Holzenergie

ARD-Plusminus: Mangelhafte Recherche zu Pellets

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Am 24. August strahlte die ARD in ihrer Sendung Plusminus einen Beitrag zum Thema Verbrennung von Pellets aus. Erschreckend war die schlampige und einseitige Recherche, die selbstverständlich zu dem Urteil kam, das Holzverbrennung per se böse und klimaschädlich ist.

Normal ist inzwischen, dass Peter Wohlleben, der weder aktiver Förster ist, noch irgendeine Form von wissenschaftlicher Expertise hat, unhinterfragt dem Volk erklären darf, was gut für den deutschen Wald ist. Vertreter vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, Greenpeace und den Grünen schlugen in die gleiche Kerbe und verurteilen – bar jeder forstlichen Fachexpertise – das Heizen mit Holz pauschal als klimaschädlich.

Forstwissenschaftler wurden nicht gefragt

Ein seriöser Forstwissenschaftler, der mit belastbaren Fakten zur Klärung des Sachverhalts hätte beitragen können, kam vorsichtshalber nicht zu Wort, frei nach dem Motto: „Wir werden uns doch nicht unsere Story kaputtrecherchieren!“

Wir haben einige Reaktionen von Verbänden und Wissenschaftlern gesammelt, die die fehlerhafte Berichterstattung der ARD kritisieren.

FNR stellt klar: Holzenergie ist klimaneutral

Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR), Projektträger des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, stellt klar: Die Holzenergie in Deutschland ist weitgehend klimaneutral. Der Umweltausschuss des Europa-Parlaments und der Plusminus-Beitrag der ARD stellen die CO2-Neutralität der Holzverbrennung und damit den derzeit wichtigsten erneuerbaren Energieträger in Frage. Die FNR weist diese Darstellung zurück: Für das Klima zähle nicht der einzelne Baum, sondern die Bilanz der CO2-Emissionen und der Kohlenstoffbindung im Wald insgesamt.

Grundmaxime für klimaneutrales (oder klimapositives) Wirtschaften mit Holz sei, dass der Saldo positiv oder mindestens ausgeglichen sein muss: Es müsse mehr oder mindestens so viel nachwachsen, wie entnommen wird. Das sei unter dem Begriff Nachhaltigkeit auch die Leitlinie der Forstwirtschaft in Deutschland.

Die Bilder und Aussagen des Plusminus-Beitrag seien tendenziös und irreführend. So werde eine durch die Käferkalamität bedingte Kahlfläche bei Montabaur dem Holzhunger und -verbrennung in Deutschland zugeschrieben.

Es sei zudem befremdlich, die Kohle-, Öl- oder Gasheizung als klimafreundlichere Alternative zur Holzheizung oder Holz-Kraft-Wärme-Kopplung zu bezeichnen.

Gesamte Stellungnahme der FNR

DeSH fordert Richtigstellung von ARD

Der Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband (DeSH) fordert die ARD explizit zu einer Richtigstellung der zweifelhaften Aussagen auf, da entsprechende Fachleute nicht zu Wort gekommen seien. Die CO2-Kreisläufe im Wald werden außer Acht gelassen und die Übernutzung des Waldes durch die energetische Holzverwendung suggeriert.

Gesamte Stellungnahme des DeSH

DEPV entlarvt vier Falschbehauptungen

Entgegen der Behauptung des Moderators der Sendung, der entsprechende Fachverband wäre nicht zu einer Stellungnahme bereit gewesen, liegt uns eine schriftliche Äußerung des Deutschen Energieholz- und Pelletverbands (DEPV) vor.

Der Verband geht auf vier Falschbehauptungen der Sendung ein und stellt diese richtig:

  1. Behauptung: Holz und Pellets sind nicht CO2-neutral
    Ökopopulisten wie Wohlleben und Greenpeace beziehen sich bei ihren Vergleichen wider besseres Wissen auf den Einzelbaum, nicht auf den Gesamtwald, der einen bestimmten jährlichen Zuwachs hat. Zudem werde beim Vergleich des CO2-Ausstoßes aus der Verbrennung von Holz und fossilen Energieträgern verschwiegen, dass das fossile CO2 zusätzlich ins System kommt, während das CO2 aus Holz bereits im System vorhanden ist
  2. Behauptung: Pelletnutzung führt zu höherem Holzeinschlag
    Pellets werden hier zu rd. 90 % aus Sägenebenprodukten und zu 10 % aus nicht sägefähigem Waldholz erzeugt, die im Sägewerk oder bei der Holzernte anfallen
  3. Behauptung: Holzverbrauch und Holzenergieanteil in Deutschland steigen weiter an
    Seit Jahrzehnten nehmen Holzvorräte und Waldfläche in Deutschland zu. Trotz Dürrejahren ist davon auszugehen, dass die anstehende Bundeswaldinventur 4 (BWI4) diesen Trend bestätigen wird.
  4. Forderung: Die Förderung der Holzenergie gehört eingestellt
    Gefördert werden nur neue Holz-Zentralheizungen mit strengen Emissionsgrenzwerten. Sie leisten den größten Beitrag zur CO2-Einsparung in den staatlichen Förderprogrammen.

Gesamte Stellungnahme des DEPV

Prof. Irslinger prangert „ökopopulistische Phrasen“ an

Am ausführlichsten hat sich Prof. a. d. Roland Irslinger aus Tübingen geäußert. Er war bis 2014 Professor für Waldökologie an der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg. Irslinger entlarvt die in der Sendung aufgestellten Behauptungen unverblümt als Falschaussagen, die, sollten sie in der Politik auf fruchtbaren Boden fallen, den Bestand des Kulturgutes Wald und dessen Biodiversität gefährden.

Die Behauptung, Heizen mit Pellets sei schlechter für das Klima als Heizen mit Öl oder Gas, sei eine bewusste Falschdarstellung. Ökophysiologische Messungen in Waldlandschaften haben bestätigt, dass der Kohlenstoff aus dem Holz nach der Verbrennung wieder vollständig gebunden werde.

Die Gleichsetzung von Holz und Kohle (durch den Greenpeace-Vertreter) sei eine bewusste Irreführung der Zuschauer.

Auch die Behauptung, Wälder würden seit Jahren immer stärker genutzt, entlarvte Irslinger als falsch. Zwischen 2012 und 2017 seien, auch EU-weit, lediglich 75% des jährlich zuwachsenden Holzes geerntet worden, einschließlich der natürlich absterbenden Bäume.

Schließlich prangert Irslinger an, die Forderung, den Wald nicht zu nutzen und damit einen weiteren Holzvorratsaufbau in Deutschland zu fördern, habe eine Alibifunktion und sei ist nichts anderes als eine Täuschung der Bevölkerung, weil eine biogene Senke wie eine vermiedene Emission behandelt wird. Die Öffentlichkeit werde dadurch über die tatsächliche Höhe der fossilen Emissionen im Ungewissen gelassen.

Gesamte Stellungnahme von Roland Irslinger:

Marc Kubatta-Große