ForstTechnik Kulturen Waldbau

Aussaat per Drohne

Bearbeitet von Rainer Soppa

„Es ist ein Versuch. Wir brauchen solche innovativen Aktionen und Alternativen, um zeitnah den Wald für die Zukunft gepflanzt zu bekommen. Im Frühjahr wissen wir mehr“, zeigt sich Frh. Philip von Oldershausen, Präsident des Waldbesitzerverbandes Niedersachsen, optimistisch und von der Idee überzeugt. Auf einer Fläche von knapp 2 ha ließ der Waldbesitzer aus Oldershausen bei Northeim in Südniedersachsen von dem Berliner Startup-Unternehmen „Skyseed“ die Pionierbaumarten Kiefern, Lärchen und Birken per Drohne säen, statt Setzlinge zu pflanzen.

Über Freunde hat von Oldershausen Kontakt zum Start-Up-Unternehmen aufgenommen. Während des Lockdowns in der Corona-Pandemie kam den drei drohnenaffinen Gründern Ole Seidenberg, Simon und Dominik Wind die Idee, statt nur Berater für Klimaschutz zu sein, eigene Lösungen für den Klimaschutz zu entwickeln und umzusetzen. „Den Wald per Drohne aufzuforsten, um schneller, effektiver und später auch kostengünstiger eines der wichtigsten Instrumente im Kampf gegen den Klimawandel zu fördern, war der Grundgedanke“, schildert Ole Seidenberg vor Ort an der Pflanzfläche am Harzhorn den Beginn des erst im Januar 2021 gegründeten Unternehmens Skyseed. Programme für die Drohne und den Abwurfmechanismus wurden geschrieben, mit GPS-Daten kombiniert und damit das Saatgut auch zielgenau ausgebracht werden kann, muss es in Pellets umhüllt und geschützt werden. „Mit rein biologischen Hilfsstoffen erhält das Saatgut als Pellet eine individuelle Starthilfe“, erklärt Seidenberg. Dabei verzichtet Skyseed vollständig auf Kunstdünger und Pestizide.

Kiefer, Lärche und Birke werden als Mischwald auf der in vier Gebiete aufgeteilten Fläche von gut 1,6 ha ausgesät. Per Drohne wurde das Gelände voruntersucht, erkundet und digital beplant. Ein Kilogramm Saatgut pro Hektar, das Drohnenpilot Markus Patas in die dafür vorgesehene Auswurfkapsel füllt, ist dazu nötig. „Saatgut ist aktuell Mangelware, die Preise sind dementsprechend hoch“, erklärt Dirk Neuenstein, der das Projekt für von Oldershausens Holz- und Forstdienstleistungs GmbH betreut. Fichtensaatgut sei gut zu haben, lange keimfähig und sogar einfrierbar. „Laubholzsaatgut hingegen gibt es zu wenig und es ist schlechter lagerfähig. Oftmals ist es innen taub und somit nutzlos. Das hängt mit dem Trockenstress zusammen, den die Bäume im Sommer zu verkraften hatten“, erklärt von Oldershausen, der es sich nicht nehmen ließ, bei der ersten Baumsaat per Drohne dabei zu sein.

Surrend hebt die Drohne ab, Pilot Patas lässt sie ihre Bahnen über die Fläche ziehen. Per Computer, GPS und Fernglas wird der Aussaat-Flug verfolgt. Der Auswurfmechanismus funktioniert, die Pellets rieseln zielgenau auf die teilweise geräumte Fläche. „Normalerweise würden wir von Oktober bis April Bäume pflanzen. Doch es ist immer schwieriger, Personal zu bekommen. Mit der Drohne kann auch im unwegsamen Gelände oder an Steilhängen gepflanzt werden“, sieht von Oldershausen den Vorteil für die Waldbesitzer. Allein in Niedersachsen sind es 50.000 ha, die aufgrund der Schäden durch Borkenkäfer und Trockenheit wieder bewaldet werden müssen. „Das ist mit normalen Mitteln nicht zu schaffen“, sagt er. Wie die jungen Berliner Klima-Unternehmer ist auch von Oldershausen gespannt, ob im Frühjahr die Bäume angegangen sein werden. Nach Auswertung der Ergebnisse könne man dann noch entscheiden, ob eine Zwischensaat oder Nachpflanzung nötig wird, erklärt Seidenberg noch, während die Drohne nach vier Minuten vorsichtig landet.

Auch Eichen- und Buchensaat kann mit der Drohne ausgebracht werden, erklärt Raphael Müller von Skyseed. Er entwickelte dafür das entsprechende Abwurf-Modul, das auch großkörniges Saatgut schonend ausbringen kann. Neben Zeit und Aufwand ist es vor allem auch für die Natur von Vorteil, wenn im Wald auf schwere forstliche Maschinen verzichtet werden könne, argumentiert das Team von Skyseed. „Mit der Aussaat per Drohne bringen wir Innovation in den Wald. Die Bäume, die aus Saatgut entstehen, wachsen gleich in den Böden auf, in dem sie großwerden. Dadurch wird der Pflanzschock vermieden, sie passen sich an den Nährstoffmangel an und der Wildverbiss wird vermindert. Die Bäume können ihr natürliches Wurzelsystem entfalten, ohne dass der Mensch hier eingreifen muss“, ist in von Oldershausens Augen die Aussaat erst der Beginn des Drohneneinsatzes in der Forstwirtschaft. Er kann sich die Drohne auch gut beim Controlling der Flächen, der Kalkung oder beim Käfermonitoring vorstellen – die Zukunft wird es zeigen.

Landvolk-Pressedienst