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Auerwild in Thüringen

Auerwild in Thüringen

Thüringens Umweltminister Jürgen Reinholz hat am 12. September im Bereich des Forstamts Gehren sechs junge, auswilderungsfähige Auerhühner in die Freiheit entlassen. Die Auswilderung ist Teil der Aktivitäten, mit denen die Forstverwaltung die Auerwildbestände im Freistaat dauerhaft erhalten will. „Das Auerhuhn steht wie kaum ein anderes Tier für den Artenschutz und den Erhalt der biologischen Vielfalt in unseren Wäldern. Wir sollten alles tun, um das Auerwild in Thüringen vor dem Aussterben zu schützen“, sagte Minister Reinholz anlässlich der Auswilderung.
Schätzten Fachleute im Jahr 1970 den Auerwildbestand in Thüringen auf noch etwa 300 Tiere, schrumpfte die Population in der Folgezeit rasant. Im Jahre 1990 stand man in punkto Thüringer Auerhuhn nahezu vor dem Aus. Seitdem hat die Forstverwaltung alles unternommen, um den scheuen Waldbewohner im Thüringer Schiefergebirge zu erhalten. Hier setzt man einerseits auf so genannte Bestandesstützungen, das heißt die Ansiedlung zusätzlicher Tiere im Lebensraum der bestehenden Auerwildpopulation.
Zum Beispiel wurden zwischen 2000 und 2003 als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen 145 Tiere in der mittleren Taigazone Russlands gefangen und im Thüringer Schiefergebirge ausgesetzt. Vor allem aber zieht die landeseigene Aufzuchtstation in Langenschade, die dem Thüringer Forstamt Paulinzella unterstellt ist, jährlich Auerhühner naturnah auf. Die Beschaffung von natürlichem Futter wie Knospen, Blättern und Beeren ist mühsam und bedarf eines großen persönlichen Engagements des betreuenden Mitarbeiters. Aber der Einsatz hat sich gelohnt: In den vergangenen fünf Jahren konnten etwa 100 Jungtiere in Langenschade herangezogen und später ausgewildert werden. Bald soll, gemeinsam mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, eine neue Zuchtstation gebaut werden.
Eine zweite Erhaltungsstrategie zielt darauf ab, auerhuhnfreundliche Lebensräume zu schaffen. Dazu lichten die Förster Waldbestände auf, damit sich die Beerstrauchdecke besser entwickeln kann, von der sich das Auerwild ernährt. Die Ausbreitung von Laubhölzern wird gefördert, denn die Knospen von Eberesche, Weide oder Birke sind eine wichtige Winternahrung der Auerhühner. Holzeinschlag und Waldpflege finden nicht mehr in den Balz- und Aufzuchtmonaten statt. Profitiert von der Biotop-Pflege haben nicht nur die Auerhühner, sondern eine Reihe anderer Arten wie der Sperlings- und Raufußkauz, der Schwarzspecht, der Ziegenmelker, die rote Waldameise und die Kreuzotter.
Die Auerhuhnpopulation in Thüringen zählt noch relativ wenige Individuen und ist daher nach wie vor vom Aussterben bedroht. Will man das Auerwild dauerhaft stärken, muss auch der Druck durch Fressfeinde verringert werden. Deshalb sind Schwarz- und Raubwild in den betreffenden Gebieten verstärkt zu bejagen.
Hintergrund
2009 feierte die Aufzuchtstation Langenschade (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt) ihr 20-jähriges Bestehen. Seit Bestehen der Station wurden bis dahin insgesamt 270 Tiere in der Station aufgezogen und damit durchschnittlich 13 Tiere pro Jahr ausgewildert. Neben der jährlichen Auswilderung von Auerhühnern nehmen die Forstverwaltung sowie die privaten und körperschaftlichen Waldbesitzer zur Bestandesstabilisierung biotopverbessernde Maßnahmen vor. So werden etwa Waldbestände aufgelichtet, damit sich eine für die Auerhühner lebensnotwendige Beerstrauchdecke entwickelt. Auch die Ausbreitung von Laubhölzern wie Eberesche, Weide und Birke werden aktiv gefördert, da deren Knospen eine wichtige Winternahrung für die Auerhühner sind.
In weiten Teilen der Auerhuhngebiete verzichten die Waldbesitzer zusätzlich auf die Ernte sehr alter Kiefern. Holzeinschlags- und Pflegemaßnahmen werden in der Balz- und Aufzuchtszeit zurückgestellt und auf einen späteren Zeitpunkt im Jahr verschoben.
Thüringen leistet mit der Aufzucht von Auerhühnern auch einen aktiven Beitrag in Umsetzung der Europäischen Vogelschutzrichtlinie. Der Freistaat meldete dem Bund und der Europäischen Kommission eine ausreichende Waldkulisse zugunsten des Auerwildes in den Forstamtsbereichen Gehren, Neuhaus/Rennweg und Paulinzella.
 
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Die Auerhuhnpopulation in Thüringen zählt noch relativ wenige Individuen und ist daher nach wie vor vom Aussterben bedroht. Thüringen leistet mit der Aufzucht von Auerhühnern auch einen aktiven Beitrag in Umsetzung der Europäischen Vogelschutzrichtlinie.

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