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Experten der Universität Karlsruhe und Marburg haben einen Leitfaden entwickelt

Auwälder: Bundesweites Modellprojekt an der Mittelelbe abgeschlossen

Auwälder an Flüssen und Bächen – seit der Regulierungswut Mitte des vorigen Jahrhunderts europaweit quasi vom Aussterben bedroht – sind problemlos mit dem Hochwasserschutz vereinbar, wenn sie an der richtigen Stelle positioniert sind. Untersuchungen der Universitäten Karlsruhe und Marburg am Beispiel des Rühstädt-Bälower Bogens nahe Wittenberge haben ergeben, dass die Elbevorländer ein beträchtliches ökologisches Potenzial für Auwälder sowie ausreichend Überflutungsareale für den Hochwasserfall bieten. Die Experten haben einen Praxisleitfaden entwickelt, mit dem sich geeignete Flächen für Auwaldpflanzungen ermitteln lassen und ökologische Kriterien sowie Ziele des Hochwasserschutzes unter einen Hut passen. Auf Basis der Ergebnisse wurden an der Mittelelbe 5 ha neuer Auwald gepflanzt.

Projektleiterin Dr. Ilona Leyer von der AG Naturschutzbiologie der Universität Marburg: „Unsere Untersuchungen bei Wittenberge haben ergeben, dass die weitläufigen Grünländer der Elbevorländer winterliches Schmelzwasser oder Hochwasser nach starken Regenfällen auch dann noch aufnehmen können, wenn ökologisch nicht unbedeutende Teilbereiche zu Auwäldern umentwickelt werden.“ Dazu seien zwei Szenarien mit 32 ha und 49 ha zusätzlicher Weichholzaue untersucht worden.

Weichholzauen, in denen zum Beispiel Schwarz-Pappeln oder Silber-Weiden wachsen, erfüllen laut Leyer herausragende Funktionen für die Natur. Der entwickelte Praxisleitfaden erlaube Anwendern nun, die Ziele der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie sowie von Natura 2000 umzusetzen. „Das im Projekt angewandte Verfahren lässt sich außerdem auf Hartholzauwälder übertragen“, betonte Leyer. In diesen Auwäldern seien vor allem Stiel-Eichen und Feld-Ulmen zu finden.

Dr.-Ing. Boris Lehmann vom Institut für Wasser und Gewässerentwicklung der Uni Karlsruhe, ergänzt: Weitere Möglichkeiten, um Hochwasserschutz und Auwaldentwicklung miteinander zu verbinden, bestehen darin, neue Überschwemmungsgebiete zu schaffen, zum Beispiel durch Deichrückverlegungen. Auch Nebenrinnen und Altläufe im Vorland von Flüssen können hydraulisch gezielt an den Hauptfluss wieder angebunden werden und damit Überflutungsräume vergrößern und das Hochwasserrisiko für naheliegende Siedlungen verringern.

Das Projekt der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) – gefördert mit 350000 € – wurde von einem Expertenrat wissenschaftlich begleitet und positiv bewertet. Das Biosphärenreservat Mittelelbe in Sachsen-Anhalt und das Forstamt Kyritz in Brandenburg haben die Forschungsergebnisse modellhaft umgesetzt. Das Projekt erhielt 2011 den Projekt-Förderpreis der Deutschen Ökologischen Gesellschaft.

Der Praxisleitfaden zum Projekt ist hier online abrufbar

idw/DBU

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