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Schalenwild-Monitoring: Verbissaufnahme vor Ort

Appgestütztes Schalenwild-Monitoring in NRW

Der Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen (Wald und Holz NRW) hat seit 2015 eine gesetzliche Verpflichtung zum Monitoring des Einflusses von Schalenwild auf den Wald in NRW. Für dieses Schalenwild-Monitorings wurden zur Erstellung der notwendigen forstlichen Stellungnahmen einschließlich der Stichprobenerhebungen vor Ort kartengestützte Apps entwickelt, die sowohl offline auf der Fläche als auch online im Büro die notwendigen Arbeitsschritte effizient unterstützen.

Schalenwild-Monitoring: Verbissaufnahme vor Ort Abb. 2: Beratungskarte für Waldbesitzer und Jagdausübungsberechtigte

Schalenwild-Monitoring: Ausgangssituation und aktueller Stand

Die Novellierung u. a. der §§ 1 und 22 des Landesjagdgesetzes in NRW [1] und die For-derungen aus den Audits der Zertifizierungssysteme PEFC und FSC veranlassten Wald und Holz NRW in 2015 dazu, das bisher auf Schätzungen basierte Monitoring des Einflusses von Schalenwild auf den Wald in NRW durch ein kartenbasiertes, IT-gestütztes und medienbruchfreies Verfahren zu ersetzen. Dies erfolgte auf Grundlage des seit vielen Jahren in Rheinland-Pfalz durchgeführten Stichprobenverfahrens.

Die Apps wurden ab Herbst 2015 von der Geo-IT des Landesbetriebes in Zusammenarbeit mit der con terra GmbH entwickelt. Dabei wurden die bei Wald und Holz bereits im Rahmen des mobilen Büros bewährten GIS-Standardkomponenten verwendet. Die Apps ermöglichen eine effiziente und nutzerfreundliche Datenaufnahme mit den Toughpads „vor Ort“, die zentrale Steuerung der Erhebungen, die Datenauswertung und die Erzeugung der notwendigen Stellungnahmen. Nach der in 2016 erfolgreichen Pilotierung auf rund 47.000 ha im Hochsauerlandkreis und dem Rhein-Sieg Kreis werden die Apps seit 2017 landesweit verwendet.

Prozess zur Erstellung der Verbissgutachten

Der Prozess zur Erstellung der Verbissgutachten wird im jeweiligen Regionalforstamt von Wald und Holz NRW von den verantwortlichen zuständigen Personen gestartet. Via App werden die jeweiligen Jagdbezirke festgelegt, für die ein Verbissgutachten erstellt werden soll. Die eigentlichen Datenerhebungen [2] finden durch die Revierleiter/innen vor Ort in der Fläche auf Basis der Jagdbezirksgeometrien, des Stichprobennetzes basierend auf der Landeswaldinventur, hochauflösenden Luftbildern und weiteren forstlichen Geodaten per offline Apps (Abb. 1) statt.

Sind die vor-Ort-Erhebungen zu Verbissschäden abgeschlossen und verifiziert, so erfolgt die Erstellung des Verbissgutachtens mittels Reporting Tool per online App durch die zuständigen Personen der jeweiligen Regionalforstämter.

Mithilfe der durchgängigen Benutzerverwaltung der Apps, die auf das zentrale Benutzermanagement von Wald und Holz zurückgreift, wird nutzerfreundlich und bequem sichergestellt, dass die jeweiligen Nutzer und Nutzerinnen in den Apps nur in den Jagdbezirken und Bereichen Daten erfassen können, für die sie auch zuständig sind. Weiterhin starten die Apps automatisch mit einem Kartenausschnitt, der den jeweiligen Zuständigkeitsbereich zeigt. Eine zusätzliche Anmeldung ist nicht erforderlich. Durch ein sog. Single Sign-On, kurz SSO, werden die jeweiligen Anmeldeinformationen des Betriebssystems übernommen. Personen müssen sich damit nur einmalig am Betriebssystem anmelden. Weitere Anmeldungen sind nicht mehr notwendig.

Umgesetzte Wildlife-Apps

Um den gesamten Prozess der Erstellung der forstlichen Gutachten zu unterstützen, wurden die nachfolgend aufgeführten vier Apps umgesetzt:

  • Jagdbezirkspflege,
  • Verbisserhebung,
  • Schälschadenerhebung (optional),
  • Verbissgutachten/Reporting Tool.

Da das Monitoring des Schalenwildeinflusses jagdbezirksbezogen stattfindet, war es zunächst notwendig, die Jagdbezirke landesweit als digitale Geodaten bereitzustellen. Einige Landkreise verfügten bereits über entsprechende digitale Geodaten, die aufbereitet verwendet werden konnten. Für den Großteil der Kreise mussten die Geometrien der Jagdbezirke allerdings noch erfasst werden. Hierzu wurde den zuständigen Mitarbeitern bei Wald und Holz NRW eine entsprechende online App, genannt Jagdbezirkspflege, bereitgestellt. In dieser App besteht die Möglichkeit, auf dem Hintergrund der Katasterdaten und der forstlichen Flächeneinteilung die Grenzen der Jagdbezirke zu erfassen und zu pflegen.

Die so erstellte Datengrundlage der Jagdbezirke steht nun landesweit zur Verfügung und stellt für viele weitere Prozesse eine entscheidende und wichtige Datengrundlage dar (z. B. Monitoring ASP). Hierzu zählen auch relevante Sachattribute für die Jagdbezirke, wie Informationen zu Zuständigkeiten, zu den Pächtern und zu vorkommenden Schalenwildarten und Pachtvertragslaufzeiten.

