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Baden-Württemberg: FSC-Zertifizierung kontra Energiewende?

Baden-Württemberg: FSC-Zertifizierung kontra Energiewende?

Am 19. März 2014 fand in Stuttgart die Fachtagung „FSC-Zertifizierung kontra Energiewende?“ statt. Die Veranstaltung wurde gemeinsam vom Holzenergie-Fachverband Baden-Württemberg e.V. (HEF), dem Bundesverband BioEnergie e.V. (BBE) und dem Netzwerk Holzenergie Forst (NHF) ausgerichtet. Im Mittelpunkt stand die Information von betroffenen Betrieben über die FSC-Zertifizierung des Staatswaldes von Baden-Württemberg, Informationen, die eigentlich von einer transparent arbeitenden Landesregierung hätten gegeben werden müssen.
Kronen- und sog. Waldrestholz darf dort ab dem 1. Mai 2014 nicht mehr zu Hackschnitzeln verarbeitet werden. Jedes Jahr fehlen dann aus öffentlichen Wäldern mindestens 200.000 Fm Holz für die Produktion von Energieholz. Hinzu kommt noch, dass die verfügbare Holzmenge in Flächenlosen, woraus private Bürger das Holz für ihren heimischen Ofen aufarbeiten, im gleichen Umfang reduziert werden soll. Die notwendige Ersatzbeschaffung von Heizöl lässt sich mit einem mittleren zweistelligen Milionenbetrag beziffern, womit ein erheblicher Kapitalabfluss aus dem ländlichen Raum ausgelöst wird.
„Damit ist die Basis für eine kostengünstige und klimafreundliche Energieversorgung zerstört. Mit Steuermitteln unterstützte Heiz(kraft)werke, kommunale und private Holzheizungen stehen vor dem Aus“, warnt der Vorsitzende des HEF, Helmut Bunk. Der HEF fordert daher eine Anpassung des FSC-Standards an aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, eine Beteiligung am aktuellen Revisionsprozess und ein Moratorium bei der Einführung von Nutzungsbeschränkungen.
Nicht nachvollziehbare Verbote
Der Abschluss der FSC-Zertifizierung des Staatswaldes in Baden-Württemberg steht kurz bevor. Das Hacken von Nichtderbholz (unter 7 cm Durchmesser) ist dann verboten. Mindestens ein Viertel des energetisch verwendbaren Holzes bleibt so ab Mai ungenutzt im Wald zurück. Da es derzeit keine wirtschaftlichen Verfahren gibt um z. B. eine Laubholzkrone ausschließlich bis zur Derbholzgrenze aufzuarbeiten, wird der nicht verwertete Anteil sogar noch deutlich höher sein. Das führt zu einer signifikanten Verknappung der Energieholzversorgung.
Die Auswirkungen auf die gesamte Hackschnitzel-Branche werden erheblich sein – beginnend beim Maschinenhersteller über den Unternehmer, Aufbereiter und Anlagenbetreiber bis hin zum Endkunden. Zudem wird sich die Nutzungskonkurrenz zur stofflichen und Scheitholznutzung deutlich verschärfen.
Langfristige, großflächige bodenkundliche Untersuchungen und deren aktuelle Auswertungsergebnisse haben in den vergangenen Jahren zu profunden Kenntnissen über die Auswirkungen der Nutzung verschiedener Baumsegmente (Stammholz, Nichtderbholz, Kronenholz) auf den jeweiligen Waldstandorten geführt. Insbesondere das Forschungsvorhaben der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt („Möglichkeiten und Grenzen der Vollbaumnutzung“) hat wertvolle Ergebnisse geliefert. Außerdem haben mehrere Bundesländer auf der Basis langfristiger Messungen und Untersuchungen flächendeckende Planungsgrundlagen erstellt (z. B. Bayern, Niedersachsen).
Waldstandorte können auf diesen Grundlagen hinsichtlich ihrer Nährstoffsituation klassifiziert werden. Bei Nährstoffmangel im Boden wird darauf verzichtet, Nichtderbholz aufzuarbeiten.
Das geplante Nutzungsverbot für Material, das beim Freischneiden von Wegen und Straßen im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht anfällt, ist ebenfalls nicht nachvollziehbar, da der Waldboden überhaupt nicht betroffen ist.
Das ebenfalls verbotene Hacken von Holz, das von Borkenkäfern befallen ist, stellt eine große Gefahr für die umstehenden Bäume dar und ist ein unkalkulierbares Risiko für den Waldbesitzer.
Klimaziele ohne Holzenergie nicht realisierbar
„Die ambitionierten Klimaziele der Bundesregierung und der Landesregierung für 2020 können ohne die Holzenergie nicht realisiert werden. Bestehende Stoffkreisläufe und regionale Wertschöpfung müssen erhalten bleiben. Kurze Wege sind die Basis für energieeffizientes Handeln denn sie bedeuten Arbeitsplätze in strukturschwachen Regionen.“, so Bunk.
Forderungen des Holzenergie-Fachverbandes
Der HEF fordert daher das Anpassen der FSC-Kriterien an den aktuellen Stand der Wissenschaft und den Dialog mit den verantwortlichen Behörden, politischen Entscheidungsträgern sowie dem FSC-Deutschland, um den Revisionsprozess des FSC-Standards konstruktiv begleiten zu können.
Von der Landesregierung fordert der HEF die Garantie für eine sichere Versorgung mit Energieholz für die bestehenden Heiz(kraft)werke.
 
Im Netzwerk Holzenergie Forst, dem Holzenergie-Fachverband Baden-Württemberg sowie im Bundesverband BioEnergie werden die Interessen der Holzenergie vom Waldbesitz über die Forstwirtschaft, die Unternehmen der Gewinnung und Aufarbeitung, bis hin zu Anlagenbetreibern und Energielieferanten vertreten.
Holzenergie-Fachverband Baden-Württemberg

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