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Die Baumartenwahl bei der Aufforstung richtet sich vor allem nach Standort und waldbaulichen Zielen. Jede Baumart hat ihre speziellen Anforderungen an Nährstoff-, Wasser- und Lichtverhältnisse.

Aufforstung: wie gelingt die Pflanzung?

Die Pflanzsaison des Frühjahrs 2019 neigt sich dem Ende zu. Trotzdem warten noch einige Flächen auf ihre Aufforstung oder Unterpflanzung. Doch wie gelingt die Pflanzung? Hier geben wir zusammen mit der Erzeugergemeinschaft für Qualitätsforstpflanzen „Süddeutschland“ e.V. allgemeine Tipps und Hinweise für eine erfolgreiche Pflanzung.

Auch wenn sich in extremen Trockenperioden Ausfälle nicht ganz vermeiden lassen, können Trockenschäden bis zu einem gewissen Grad vorgebeugt bzw. abgewehrt werden. Neben einer geeigneten Herkunft (innere Qualität) sind bei Forstpflanzen u.a. noch weitere Kriterien wichtig.

Welche Baumarten sollten verwendet werden?

Grundsätzlich ist darauf zu achten, dass Baumartenwahl und Standort aufeinander abgestimmt sind, und dass herkunftsgerechtes und herkunftsgesichertes Pflanzgut verwendet wird.

Die Baumartenwahl richtet sich vor allem nach Standort und waldbaulichen Zielen. Jede Baumart hat ihre speziellen Anforderungen an Nährstoff-, Wasser- und Lichtverhältnisse. Im Idealfall werden auch kleinstandörtliche Unterschiede berücksichtigt!

Worauf ist bei der Herkunft von Forstpflanzen zu achten?

Die Herkunft der Forstpflanzen sollte klima- und, standortangepasst oder „bewährt“ sein. Darüber, welche Herkünfte regional geeignet sind, geben die „Herkunftsempfehlungen“ der Landesforstverwaltungen Auskunft. Die genetische Qualität der Pflanzen („Herkunft“) bestimmt wichtige Eigenschaften der Waldbäume, sehr stark und langfristig. Das Saatgut für Forstpflanzen darf deshalb nur aus amtlich zugelassenen Waldbeständen, die bestimmte Kriterien erfüllen, stammen. Deshalb kann für die nächste Waldgeneration oft eine verbesserte Wuchsleistung und Qualität erwartet werden.
Seitens der Forstbehörden wird, abhängig von der Baumart und dem Pflanzort, die Verwendung bestimmter „Herkünfte“ empfohlen. Grundsätzlich sind Waldbesitzer in ihrer Entscheidung, welche Herkunft sie verwenden frei.

Die Inanspruchnahme von Fördermitteln, ist jedoch meist an die Herkunftsempfehlungen gekoppelt. Um Abnehmern die notwendige Herkunftssicherheit zu geben, gibt es Zertifizierungsysteme (z.B. ZüF) die biochemisch-genetische Analysemethoden einsetzen und die gesetzlichen Bestimmungen ergänzen.

Sind kleine Forstpflanzen besser als große Pflanzen?

Die Pflanzengröße richtet sich v.a. nach den Standortverhältnissen und den waldbaulichen Zielen, wobei meistens gilt: „So klein wie möglich, so groß wie nötig“. Allgemein wird davon ausgegangen, dass Großpflanzen nach dem Verpflanzen empfindlicher sind und etwas schwieriger anwachsen als kleinere Sortimente. Aber die Frage, ob unter vergleichbaren Bedingungen kleinere oder größere Pflanzen besser anwachsen und in den folgenden Jahren höhere Zuwächse bringen, lässt sich aufgrund uneinheitlicher Untersuchungsergebnisse und Erfahrungen nicht generell beantworten oder für alle Baumarten und ökologischen Verhältnisse verallgemeinern.

Qualität und Frische sowie eine passende Pflanztechnik vorausgesetzt, lassen auch Großpflanzen meist einen problemlosen Anwuchs und gute Stabilität erwarten. Je tiefgründiger der Boden, desto größer können die Pflanzen sein. Großpflanzen werden oft auf Standorten mit starker Konkurrenzvegetation oder in Verbindung mit Baggerpflanzung verwendet. Dies ermöglicht einen Wuchsvorsprung und spart Schutz- u. Pflegekosten.

Warum soll man stufige, kräftige Pflanzensortimente verwenden?

Stufige, kräftige Pflanzensortimente (günstiges HD-Verhältnis) können Stressphasen besser überdauern. Mit ihrer kräftigen Wurzel erschließen sie tiefer liegende Bodenschichten rascher.

Wie wichtig sind Spross- und Wurzelform bei Forstpflanzen?

