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Antwort offener Brief VDS an FSC Deutschland

Controlled Wood Risk Assessment für Deutschland

Sehr geehrter Herr Müller-Gei,

in Ihrem offenen Brief an den FSC-Deutschland haben sie einige Fragen formuliert, auf die ich im Folgenden eingehen möchte. Es werden verschiedene Aspekte behandelt, die für mich nicht zwingend in einem Zusammenhang stehen. Ich werde daher versuchen, diese Aspekte einzeln herauszugreifen und zu beantworten.

1) Thematik Controlled Wood und FSC Standards

Sie verweisen auf ein Schreiben ihres Verbandes an den FSC-Deutschland vom April 2011, in dem sie zu dem damals laufenden Verfahren des Controlled-Wood-Risk-Assessment (CWRA) Stellung genommen haben. In diesem Schreiben betonen sie, dass sie die Bemühungen des FSC Deutschland unterstützen, -ich zitiere -, “ illegal eingeschlagenes Holz oder Holz aus nicht nachhaltiger Forstwirtschaft in der Verarbeitung in der gesamten Produktkette Holz auszuschließen“. Sie werden mit mir einer Meinung sein, dass dies ohne Nachweise nicht funktioniert.

Das CWRA, dass in den letzten Monaten von FSC Deutschland unter breiter Beteiligung der Öffentlichkeit und diverser Verbände durchgeführt wurde, hatte zum Ergebnis, dass alles in Deutschland eingeschlagene Holz pauschal als Holz mit „low-risk“ klassifiziert werden kann. Das steht im Gegensatz zu den bisher üblichen Einzelnachweisverfahren im Zusammenhang mit der Herstellung von FSC-Mix-Produkten und stellt eine deutliche Vereinfachung dar. Diejenigen Unternehmen, die FSC-Mix-Produkte herstellen, haben die Durchführung dieses Verfahrens lange gefordert und den positiven Ausgang sehr begrüßt!
Holz aus Deutschland wird damit nicht unter den Generalverdacht der Illegalität gestellt, sondern im Gegenteil generell vom Verdacht der Illegalität freigesprochen! Die Einstufung Deutschlands als low-risk-Gebiet im Sinne des CWRA belegt, dass auch der FSC von einem grundsätzlich verantwortungsvollen Umgang mit dem Wald in Deutschland ausgeht. In den meisten anderen Ländern ist ein einzelbetrieblicher Nachweis über nicht zertifizierte Mengenanteile erforderlich.

Die Regelungen zu CW gehören in den Bereich der Regelungen zur Chain of Custody, die durch den FSC International weltweit verbindlich und einheitlich festgelegt werden.

2) Thematik WDR Report über IKEA

Es obliegt mir nicht, die Öffentlichkeitsarbeit von IKEA zu kommentieren, aber ein Blick in den Nachhaltigkeitsbericht von IKEA ermöglicht eine vollständige Wiedergabe des erwähnten Zitats. Dort heißt es wie folgt:
„Da wir Holz weltweit einkaufen, bedeutet das auch, dass wir Holz aus Regionen beziehen, in denen illegal gefällt wird und andere nicht nachhaltige Forstwirtschaftspraktiken herrschen. Unsere Lieferanten dort kämpfen mit der niedrigen Verfügbarkeit von zertifiziertem Holz und der schlechten Nachverfolgbarkeit in komplexen Lieferketten. Um in diesen Gebieten Handel betreiben zu können, gibt es IKEA Kontrollmechanismen, um fragwürdiges Holz aus der Lieferkette auszuschließen. Wir kooperieren mit Forstwirten und Nichtregierungsorganisationen, um die Verfügbarkeit von Holz aus verantwortungsvoll bewirtschafteten Wäldern zu erhöhen. Wir glauben, dass wir zu einem andauernden Wandel am besten beitragen können, wenn wir verantwortungsvollen Handel betreiben und aktiv die Zertifizierung in Ländern wie China und Russland unterstützen“ (IKEA Nachhaltigkeitsbericht 2010).

Selbstverständlich ist die Rückverfolgung von Produktketten ein schwieriges und komplexes Thema. Letztlich liegt es aber an uns als Akteuren in diesem Bereich, praktikable Lösungen für Unternehmen anzubieten, damit diese ihre Produkte unter Einhaltung ihrer Generationenverpflichtung auch anbieten können. Die Regelungen zu CW stellen eine solche Lösung dar.
Im Übrigen ist die Aussage nicht korrekt, dass der erwähnte Tisch in dem WDR-Report mit dem FSC-Label versehen ist/war. Es finden sich bei IKEA aus betriebsinternen Gründen keinerlei mit FSC-Label versehenen Produkte!

3) Thematik Konkurrenz durch IKEA

Ich halte es aus wirtschaftlicher Sicht für zweifelhaft, einen einzelnen Schreiner mit IKEA zu vergleichen. Aus diesem Vergleich die Vermutung abzuleiten, bei IKEA ginge es bezüglich der Produktnachweiskette für Holz nicht mit rechten Dingen zu, ist für mich nicht nachvollziehbar.

Zu ihren konkreten Fragen:

Zu 1. habe ich bereits geantwortet. Siehe Ausführungen unter Tz. 2).

Zu 2. Auch wenn der WDR einzelne FSC-Aspekte nicht korrekt darstellt, so fände ich das Einleiten rechtlicher Schritte überzogen. Ich sehe auch keine Notwendigkeit für eine Richtigstellung oder Ähnliches, werde aber die zuständigen Redakteure über falsche Inhalte ihres Berichtes informieren.

Zu 3. Wesentliche Fragen sollten mit diesem Schreiben beantwortet sein. Im aktuellen Newsletter des FSC-Deutschland wurde das Ergebnis des CWRA veröffentlicht. Da das Thema Controlled Wood aber immer wieder missverstanden wird, werden wir in den nächsten Wochen entsprechende zusätzliche Informationen zum Thema bereitstellen und darüber auch abermals in unserem Newsletter berichten.


Gerne sind wir bereit, im Rahmen eines persönlichen Gesprächs ihnen und auch weiteren Verbandsvertretern die Regularien des CWRA im Detail zu erläutern oder über andere Vorschläge und Ideen zu diskutieren, die dazu beitragen, illegalen Holzhandel wirkungsvoll zu unterbinden.

Mit freundlichen Grüßen
Dirk Riestenpatt
Vorsitzender FSC Deutschland
 

Zum Thema: forstpraxis.de-Meldung

 
FSC Deutschland

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