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Der Güteausschuss der DKV kann bei Waldbaumarten, die ihm genetisch besonders wertvoll erscheinenden Erntebestände als Sonderherkunft ausscheiden.

Auf der Suche nach den besten Saatgutbeständen

Mitte Juli war eine Kommission der Gütegemeinschaft für forstliches Vermehrungsgut e.V. (DKV) in niedersächsischen Wäldern unterwegs, auf der Suche nach den besten Saatguterntebeständen. Dabei wurden sowohl Wälder der Niedersächsischen Landesforsten, des Klosterkammerforstbetriebes als auch im Privat- und Kommunalbesitz befindliche Waldbestände aufgesucht.

Im Fokus stehen die Baumarten, die hauptsächlich in den niedersächsischen Wäldern vorkommen und deren Saatguternte und -vertrieb genauestens gesetzlich geregelt sind. Für die Ernte müssen die Waldbestände offiziell zugelassen werden. „Von diesen bereits auf ihre Qualität hin ausgewählten Wäldern lesen wir jetzt noch einmal das Sahnehäubchen aus“, beschreibt Thomas Rohde, Geschäftsführer der DKV, die Aufgabe der Kommission. „Wir legen noch einmal gesonderten Wert auf die Vitalität, Leistung und herausragende Qualität der Samenbäume. Erntebestände, die unser Gütesiegel Sonderherkunft tragen, sind die besten der besten.“

Wälder, die dem Klimawandel trotzen

So wurden Buchen-, Stiel-, Trauben- und Roteichenwälder, sowie Fichten-, Douglasien und Lärchenbestände genau beurteilt und auf ihre besondere Leistungsfähigkeit hin unter die Lupe genommen. „Wälder, die sich so vital darstellen, sind auch dem Klimawandel am besten gewachsen. Deshalb tun wir gut daran, unsere künftige Waldgeneration aus solchen Bäumen zu begründen und nicht nur auf natürliche Aussamung zu setzen, wenn die Mutterbestände bereits geschwächt sind und nicht unseren Anforderungen entsprechen“, erläutert Andreas Preuß, Leiter der Forstsaatgutberatungsstelle Oerrel, die Vorteile.

Besonders stolz ist der Vorsitzende der Genossenschaftsforst Berel, Dietrich Uthe, auf die schönste Eiche in dem vorgeführten Saatgutbestand. Mit einem 20 m langen astfreien schnurgeradem Schaft und einer weitausladenden Krone ragt diese gut 95 cm dicke Traubeneiche weit in den Himmel hinein. Ihre Qualität und Vitalität bestaunen auch die Kommissionsmitglieder, die eigentlich den Anblick toller Bäume gewohnt sind.

Aber dieses Mal werden auch Wälder besucht, die eigentlich Neulinge in Deutschland sind. „Wir haben sehr gute Waldbestände aus Hemlocktanne, Coloradotanne und Mammutbaum, die bereits seit einigen Jahrzehnten hier wachsen und sich als sehr vital erwiesen haben. In Zeiten der Klimaerwärmung sollten wir diesen Baumarten Beachtung schenken, falls unsere etablierten Arten Schwierigkeiten bekommen“, gibt Peter Wollborn, Abteilungsleiter für Waldbau bei den Niedersächsischen Landesforsten, zu bedenken.

Auszeichnung als „Sonderherkunft“

Mit der Auszeichnung von neun Wäldern als „Sonderherkunft“ zeigen sich die Kommissionsmitglieder über ihre diesjährige Ausbeute sehr zufrieden. Diese neuen Sonderherkünfte sind ein weiterer Baustein für den Aufbau standortgerechter und klimatoleranter Wälder.

Gütegemeinschaft für forstliches Vermehrungsgut

Die Gütegemeinschaft für forstliches Vermehrungsgut e.V. (DKV) ist ein privatrechtlicher Zusammenschluss bedeutender Forstsamen- und Forstpflanzenbetriebe, Waldbesitzer und Forstverwaltungen. Sie ist ein eingetragener Verein und verfolgt satzungsgemäß das gemeinnützige Ziel, den Herkunftsgedanken für forstliches Vermehrungsgut in der Bundesrepublik Deutschland zu fördern und zu vertreten. Sie dient damit im Einklang mit der von der UNCED-Konferenz in Rio im Jahr 1992 verabschiedeten Agenda 21 einer nachhaltigen Entwicklung der Forstwirtschaft und trägt dazu bei, durch die Verwendung genetisch hochwertigen Vermehrungsgutes die Ertragsfähigkeit und die Stabilität der Waldbestände zu erhalten und zu verbessern.

Die DKV hat u.a. die Aufgabe, besonders hochwertiges Ausgangsmaterial für die Gewinnung von forstlichem Vermehrungsgut auszuwählen (Sonderherkünfte) und mit einem Gütezeichen zu versehen und deren Durchführungsbestimmungen zu überwachen.

Eine wesentliche Aufgabe kommt im Rahmen der Satzungsaufgaben dem Güteausschuss der DKV zu, der bei allen forstlich relevanten Waldbaumarten ihm genetisch besonders wertvoll erscheinende Erntebestände als Sonderherkunft ausscheidet und diese mit einen Namen versieht (z.B. Fichte Sonderherkunft Westerhof, Europäische Lärche Sonderherkunft Schlitz u.a.). Die Auswahl der Bestände erfolgt in der Regel nach phänotypischen Gesichtspunkten.

Die von der DKV an die Erntebestände gestellten Anforderungen liegen deutlich über den gesetzlichen Mindestnormen. Bei den Baumarten, die nicht dem Forstvermehrungsgutgesetz unterliegen, hat die DKV im Anhalt an die gesetzlichen Normen und in Zusammenarbeit mit den Länderinstitutionen für Forstpflanzenzüchtung eigene Qualitäts- und Anerkennungsrichtlinien erarbeitet und wendet diese bei der Anerkennung an.

Niedersächsische Landesforsten/Red.

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