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Anstieg Jahresmitteltemperaturen in Deutschland

Anstieg Jahresmitteltemperaturen in Deutschland

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat seine jährliche Klima-Pressekonferenz in Berlin durchgeführt.

Der DWD zitiert Statistiken des Rückversicherers Munich Re, denen zufolge im Zeitraum 1980 bis 2013 in Europa durch Wetterextreme rund 85.000 Menschen ums Leben kamen. Die meisten davon – etwa 75.000 – starben bei Hitzewellen. Besonders alarmierend sei, dass für Deutschland – mit regionalen Unterschieden – eine deutliche Zunahme der Zahl heißer Tage mit einer Tageshöchsttemperatur von mindestens 30 °C erwartet werden. Im Extremfall könne sich deren Anzahl bis zum Jahr 2100 vervierfachen.
Klimaforscher erwarten Hitzewellen
 
Gleichzeitig dürfte die Gefahr von Hitzewellen ansteigen. Zwei weitere Faktoren tragen dazu bei, dass künftig die Bedeutung von Hitzewarnsystemen deutlich zunehmen wird. So hat das Statistische Bundesamt berechnet: Bis zum Jahr 2060 könnte der Anteil der über 80-jährigen an der Gesamtbevölkerung von derzeit 5 auf dann 12 % steigen. Grundsätzlich steigen mit dem Alter die Gesundheitsrisiken durch Hitze. Der zweite Aspekt: Bereits 2011 lebten rund 75 % der Deutschen in Städten. Nach Einschätzung der UNO wird sich die Verstädterung fortsetzen und damit ein wachsender Anteil der Bevölkerung von den bei Hitzewellen in Städten noch extremeren klimatischen Bedingungen betroffen sein.
Der Erfolg eines Hitzewarnsystems hänge auch davon, möglichst viele Bürgerinnen und Bürger frühzeitig vor Hitzegefahren zu warnen. Der DWD setzt deshalb auf mehrere Kommunikationswege. So werden direkt Pflegeheime, Altenheimen und Krankenhäuser informiert. Zugleich versucht der DWD die Bevölkerung über die Medien zu erreichen, außerdem über Warn-Newsletter und Apps.
Seit 1881 wurde es in Deutschland im Jahresmittel um 1,4 °C wärmer
In seiner jährlichen Wetter-und-Klima-Bilanz hob der DWD hervor, dass 2016 zwar den dritten globalen Temperaturrekord in Folge brachte und das Vorjahr auch hierzulande zu warm gewesen sei. Das Plus von 1,3 °C in Deutschland verglichen mit dem Mittel des Zeitraums 1961 bis 1990 brachte aber keinen Rekord. DWD-Klimaexperte Dr. Thomas Deutschländer: „Auch wenn es 2016 keinen neuen Hitzerekord und keine lang anhaltende Hitzewelle wie im Sommer 2015 gab, den bestehenden Trend zur Erwärmung stellt dies nicht in Frage.“ Seit 1881 ist es in Deutschland im Jahresmittel um 1,4 °C wärmer geworden.
Bestimmend für das klimatologische Bild des Jahres 2016 in Deutschland seien aber Art und jahreszeitliche Verteilung der Niederschläge. Unter dem Strich war 2016 mit 701 Litern pro Quadratmeter etwa 7 % zu trocken ausgefallen. Allerdings seien diese Niederschläge ausgesprochen ungleich verteilt gewesen. 2016 begann mit deutlichen Niederschlagsüberschüssen von 27 % im Januar und 57 % im Februar. Dann folgte ein trockenes Frühjahr mit einem Niederschlagsdefizit von rund 10 %. Von Ende Mai bis Ende Juni kam es schließlich verbreitet zu meist lokalen, teilweise extremen Starkregenereignissen mit Sturzfluten und Überschwemmungen. In der zweiten Jahreshälfte fielen dann – mit Ausnahme des etwas zu nassen Oktobers – alle Monate zu trocken aus.
Besonders auffällig sei die ab dem 26. Mai über zwei Wochen hinweg immer wieder auftretende Großwetterlage „Tief Mitteleuropa“ gewesen. Dabei kam es in Deutschland, Frankreich und Österreich verbreitet zu Starkniederschlägen und schweren Gewittern, oft verbunden mit Überschwemmungen, Sturzfluten und Erdrutschen. In Deutschland starben 11 Menschen. Es wurden Tagesniederschlagsmengen zwischen 40 und 80 Liter je Quadratmeter, gebietsweise auch deutlich über 100 Liter je Quadratmeter gemessen. Mindestens so bemerkenswert wie die 24-stündigen Niederschlagsmengen waren die 1-stündigen Niederschläge am 29. Mai. In der Zeit zwischen 19 und 20 Uhr fielen im Einzugsbereich mehrerer Bäche im Landkreis Schwäbisch Hall bis zu 90 Liter je Quadratmeter Regen, vereinzelt auch noch etwas mehr. Im westlicher gelegenen Braunsbach kam es infolge dessen zu einer verheerenden Sturzflut mit katastrophalen Schäden.
DWD

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