Die Wurzelform muss art- und alterstypisch sein, d.h. mit einem gesunden Wurzelwerk mit ausreichender Verzweigung und entsprechend hohem Feinwurzelanteil, ohne starke Deformationen, welche die Anforderungen am späteren Kulturstandort (z.B. Stabilität) beeinträchtigen.

Die Sprossform muss gerade und wipfelschäftig sein und darf keinen deutlichen Knick (z.B. Bajonettwuchs) sowie Zwiesel oder eine starke Verbuschung aufweisen. Der Spross muss ausreichend verholzt sein, darf keine Verletzungen (Ausnahme: Kulturschnitt) oder Verbissschäden aufweisen und die Gipfelknospe muss ausgereift, geschlossen und vital sein.

Wie vermeide ich Anwuchsprobleme bei der Aufforstung?

Entscheidend für das Gelingen einer Pflanzung und einer stabilen Wurzelentwicklung sind neben einwandfreiem, frischem Pflanzenmaterial ein an die Wurzel und den Standort angepasstes Pflanzverfahren sowie eine sorgfältige Durchführung der Pflanzung. Als oberster Grundsatz muss gelten, dass das Pflanzverfahren der Wurzel anzupassen ist und nicht umgekehrt! Ungeeignete Pflanzmethoden und mangelnde Sorgfalt bei der Pflanzung wurden bereits früh als häufige Ursache für Anwuchsprobleme und Wurzeldeformationen beschrieben.

Warum sollte ein Wurzelschnitt bei Forstpflanzen durchgeführt werden?

Ein  Wurzelschnitt sollte nur arttypisch und möglichst sparsam durchgeführt werden. Der Grund: die Wasseraufnahme in der Anwuchsphase sollte nicht durch stärkere Wurzelmasseverluste beeinträchtigt werden. Als Ausgleich zum Wurzelschnitt oder bei schwierigen Anwuchsverhältnissen können bei Laubholz die Seitenäste eingekürzt werden. Dies verbessert das Sproß/Wurzel-Verhältnis und reduziert die Transpiration bzw. den Wasserbedarf.

Forstpflanzen: Diese Frischhalte-Tipps wirken

Pflanzen kurz ins Wasser eintauchen, bevor sie gepflanzt werden. Aber kein längeres Wasserbad oder stundenlanges Wässern. Bei der Anlieferung bzw. vor der Pflanzung Wurzeln noch einmal anfeuchten („duschen“ oder kurz tauchen). Nicht abspritzen oder in fließendes Wasser halten und nie über grüne Pflanzenteile wässern. Bei schwierigen Verhältnissen (z.B. trockene Witterung) kann auch das Einschlämmen der Wurzeln in zähflüssigem Ton/Lehmgemisch oder die Anwendung von Verdunstungsschutz/Wurzelschutzgel in Frage kommen. Auch beim Transport auf der Pflanzfläche sind Schutzmaßnahmen gegen Austrocknung wie z. B. die Verwendung von Pflanzfrischsäcken oder ähnliche Schutzbehältnisse ratsam.

Wie pflanze ich im Forst richtig?

Die Größe des Pflanzlochs (Durchmesser und Tiefe) orientiert sich an der Wurzelgröße und Form. Je größer die Pflanze, umso größer das Pflanzloch, desto sorgfältiger die Pflanzung. Die Pflanze senkrecht, mit natürlicher Wurzellagerung zunächst tief einsenken, dann beim Schließen des Pflanzloches zu endgültiger Pflanzhöhe leicht hochziehen, damit alle Wurzeln nach unten zeigen. Gegebenenfalls händisches Umfüttern des Wurzelwerkes mit Erde. Kein Stauchen und Drehen der Wurzeln beim Pflanzen. Keine Hohlräume im Wurzelraum belassen. Nicht direkt am Stamm und nicht zu stark festtreten. Wird die Pflanzstelle mit Wasser angeschlämmt kein oder nur leichtes Festtreten. Pflanzen, wenn möglich nur bei kühler, windstiller Witterung und feuchtem aber nicht nassem Boden. Auch Wetterprognosen und Tageszeit beachten.

Wie tief sollte die Pflanze gesetzt werden?

Die Forstpflanze ausreichend tief (aber nicht zu tief, etwa gleicher Stand wie in der Baumschule) in den Mineralboden setzen, Gegebenenfalls Streuauflage entfernen, weil diese schnell austrocknet! Nur auf lockeren Standorten können Pflanzen geringfügig tiefer gesetzt werden, damit Wurzeln rascher tiefere und meist feuchtere Bodenschichten erreichen.

Wann eignen sich Containerpflanzen bei der Aufforstung?

