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Baden-Württemberg: Bodenschonende Bewirtschaftung des öffentlichen Waldes

2015 ist das Jahr des Bodens. Jährlich am 5. Dezember zum Weltbodentag wird an seine Bedeutung erinnert und für einen sorgsamen Umgang geworben. Für die Forstwirtschaft in Baden-Württemberg hat der Waldboden eine große Bedeutung. Er ist wichtigster Produktionsfaktor und im wahrsten Sinne des Wortes die Grundlage für jeden gesunden Wald.

Winterzeit ist Erntezeit im Wald. Neben konventionellen Holzernteverfahren kommt zum Schutz des Bodens zunehmend Spezialtechnik zum Einsatz, zum Beispiel Seilkräne. „Der Landesbetrieb ForstBW verfolgt seit vielen Jahren eine naturnahe und bodenschonende Bewirtschaftung des öffentlichen Waldes. Ziel dabei ist es, immer das beste verfügbare Verfahren einzusetzen. Dabei spielt auch Seilkrantechnik vor allem an Steilhängen oder bei extrem weichen und befahrungsempfindlichen Böden eine wichtige Rolle. Seilkräne leisten einen wichtigen Beitrag zu einem schonenden Umgang mit dem Waldboden“, sagte Landesforstpräsident Max Reger, am 4. Dezember in Bopfingen (Ostalbkreis) im Rahmen einer Holzerntemaßnahme mit einem Seilkran.
Der Landesbetrieb ForstBW, die Untere Forstbehörde Ostalbkreis und der baden-württembergische Unternehmerverband VdAW demonstrierten in Bopfingen, dass moderne Forsttechnik und gut ausgebildete Beschäftigte ein Garant für pflegliche Waldwirtschaft sind. „Bodenschutz ist eine der entscheidenden Grundlagen einer naturnahen Forstwirtschaft. Mit der Feinerschließungsrichtlinie aus dem Jahr 2003 und dem Konzept zur Sicherstellung der Funktionsfähigkeit von Rückegassen aus dem Jahr 2012 sind die notwendigen Grundlagen vorhanden. Zu unserer Strategie gehört ganz klar auch der Einsatz von Spezialtechnik“, ergänzte Max Reger. Dies zeige sich auch daran, dass baden-württembergische Unternehmen künftig bei der Beschaffung bodenschonender Forsttechnik unterstützt werden.
Bodenschutzkonzept von ForstBW
Der Landesbetrieb ForstBW verfügt über ein umfassendes Konzept zum Schutz des Bodens, das auf der Basis der Standortskartierung erstellt wurde und damit die unterschiedlichen Empfindlichkeiten des Bodens berücksichtigt. Für den Bodenschutz ist vor allem entscheidend, dass der Anteil des Waldbodens, der befahren wird, so weit wie möglich reduziert wird. Deshalb besteht das Verbot der flächigen Befahrung von Waldbeständen. Im Staatswald von Baden-Württemberg werden Rückegassen mit einem Abstand von 40 m festgelegt. Nur auf diesen findet eine Befahrung statt. Damit werden rund 90 % der Waldfläche von der Befahrung ausgenommen.
Je nach Ausgangszustand und abhängig vom Ergebnis einer Risikoanalyse werden bereits im Stadium der Hiebsplanung geeignete organisatorische und/oder technische Maßnahmen zum Schutz des Waldbodens ergriffen. Bei befahrungsempfindlichen Standorten kann bei den Arbeitsverfahren auf mehrere alternative Möglichkeiten zurückgegriffen werden. Dabei sind unter anderem auch Seilkräne gute Alternativen auf sensiblen Böden. Bei der Verwendung von Großmaschinen muss der Druck der Reifen auf den Waldboden reduziert werden. Dies erfolgt durch Breitreifen, Verwendung mehrachsiger Maschinen und zusätzlicher Bänder über den Rädern.
Seit dem 1. Januar 2014 gilt ein landesweites Bodenschutzkonzept mit verbindlichen Standards im Staatswald. Neben den genannten Aspekten umfasst dies eine maximale Fahrspurtiefe von 40 cm. Ist eine Gefährdung des Grenzwertes absehbar, müssen die Arbeiten konsequent eingestellt werden. Der Zustand der Rückegassen ist vor und nach der Holzerntemaßnahme zu dokumentieren.
