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Scan für das Herbarium: Nach dem Scannen des getrockneten Pflanzenmaterials wird deutlich, dass die Farben durch den Trocknungsprozess nicht verfälscht werden.

Wenn die Zeit knapp wird: Anlage eines Herbariums

Für Auszubildende und Studierende der Fachbereiche Biologie, Garten und Landschaftsbau und nicht zuletzt der Forstwirtschaft ist das Anlegen eines Herbariums oft Pflicht. Dabei können durchaus Themen wie „Blätter einheimischer Bäume“ oder „Nutzpflanzen“ vorgegeben werden. Schnell wird dabei die Zeit knapp. Welche Möglichkeiten gibt es, selbst unter Zeitdruck ein hochwertiges Herbarium anzulegen?

 

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Die Anlage eines Herbariums hat für den angehenden Fachexperten unbestritten einen ausbildungsfördernden Wert. Der Lernende muss in die Natur hinausgehen, Pflanzen sammeln und sich für eine Bestimmung mit der
Fachliteratur beschäftigen. Für das Anlegen eines Herbariums gibt es dabei mehrere Möglichkeiten.

Herbarium – klassisch oder digital?

Zunächst wäre das klassische Herbarium zu nennen. Es besteht aus gepressten und getrockneten Pflanzen oder Teilen davon. Diese werden fast immer mit Klebstoff oder kleinen Klebestreifen auf einem sogenannten Herbarblatt befestigt. Auf diesem befindet sich auch die Beschreibung. So etwa präsentieren sich uns die Sammlungen bedeutender Forscher und Wissenschaftler vergangener Zeiten und auch für die Herbarien neuerer Zeit hat sich hier kaum etwas geändert.

Eine Alternative stellt das digitale Herbarium dar. In dieser Variante werden die einzelnen Pflanzen in Form von Fotografien oder Scans gesammelt und abgelegt. Diese Möglichkeit hat jedoch noch nicht die Beachtung und Verbreitung gefunden, die dieser zeitgemäßen Form
gebührt.

Problem: Der Faktor Zeit

Auszubildenden und Studierenden bleibt zumeist nur der Weg, diese Sammlung nach historischem Vorbild zu erstellen. Damit bleibt auch ein erheblicher Mangel bestehen: Es dauert 3 bis 6 Wochen, bis die Pflanzen zwischen Buchseiten oder in einer „richtigen“ Pflanzenpresse getrocknet und damit archivierungsfähig sind. Zeit, die nicht immer gegeben ist. Stellt man nach dieser Zeit erhebliche Mängel fest, sodass das misslungene Exemplar ersetzt werden muss, ist das doppelt ärgerlich. Nicht nur der Zeitverlust stellt ein Problem dar. Auch ist fraglich, ob dann überhaupt noch geeignetes Pflanzenmaterial zu finden ist. Entweder ist beispielsweise die Blütezeit vorbei oder die gewünschte Entwicklungsphase der gesuchten Pflanze lässt sich nicht mehr auffinden. Der kritische Punkt ist in jedem Fall die lange Trocknungszeit. An dieser Stelle soll nun hier eine hilfreiche Lösung vorgestellt werden.

Lösung:
Pflanzen in der Mikrowelle

Das wichtigste Werkzeug hierzu ist in fast jedem Haushalt zu finden: die Mikrowelle. Als weiteres Hilfsutensil dient ein altes, nicht zu dickes Buch mit möglichst festen Einbanddeckeln. In das Buch (etwa Buchmitte) wird zuerst eine saugfähige Schicht aus Zellstoff (z. B. ein Papiertaschentuch oder ein Stück Küchenrolle) auf einer Buchseite ausgebreitet. Darauf legt man eine Lage normalen Papiers (z. B. Zeitungspapier). Erst dann erfolgt die Einlage der Pflanze. Anschließend werden erneut ein Blatt Papier und danach wieder eine Lage Zellstoff zwischen Pflanze und Buchseite gelegt. Das Buch wird nun zugeklappt und mit ein oder zwei Gummiringen fest verschlossen (Abb. 1). Anschließend legt man es in die Mikrowelle. Doch Vorsicht! Zur beschriebenen Nutzung vorgesehene Bücher dürfen keinesfalls vom Buchbinder mit metallischen Drahtklammern versehen sein, da es ansonsten in der Mikrowelle zu starker Erhitzung mit Brandauslösung kommen kann. Der Trocknungsvorgang dauert etwa 1,5 bis 2,5 Minuten. Je nach Beschaffenheit des pflanzlichen Materials ist Probieren nötig. Nach dem Ablauf der eingestellten Zeit kann das Buch aus der Mikrowelle entnommen werden (Vorsicht, heiß!). Nach der Entnahme der getrockneten Pflanzenteile steht nun das Material zur Archivierung bereit. Die Planlage des Trockengutes ermöglicht vor dem Einfügen in das Herbarium das Scannen mit einem Flachbettscanner, um zusätzlich ein fotografisches Abbild zu erhalten. Die Farben werden durch die Trocknung nicht verfälscht (s. Abb. 2).

Auf diese Weise lässt sich mit einfachen Mitteln die Anlage eines klassischen Herbariums erheblich beschleunigen.

Klaus Beyer

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