Waldschutz

Ausfälle in Forstkulturen: Gefahren für junge Bäume

Bearbeitet von Jörg Fischer

Aktuell werden enorme Anstrengungen unternommen, um die Schadflächen der letzten Jahre wieder zu bewalden. Doch für die jungen Laub- und Nadelbäumchen, die den klimastabilen Mischwald der Zukunft bilden sollen, sind so manchen Gefahren ausgesetzt. Welche sind das und was kann man tun, um die nächste Waldgeneration zu schützen?

Das Schadausmaß der letzten Jahre in unseren Wäldern ist erheblich. Allein in Thüringen sind 60.000 ha Wald der extremen Witterung und ihren Folgen zum Opfer gefallen – das entspricht laut ThüringenForst etwa 11 % der Gesamtfläche des Freistaats. Zum Vergleich: Das größte Binnengewässer Deutschlands, der Bodensee, umfasst eine Fläche von 53.600 ha. Aber auch in vielen deutschen Mittelgebirgen, z.B. im Harz, im Thüringer Wald oder im Sauerland, sind z.T. riesige Kahlflächen entstanden.

Diese Flächen gilt es jetzt wieder aufzuforsten. Hier sollen nach und nach gesunde, klimastabile Mischwälder entstehen, die den Veränderungen durch den Klimawandel besser zu trotzen vermögen. Doch die neue Waldgeneration ist in Gefahr. Folgende Schadursachen können den jungen Bäumchen gefährlich werden:

Gefahren durch Trockenheit

Gerade die jungen Pflanzen, deren Wurzeln noch nicht so weit in den Boden reichen, laufen Gefahr, bei extremer Trockenheit auszutrocknen. Hinzu kommen noch die intensive Sonneneinstrahlung und die Windexponiertheit, da vielerorts der schützende Oberstand fehlt. Volker Gebhard, ThüringenForst-Vorstand: „Die jungen Waldpflänzchen reichen in den ersten Jahren mit ihrem kleinen Wurzelwerk oft nur ein bis zwei Handbreit tief in den Boden. Ist die Bodenwasserversorgung im obersten Bodenbereich durch Trockenheit unzureichend, sterben die Pflänzchen schnell ab.“

Wie kann dieser Gefahr begegnet werden? Eine gezielte Bewässerung der jungen Pflanzen scheidet wegen der schieren Flächengröße und dem enormen logistischen Aufwand aus. Doch in den vergangenen Jahren nahm die Frühjahrstrockenheit immer mehr zu, was gerade für die Frühjahrspflanzungen ein großes Ausfallrisiko zur Folge hatte. Auch die Expertinnen und Experten von ThüringenForst haben diese Entwicklung beobachtet. Deswegen setzen viele Waldbesitzende und Forstleute im Freistaat jetzt verstärkt auf die Herbstaufforstungen, um die dortigen jahreszeittypischen Niederschläge zu nutzen.

Zunehmend sehe man in Thüringens Wäldern auch zwei bis drei Meter hohe Wurzelstöcke, die auf Schadflächen belassen wurden, heißt es in einer Pressemitteilung von ThüringenForst. Eng an diese Wurzelstöcke sind junge Forstbäumchen gepflanzt, die so windgeschützt in deren Stammschatten gedeihen können und vom an den Wurzelstöcken ablaufenden Regenwasser profitieren. Diese Wurzelstöcke fungieren so als „Amme“ für den Baumnachwuchs.

Gefahren durch Tiere

Die Expertinnen und Experten von ThüringenForst beobachten aber auch Ausfälle durch verschiedene Tierarten. So frisst ein eher unscheinbarer Käfer, der sog. Rüsselkäfer, mit großer Vorliebe an der zarten Rinde junger Bäumchen, direkt am Wurzelhals. Diese wegen des Schadbildes als „Pockennarbenfraß“ des Rüsselkäfers bekannte Schädigung führe unweigerlich zum Absterben der Bäumchen.

Aber nicht nur Insekten, auch Säugetiere machen es den jungen Bäumchen mitunter schwer. So fressen z.B. Mäuse die Wurzeln und die Rinde der Waldbäumchen – vorzugsweise im Winter, wenn jahreszeitbedingt keine grüne Vegetation als Nahrung zur Verfügung steht. Waldbesitzende und Forstleute überwachen deshalb ihre Forstkulturen akribisch auf Rüsselkäfer- und Mäusebefall, um schnell eingreifen zu können, heißt es in der Meldung von ThüringenForst.

Damit nicht genug: Rehe sind wahre Feinschmecker und fressen die Leit- und Seitentriebe der jungen Pflänzchen weg. Bestenfalls verkümmern diese dann, schlimmstenfalls sterben sie ab. Dieser sog. Wildverbiss ist vielerorts ein großes Problem für Forstkulturen und macht einigen Aufwand nötig. Helfen könne hier laut ThüringenForst vor allem die jagdliche Regulierung der (Reh-)Wildbestände und damit die Absenkung der Wilddichten auf ein ökosystemverträgliches Maß.

Gefahren für Forstkulturen: Ein Fazit

„Eine Forstkultur zu pflanzen ist wichtig, sie aber dann gegen die vielfältigen Gefahren zu schützen eine weitere, vor allem finanzielle Herausforderung für die Waldbesitzenden“, so ThüringenForst-Vorstand Gebhardt. Deshalb brauche die Arbeit der Waldbesitzenden in Thüringen die öffentliche und auch weiterhin die politische Aufmerksamkeit.

Mit Material von ThüringenForst