ im Rahmen des Sonderwettbewerbs „Soziale Natur – Natur für alle“ als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet.

In der AFZ-DerWald Ausgabe 17 gibt es einen Schwerpunkt zum Thema Bergbaufolgelandschaften

Quelle: Wald und Holz NRW, MULNV