Auf flachgründigen und trockenen Standorten ggf. Containerpflanzen verwenden. Die Vorteile von Containerpflanzen liegen hauptsächlich in einer etwas geringeren Anfälligkeit gegenüber Frischeverlusten beim Transport und Zwischenlagerung sowie in einem flexibleren Pflanzzeitpunkt. Mit Containerpflanzen kann die Pflanzsaison ausgedehnt werden, aber von einer Pflanzung bei starkem Bodenfrost ist ebenso abzuraten wie von Pflanzungen im Sommer. Es ist anzunehmen, dass auch frisch gepflanzte Containerpflanzen leichter aus- und weiterwurzeln, wenn der Pflanzzeitpunkt auf ihren Lebensrhythmus abgestimmt ist. Aufgrund ihrer mitgebrachten Wasser- und Nährstoffreserven sind Containerpflanzen vor allem auf trockeneren, flachgründigen sowie nährstoffarmen Böden und bei sehr anwuchssensiblen Baumarten (Douglasie) empfehlenswert.

Es gibt jedoch auch Erfahrungen und Untersuchungen, wonach Containersortimente unter durchschnittlichen mitteleuropäischen Verhältnissen bei zeitiger Frühjahrspflanzung im Anwuchserfolg und im Höhenwachstum vergleichbaren nacktwurzeligen Sortimenten nur geringfügig, bzw. nicht (deutlich) überlegen sind, und bei sehr langen Trockenphasen ist auch bei frisch gepflanzten Topfpflanzen mit Ausfällen zu rechnen, weil ihr Wasserspeicher via Wurzelballen nicht mehr ausreicht und das ausgetrocknete torfbasierte Substrat schwierig wieder Wasser aufnimmt.

Wann ist der beste Pflanzzeitpunkt?

Vor dem Hintergrund zunehmender Trockenperioden kommt der Wahl eines möglichst „idealen“ Pflanzzeitpunktes, hinsichtlich Bodenfeuchte und Witterung eine zunehmende Bedeutung zu. Hauptpflanzzeit ist in vielen Regionen das Frühjahr. Grundsätzlich ist es immer sinnvoll das Kulturrisiko zu reduzieren und zu verteilen, indem v.a. bei Laubhölzern verstärkt Spätherbstpflanzungen in Betracht gezogen werden. Dies gilt umso mehr bei zunehmenden Sommertrockenperioden. Denn im Herbst gepflanzte Gehölze können vor dem Frühjahrsaustrieb oft bereits etwas anwurzeln und haben ideale Startvoraussetzungen für die Anwuchsphase, so dass sie eventuelle Trockenperioden im folgenden Jahr besser überstehen können. Soweit es Arbeitskapazität und Witterung (Boden frostfrei) erlauben, können Laubhölzer auch problemlos bereits im Spätwinter (Februar) gepflanzt werden und unter Ausnützung der Winterfeuchte frühzeitig anwachsen.

Der optimale Pflanzzeitpunkt für die Aufforstung richtet sich nach je nach Pflanzenart nach der Jahreszeit
Tabelle: EZG

Wie lange ist eine Pflanzung zu wässern?

Das Wässern ist vorbeugend durch Anschlämmen der Pflanzstelle (Hohlräume werden vermieden, Kontakt zwischen Boden u. Wurzeln wird verbessert) sowie nach der Pflanzung bei anhaltend extremer Trockenheit: (mind. 5 bis 10 L/Pflz) anzuraten. Dies ist im Wald aber oft nicht mit vertretbarem Aufwand möglich.

Was ist nach der Pflanzung zu beachten?

• Gegebenenfalls Wildschutzmaßnahmen
• Kontrolle (v.a. auf Rüsselkäfer, Mäuse, Kupferstecher)
• Bei starker Unkrautkonkurrenz: Kulturpflege

Wo erhalte ich Forstpflanzen?

Der Pflanzeneinkauf erfolgt v.a. nach Qualitätskriterien. Leitlinie muss sein, frische, hochwertige und langfristig ertragreiche und herkunftsgesicherte Forstpflanzen zu beschaffen. Diese können von partnerschaftlich ausgerichteten Baumschulen zu fairen Konditionen, oftmals auch unter regional angepassten Bedingungen, produziert werden. Der Preis ist dabei nur ein Kriterium, das gegenüber anderen Kriterien nicht überwertet werden darf und er bemisst sich letztlich an den Kosten einer herkunftsgesicherten Kultur unter Beachtung etwaiger Ausfälle und Nachbesserungen.

Infos zu Forstpflanzen

Die Erzeugergemeinschaft für Qualitätsforstpflanzen (EZG) ist eine nach dem Marktstrukturgesetz staatlich anerkannte Erzeugergemeinschaft, die 1973 durch mittelständische Forstbaumschulen gegründet wurde. Im EZG-Wirkungsbereich Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland hat die EZG 23 Mitglieder mit fast 30 Betrieben.
EZG-Forstpflanzen@t-online.de

Erzeugergemeinschaft für Qualitätsforstpflanzen „Süddeutschland“ e.V.

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