WaldÖkologie

Artenvielfalt in Nebelwäldern schwindet

Bearbeitet von Mirjam Kronschnabl-Ritz

Die Fläche der tropischen Bergnebelwälder wird weltweit kleiner. Dies hat ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der Eidg. Forschungsanstalt WSL zum ersten Mal mithilfe von Satellitendaten nachweisen können. Mit der Abnahme ist ein immenser Verlust an Pflanzen und Tieren verbunden, die in diesen Wäldern vorkommen. Schutzgebiete zeigen dabei kaum Wirkung.

Ein internationales Forschungsteam der WSL Birmensdorf und des Yale Center for Biodiversity and Global Change, USA, konnte den Rückgang zum ersten Mal mithilfe von Satellitendaten nachweisen. Die Resultate, die die Forschenden in der Fachzeitschrift Nature Ecology and Evolution veröffentlichten, zeigen, dass die Abnahme auch vor geschützten Gebieten nicht haltmacht.

Deutlicher Rückgang in nur 18 Jahren

WSL-Biologe Dirk Karger, Erstautor der Studie, und seine Kollegen aus der Schweiz, Deutschland und den USA kombinierten den hochaufgelösten Klimadatensatz CHELSA, der an der WSL betreut wird, mit Daten zur globalen Wolkenbedeckung. Damit konnten die Forschenden abschätzen, wo die Nebelwälder auf der Welt theoretisch vorkommen sollten, denn Daten zur globalen Verbreitung der Nebelwälder fehlten bislang. Es zeigte sich, dass zwischen 2001 und 2018 weltweit insgesamt etwa 2,4 % der Gesamtfläche der Bergnebelwälder verloren gingen, in einigen Regionen waren es gar 8 %.

Rückgang auch in Schutzgebieten

Vor allem durch das Abholzen der Bäume für den Anbau von Nutzpflanzen, den kleinräumigen Ackerbau oder auch das Holzsammeln werden Bergnebelwälder immer stärker bedroht. Menschliche Aktivitäten sind also die Hauptursache. Zwar zeigen Schutzgebiete Wirkung, doch nur, wenn sie nicht zugänglich sind und weit weg von menschlichen Siedlungen liegen. Rund 40 % der Abnahme geschieht weiterhin in geschützten Gebieten. Karger hat schon vieles erlebt. «Wenn Gebiete unter staatlichen Schutz gestellt wurden, ging die Abholzung oftmals erst richtig los, vorher war der Zutritt zu den privat verwalteten Wäldern oft verboten. Im Gegensatz zu privaten Firmen fehlen den Naturschutzbehörden in vielen Ländern, in denen Nebelwälder vorkommen, oft die finanziellen Mittel, diese Gebiete auch ausreichend zu schützen», so Karger. Solche «Papier Parks», also Schutzgebiete, die nur auf dem Papier bestehen, seien keine Seltenheit. Dass der Schutz so wenig bringe, habe ihn trotzdem überrascht.

Neue globale Initiativen notwendig

Doch nicht nur der unzureichende Schutz lässt die Wälder verschwinden, auch der Klimawandel. Mit ihm verschiebt sich auch die Wolkenuntergrenze je nach Gebiet nach unten oder nach oben, die Wälder können so ihre Wasserzufuhr verlieren. Zudem verstärkt der Klimawandel Extremereignisse wie Feuer, Stürme oder Dürren. «Um die Nebelwälder als einen Hort unvergleichlicher Biodiversität zu erhalten, braucht es daher neue, globale Initiativen, die all diesen Aspekten gerecht werden», fordert Karger.

Hintergrundinfos: Ein Leben im Nebel

Tropische Nebelwälder zeichnen sich durch eine hohe Feuchtigkeit aus und finden sich auf einer Höhe zwischen 1500 und 2500 m ü. M., dort wo Wolken auf die Berge treffen. Schätzungen gehen davon aus, dass hier die weltweit größte Vielfalt an Epiphyten, Moosen, Farnen, Flechten und Orchideen zu finden ist und damit wiederum eine Vielzahl an Tieren, die sich von diesen Organismen ernähren oder die Wälder als Lebensraum nutzen. Somit weisen tropische Nebelwälder die weltweit größte Konzentration von Landarten auf. Der Verlust oder die weitere Verkleinerungen und Isolierung dieser Flächen hätte ungeahnt dramatische Folgen auf die Biodiversität und die Waldfunktionen.

Hier finden Sie interaktive Karten zur globalen Verteilung der Nebelwälder. 

Quelle: WSL