Die beiden Forstzertifizierungsorganisationen FSC und PEFC haben bei ihren letzten Überwachungsaudits im Staatswald nahezu keine Beanstandungen in Bezug auf den Bodenschutz festgestellt.
Gemeinsames Ziel von Waldbesitzenden und Forstunternehmen
„Im Verband der Agrargewerblichen Wirtschaft (VdAW) sind 250 baden-württembergische Forstunternehmen organisiert“, sagte Klaus Schätzle vom Unternehmerverband Baden-Württemberg. Sie arbeiten für den privaten, kommunalen und staatlichen Waldbesitz. Hauptsaison für Waldpflegearbeiten sei der Winter. Bei der Holzernte werden Bäume entnommen, damit anderen qualitativ hochwertigeren Bäumen ein optimales Wachstum möglich ist. Zu den optimalen Arbeitsbedingungen gehört eine trockener oder gefrorener Boden, was im Zuge des Klimawandels zunehmend zur Ausnahme wird.
Gemeinsames Ziel von Waldbesitzenden und Forstunternehmen ist eine vorsichtige Entnahme gekennzeichneter Bäume ohne den Boden oder die verbleibenden Bäume zu beschädigen. Gut ausgebildete Forstwirtinnen und Forstwirte sorgen für eine bestandsschonende Fällung. Zusätzlich kommen Holzerntemaschinen wie Harvester und Forwarder zum Einsatz Eine besonders bodenschonende Methode ist die Holzernte mit dem Seilkran. Die geernteten Stämme werden mit einer Seilbahn an die Waldstraße gebracht. „Wenn der Boden so nass ist, dass alle Schutzmaßnahmen nicht mehr ausreichen, bleibt die Maschine stehen“, betonte Klaus Schätzle.
Unabhängige Qualitätskontrolle
Die Anforderungen an eine pflegliche Waldwirtschaft sind hoch. Deshalb lassen sich Forstunternehmen mit ihrem Maschinenbestand zertifizieren. Die Qualitätskontrolle erfolgt von unabhängigen Prüforganisationen einmal jährlich. Gängige Forstunternehmerzertifikate sind das Deutsche Forst-Service-Zertifikat (DFSZ), das RAL-Gütezeichen für Wald- und Landschaftspflege, das KFP System (Kompetenter Forstpartner) oder das KUQS Zertifikates (Kompetenznachweis zu Umwelt-, Qualitäts- und Sicherheitsstandards für forsttechnische Dienstleistungsunternehmen).
Der Verband der Agrargewerblichen Wirtschaft unterhält den Standard Deutsches Forst-Service-Zertifikat (DFSZ). „Dabei werden die forstliche Qualifikation und die Einhaltung von Sozialstandards geprüft. Eine umweltschonende Arbeitsqualität durch den Einsatz moderner und gepflegter Maschinen ist vorgeschrieben. Notwendige waldbauliche und ökologische Kenntnisse für die Anlage von Rückegassen oder den Erhalt von Biotopbäumen als Brutplatz für Vögel und Insekten werden abgefragt“, erklärte der Unternehmervertreter. Einer DFSZ-Zertifizierung unterziehen sich zurzeit rund 1.400 Forstunternehmer in Deutschland, betonte Schätzle.
Denn eins ist klar:
Waldarbeit schafft Werte und bewahrt. Unter diesem Motto möchte ForstBW Waldbesucherinnen und Waldbesucher Forstwirtschaft im Wald erklären. „Wenn wir erklären, was wir im Wald tun, können Interessierte besser verstehen, das Holzernte essenziell für die Waldpflege ist. Die verbleibenden Bäume können nach der Pflegemaßnahme besser wachsen und aus dem geernteten Holz entstehen Produkte des täglichen Bedarfs“, erklärte Forstpräsident Max Reger. „Denn eins ist klar: ohne Wald kein Stuhl, kein Bett und keine Zeitung“, betonte Reger.
MLR Baden-Württemberg

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