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Aufregung bei baden-württembergischen Sägern

Als „sittenwidrig“ und „Missbrauch des Marktes“ bezeichnete der Geschäftsführer des Verbandes der Säge- und Holzindustrie Baden-Württemberg, Ludwig Jäger, die kürzlich von ForstBW abgeschlossenen sogenannten Pilotverträge zur Holzvermarktung mit einem österreichischen Großsäger, der auch in Bayern und Hessen Standorte betreibt. Anlässlich der Mitgliederversammlung des Verbandes am 14. November in Villingen-Schwenningen hagelte es massive Kritik am anwesenden Abteilungsleiter der Forstdirektion Tübingen und Geschäftsführer von ForstBW, Martin Strittmatter.Wenige Tage vor der Versammlung war durchgesickert, dass die Zentrale Holzbereitstellung (ZHB) von ForstBW 70.000 bis 100.000 Fm Fichte zu einem Preis von 95 €/Fm im Leitsortiment BC 2b, deutlich über dem derzeit in Baden-Württemberg üblichen Preisniveau von 90 – 92 €/ Fm, verkauft hat. Das Land profitiert davon mit etwa 20 Mio. €. Präsident Wilhelm Schilling befürchtet darin ein Signal an Privatwald und Kommunen, ihr Holz auch zu diesen Konditionen an die baden-württembergischen Säger zu verkaufen. Zudem wurde kritisiert, dass die ZHB nur aus einer Hand an Kunden liefere, die über 5.000 Fm kaufen. Kleinere Kunden müssen mit den einzelnen Unteren Forstbehörden bzw. den aufgrund des laufenden Kartellverfahrens neu eingerichteten Holzverkaufsstellen der Landkreise verhandeln. Strittmatter äußerte sich trotz mehrfacher Nachfragen zu keinerlei Vertragsdetails. Er verwies vielmehr darauf, dass man unter anderem genau wegen solcher Marktinformationen vom Kartellamt kritisiert worden war. „Zwischen der zentralen Holzvermarktung und den dezentralen Holzverkaufsstellen herrscht eine strikte Trennung. Hier gibt es keinerlei Preisabsprachen“, betonte Strittmatter.

Brisanter Hintergrund: Im Rahmen des Kartellverfahrens zur gemeinsamen Holzvermarktung gegen das Land Baden-Württemberg hat das Bundeskartellamt dem Land im Juli 2015 die gemeinsame Holzvermarktung weitgehend untersagt. Das Land Baden-Württemberg wird gegen diesen Beschluss rechtlich vorgehen. In der Übergangsphase bis zur verbindlichen Klärung durch Gerichtsentscheid sieht sich das Land gezwungen, die Kernforderung des Bundeskartellamtes hinsichtlich der Trennung des Holzverkaufs umzusetzen, in der Art, dass die Unteren Forstbehörden der Landkreise sowie der Fachbereich Holzvermarktung am Regierungspräsidium Tübingen seit dem 1. September 2015 keinen gemeinsamen Verkauf von Nadelstammholz aus dem Staatswald, Kommunalwald und Privatwald für Waldbesitzende mit einer forstlichen Betriebsfläche über 100 ha mehr durchführen.

Bei den umstrittenen Verträgen handelt es sich zwar ausschließlich um Holzverkauf aus dem Staatswald, die Säger befürchten dennoch eine Übernahme der Vertragsinhalte durch Privatwald und Kommunen und unterstellen ForstBW damit weiterhin ein marktbeinflussendes Verhalten.

Daniel Haupt

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