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Anpassungen reichen

Anpassungen reichen

Im Tourismusland Österreich ist ein umfangreiches Freizeitangebot extrem wichtig, um Gäste anzulocken und zu halten. Mountainbiking oder breiter gefasst, Radfahren in der Natur, gehören zu den wichtigen Programmpunkten. Und da spießt es sich an manchen Orten.Seit einiger Zeit wird ausgehend von einer privaten Initiative Druck auf die Waldbesitzer ausgeübt, um alle Forststraßen für die Nutzung per Rad frei zu geben. Diesem Ansinnen haben sich die Naturfreunde angeschlossen, eine eher der sozialdemokratischen Seite des politischen Spektrums nahe stehende Organisation. Ihr meist gebrauchtes Argument: Die Errichtung solcher Straßen werde mit staatlichen Mitteln gefördert, was die Allgemeinheit berechtige, diese Wege auch zu nutzen.Dem entgegen tritt vor allem die Landwirtschaftskammer, die Pflichtinteressensvertretung aller Grundbesitzer über 0,5 ha in Österreich. Sie verweist auf das Forstgesetz, das jedwedes Fahren im Wald von Nichtberechtigten untersagt. Am 27. November 2015 hat die Forstabteilung der Spitzenorganisation der Kammern in einer Pressekonferenz wissenschaftliche Untersuchungen vorgestellt, die Auswirkungen des Radfahrens im Gelände erhob, aber auch Wünsche der Radfahrer erfasste.Das Institut für Landschaftsentwicklung, Erholung und Tourismus der Universität für Bodenkultur fasste mit einer Literaturstudie die Auswirkungen des Mountainbikings auf die Umwelt zusammen. Fazit: Radfahrer erreichen tiefere Gebiete als Wanderer und bleiben dort länger, weil sie auch schneller sind. Dadurch können sie viel mehr Wild stören. Das erhöht den Stress für die Tiere, die rascher und weiter flüchten. Durch größere Wegstrecken kommt es auch öfter zu Kontakten mit anderen Wegenutzern wie Wanderern, die sich milde bedroht fühlten. Als möglichen Ausweg nannte Prof. Dr. Ulrike Pröbstl-Haider die gezielte Ausweisung von Mountainbike-Wegen, die der Entflechtung dienten und dem Wild eine Chance auf Gewöhnung böten.Die dem Tourismus gewidmete MODUL University in Wien hingegen befragte alle am Fragenkomplex Beteiligten. Prof. Dr. Dagmar Lund-Durlacher stellte fest, dass vor allem im Westen Österreichs das Angebot an Strecken als durchaus ausreichend erachtet werde. Spezielle Wünsche der Radfahrer werde nun mit der Errichtung von Bikeparks wie dem in Leogang in Salzburg entsprochen. Die meist höher gebildeten Männer jüngeren Alters wollten oft alleine oder in Kleingruppen Singletrails fahren. Und da sind die Wälder in den dichter besiedelten Ostregionen des Landes stärker von illegal angelegten Fahrspuren betroffen.Die Sicht der Landwirtschaftskammer erläuterte deren Präsident Franz Titschenbacher. Er wies das Ansinnen auf Erweiterung der Forstwegenutzung zurück. Wo Bedarf bestehe, könnten auf Vertragsgrundlage ausgesuchte Strecken zur Nutzung freigegeben werden. Dafür stünde dem Wegeerhalter aber eine Entschädigung zu. Es existieren bereits solche Verträge, für die der Grundbesitzer je nach Verhandlungsgeschick pro Jahr und Laufmeter zwischen 11 und 22 ct erhält. Meist stammt der Topf aus dem Budget des Bundeslandes oder von Tourismusverbänden. Wo wilde Strecken angelegt sind, sollten von den Grundbesitzern, Behörden und Radfahrern einvernehmliche Lösungen gefunden werden. „Forststraßen sind Produktionsanlagen, der Wald die Erzeugungsstätte für den nachwachsenden Rohstoff Holz. Das müssen Waldfremde respektieren.“

Anton Friedrich

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