ABO

Baden-Württemberg: Wildtier-Lebensraum-Projekt mit internationaler Bedeutung gestartet

Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk: Der Verbund von Wildtier-Lebensräumen lässt sich am besten gemeinsam mit den Landnutzern und den Menschen vor Ort realisieren.

„Der Erhalt der biologischen Vielfalt ist eine der großen Aufgaben unserer Zeit, die wir gemeinsam lösen werden. Der Verbund von Lebensräumen wird dabei eine entscheidende Rolle spielen, und die dicht besiedelte und ökologisch hochwertige Region Hochrhein nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein. Wir wollen zeigen, wie Biotopverbund grenzüberschreitend und gemeinsam mit den Landnutzern funktioniert“, sagte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk MdL, am 21. November in Bad Säckingen (Landkreis Waldshut).
Ökologische Trittsteine und Wildtier-Korridore
Der Schutz der Arten sei kein Selbstzweck. Biologische Vielfalt sei wichtig für stabile Ökosysteme und somit für eine leistungsfähige Land- und Forstwirtschaft. „Eine gesunde und artenreiche Tier- und Pflanzenwelt ist auf einen Austausch der Genreserven angewiesen. Vielfach steht dem die Zersiedelung der Landschaft entgegen. Oftmals sind Straßen oder Eisenbahnlinien vor allem für kleinere und weniger mobile Arten unüberwindbare Hindernisse. Ökologische Trittsteine und Wildtier-Korridore schaffen Abhilfe“, erklärte der Minister. Mit seiner zentralen Lage in Europa und seinen vielfältigen Landschaften trage Baden-Württemberg besondere Verantwortung für den Biotopverbund. In der Region Hochrhein, zwischen Schwarzwald und Schweizer Jura, zeige sich dies deutlich.
Grundsätzliche Überlegungen zum Biotopverbund seien im Generalwildwegeplan des Landes festgelegt, der sowohl im Jagd- und Wildtiermanagementgesetz, als auch im Koalitionsvertrag der Landesregierung Niederschlag gefunden hätte. „Der Generalwildwegeplan gibt uns die grobe Marschrichtung vor. Unser Projekt füllt den politischen Auftrag mit Leben“, erklärte der Minister. Ziel des Landes sei dabei, die Entscheidungsträger aus Land- und Forstwirtschaft von Anfang an einzubinden und mitzunehmen. Dies trage dazu bei, Nutzungskonflikte bereits im Vorfeld bestmöglich auszuräumen.
International aufgestellt, vor Ort verankert, wissenschaftlich fundiert
„Die Zusammenarbeit mit der Schweiz zeigt die Tragweite des Projekts“, betonte Peter Hauk. Auf der schweizerischen Seite seien am Hochrhein in den letzten Jahren schon einige Projekte zur Stärkung der Lebensraumvernetzung beschlossen und umgesetzt worden. Die dort gewonnenen Erfahrungen könnten nun auf der anderen Rheinseite genutzt werden.
Besonders hervorzuheben sei die Verankerung des Projekts vor Ort. „Der Naturpark Südschwarzwald als Projektträger ist in der Region verwurzelt und wird von den Menschen dort getragen. Der Naturpark-Gedanke sieht den wirtschaftenden Menschen im Mittelpunkt, der den Schutz der Natur als Grundlage allen Lebens fest im Blick hat“, sagte der Minister. Mit der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt seien ausgewiesene Experten auf nahezu allen für das Projekt relevanten Fachgebieten eingebunden.
Projekt zur Wiedervernetzung am Hochrhein
Der Naturpark Südschwarzwald führt in Zusammenarbeit mit der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg (FVA) ein Entwicklungs- und Erprobungsprojekt zur Wiedervernetzung am Hochrhein durch. Dieses wird mit Fördergeldern des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) unterstützt und bindet auch die Schweiz als angrenzenden Staat mit ein.
Die Region am Hochrhein ist einerseits durch eine hohe naturschutzfachliche Bedeutung gekennzeichnet, andererseits durch einen zunehmenden Ausbau der Infrastruktur. Weitere Besonderheit ist die Grenzlage, die eine internationale Kooperation mit der Schweiz hinsichtlich der großräumigen Vernetzung der Wildtierlebensräume nahelegt. Dies gilt umso mehr, da auf dem angrenzenden Gebiet der Schweiz in den letzten Jahren schon viele Projekte zur Stärkung der Lebensraumvernetzung umgesetzt wurden.
In einer zweijährigen Vorstudie soll ein Konzept für Wiedervernetzungsmaßnahmen bzw. den Erhalt der bestehenden Wildtierkorridore in einem partizipativen Prozess ausgearbeitet werden. Eine wesentliche Grundlage hierfür stellt der Generalwildwegeplan, der mittlerweile auch im Jagd- und Wildtiermanagementgesetz verankert ist, dar. Nach Bewilligung eines Folgeprojekts soll dieses Konzept als Grundlage für ein grenzüberschreitendes Umsetzungsprojekt mit bundesweiter Bedeutung zur Förderung der biologischen Vielfalt dienen. Ein direktes Ziel ist unter anderem die Wiederherstellung eines ehemals vollständig intakten Wildtierkorridors. Damit soll die landschaftsökologische Anbindung des Schwarzwaldes an den Hochrhein sowie zum Schweizer Jura und Alpenraum für Wildtiere nutzbar gemacht werden.
Der Generalwildwegeplan stellt eine verbindliche Raumkulisse für den landesweiten Verbund aller waldassoziierten Arten dar. Er steht als Masterplan und Beurteilungsgrundlage für Infrastrukturprojekte zur Verfügung und ist fachlich dem Geschäftsbereich des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz zugeordnet.
MLR Baden-Württemberg

Auch interessant

von