Die App Verbissgutachten/Reporting Tool ist die zentrale App im Prozess. Die im Forstamt zuständigen Personen können mit dieser App die eigentlichen forstlichen Stellungnahmen erstellen, kartenbasiert die zu beurteilenden Jagdbezirke auswählen, den Aufnahmestatus der Verbisserhebungen (Schälschadensergebnisse optional) kontrollieren und die erhobenen Daten qualitätssichern, auswerten und ggf. Nachkontrollen veranlassen. Weiterhin erstellt die App nach Abschluss der Vor-Ort-Erhebungen Verbissgutachten, wobei Felder, die automatisch zu füllen sind, wie bspw. die Basisinformationen zum Jagdbezirk und die Ergebnisse der Erhebungen vor Ort, bereits eingefügt sind.

Die notwendigen Erhebungen vor Ort wurden explizit in zwei Apps (Verbiss- und Schälschadenerhebung) umgesetzt, da es in vielen Jagdbezirken nicht zu Schälschäden kommen kann und die Erhebungen für Schälschäden und Verbiss in der Regel zeitlich getrennt voneinander ablaufen. Diese Apps können sowohl online als auch offline, also ohne Netzverbindung verwendet werden. Basierend auf dem Raster der Landeswaldinventur und weiteren Geodaten bieten die Apps die Möglichkeit, entsprechende Erhe-bungspunkte in den jeweiligen Jagdbezirken auszuwählen und mit der Erhebung zu beginnen. Hierbei wird ein Workflow gestartet, der während der verschiedenen Erhebungsschritte und -phasen nur die jeweils relevanten und notwendigen Funktionen wie z. B. kartenbasierte Richtungshinweise zum Auffinden des jeweiligen Inventurpunktes anbietet. Weiterhin besteht jederzeit die Möglichkeit, sich einen Überblick über den Fortschritt der Erhebungen zu verschaffen und sich die noch offenen Jagdbezirke und Erhe-bungspunkte anzuschauen.

Auswertungen

Durch die zentrale Datenhaltung in einer Datenbank ist der gesamte Workflow der Verbissgutachtenerstellung zentral auditierbar. So lassen sich Arbeitsfortschritte revierscharf begleiten und Arbeitsabläufe koordinieren und steuern. Die umgesetzten Apps bieten darüber hinaus umfangreiche Möglichkeiten der statistischen Auswertung der Ergebnisse, die benutzerdefiniert den angesteuerten Ebenen zugeordnet werden können (Jagdbezirk, Forstbetrieb, Forstamt, Kreis oder landesweite Ebene). Die so generierten Auswertungen sind in Ampelkarten (Abb. 2) darstellbar, die Detailergebnisse bis auf die einzelne Rasterfläche zeigen und so Grundlage für Beratungsgespräche und Handlungsempfehlungen für den Waldbesitzer darstellen.

Fazit

Die durchgängige IT-basierte Umsetzung der Verbissgutachten zum Schalenwildeinfluss auf den Wald in Nordrhein-Westfalen hat es Wald und Holz NRW ermöglicht, kurzfristig und nachhaltig auf die neuen gesetzlichen Vorgaben und die Anforderungen aus der Zertifizierung zu reagieren. Durch die Abbildung des gesamten Workflows mittels nutzerzentrierter Apps wurde für die beteiligten Personen ein Verfahren mit hoher Nutzerfreundlichkeit geschaffen und Automationspotenziale konsequent erschlossen. Die Abbildung des gesamten Prozesses als Workflow sorgt für eine hohe Datenqualität und -konsistenz.

Wichtiger Erfolgsfaktor hierbei war map.apps von con terra als moderne und stabile Technologiebasis, die eine flexible, effiziente und nachhaltige Erstellung von online- und offline-Apps ermöglicht. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Geo-IT-Bereich von Wald und Holz NRW verfügen seit 2013 über umfassendes Wissen im Bereich Betrieb und Entwicklung von Apps auf map.apps-
Basis. Trotz des komplexen Verfahrens war so eine kurzfristige und effiziente Umsetzung gemeinsam mit der con terra GmbH möglich.

Nach den guten Erfahrungen in NRW werden die Wildlife-Apps zur Erstellung der Verbissgutachten in den nächsten Jahren landesweit zur Anwendung kommen. Damit steht ein wichtiger Baustein für ein flexibles Schalenwildmonitoring und eine Datenbasis für einen möglichen Landeswildbericht zur Verfügung.

Literaturhinweise:

[1] Landesjagdgesetz NRW mit Stand vom 25.1.2018, https://recht.nrw.de/lmi/owa/br_text_anzeigen?v_id=10000000000000000107, Abruf am 30.1.2018. [2] GERTZ, M. (2016): Einfluss des Schalenwildes auf die Verjüngung der Wälder, im Waldblatt NRW, Ausgabe Frühjahr 2016 https://www.wald-und-holz.nrw.de/newsletter-alle/waldblatt-fruehjahr-2016/ Abruf am 30.01.2018.

Manfred Gertz, Gustavo Hernandez, Martin Stöcker
Schalenwild-Monitoring: Verbissaufnahme vor Ort Abb. 2: Beratungskarte für Waldbesitzer und Jagdausübungsberechtigte

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