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Angehörige eines Amazonas-Volkes haben bei einer Patrouille ihres Gebietes im Amazonasregenwald illegale Holzfäller festgenommen.

Angehörige eines Amazonas-Volkes nahmen illegale Holzfäller fest

Angehörige eines Amazonas-Volkes nahmen bei einer Patrouille ihres Gebietes im Amazonasregenwald illegale Holzfäller fest. Die als „Wächter Amazoniens“ bekannte Gruppe setzt sich für den Schutz eines benachbarten, unkontaktierten Volkes ein.

Bei der Patrouille nahmen sie Mitglieder einer berüchtigten Holzfäller-Bande fest, zerstörten deren LKW und verwiesen sie aus dem Schutzgebiet. Die Wächter Amazoniens vom indigenen Volk der Guajajara sagten: „Wir überwachen das Gebiet, finden Holzfäller, zerstören ihre Ausrüstung und schicken sie weg. Wir haben viele Holzfäller aufgehalten. Es funktioniert.“ Die Gruppe schützt ein Gebiet (Arariboia), das einer neuen Studie zufolge zu einem der bedrohtesten Teile des ganzen Amazonasregenwaldes gehört.

Im Amazonasregenwald leben indigene Völker

Es ist auch die Heimat unkontaktierter Awá-Indigener. Die Awá sind für ihre besondere Beziehung zu Tieren und ihr tiefes Verständnis des Waldes bekannt. Unkontaktierten Awá droht die Auslöschung, wenn sie in Kontakt mit Holzfällern kommen sollten.

Die Wächter Amazoniens fanden verlassene Awá-Häuser in der Nähe der Holzfäller. Der Awá-Mann Takwarentxia wurde 1992 zusammen mit seiner Frau und seinem Baby kontaktiert. Der Rest seiner Familie wurde von Söldnern getötet, die für einen Farmer Weideflächen rodeten.

Das unkontaktierte Volk der Awá

Es gibt mehr als 100 unkontaktierte Völker weltweit. Sie haben sich entschieden, keinen regelmäßigen Kontakt mit Außenstehenden aufzunehmen. Dennoch sind sie aber nicht „verloren“ oder in der Vergangenheit gefangen. Sie sind sich der Außenwelt bewusst. Gelegentlich stehen sie mit anderen indigenen Völkern in der Nähe im Austausch. Es gibt unwiderlegbare Beweise dafür, dass ihre Gebiete die beste Barriere gegen Entwaldung sind, besonders im Amazonas-Regenwald.

Unkontaktierte Völker sind die bedrohtesten Gesellschaften des Planeten. Ganze Gemeinden werden durch das gewaltsame Verhalten von Außenstehenden ausgelöscht, die das Land und die Ressourcen der Unkontaktierten stehlen. Krankheiten wie Grippe und Masern werden so eingeschleppt, gegen die sie keine Abwehrkräfte besitzen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass nach dem ersten Kontakt 90 % der Bevölkerung eines unkontaktierten Volkes ausgelöscht wird.

Die Awá sind ein Jäger-und-Sammler-Volk, das in den Wäldern des östlichen brasilianischen Amazonas lebt. Während einige Awá in Kontakt mit der Außenwelt stehen, sind andere unkontaktiert. Die Awá wurden aufgrund einer erfolgreichen Kampagne von Survival International, in deren Rahmen die brasilianische Regierung illegale Holzfäller aus einem ihrer Gebiete auswies, als „das bedrohteste Volk der Welt“ bekannt.

Das Volk der Awá ist für ihre Affinität zu den Tieren ihres Waldes berühmt. In einigen Familien finden sich mehr Haustiere als Menschen, darunter Nasenbären, Wildschweine und Königsgeier. Affen sind die Lieblinge der Awá. Die Awá ziehen oft verwaiste Babyaffen auf und adoptieren sie als Familienmitglieder.

Mangels offizieller Durchsetzung fehlender Schutz des Gebietes

Obwohl das Gebiet nach brasilianischen Recht geschützt werden sollte, mangelt es an offizieller Durchsetzung des Schutzgebietes. Dies stellt eine extreme Gefahr für die unkontaktierten Awá dar, weshalb sich die Guajajara gezwungen sehen, ihr Gebiet selbst zu überwachen. Sie fürchten jedoch gewaltsame Vergeltung. 2016 ermordeten Holzfäller drei der Wächter. Die Häuser wurden in Brand gesteckt. Regelmäßig erhalten die Guajajara Todesdrohungen.

Eines der Bilder, das die Wächter an Survival International schickten, zeigte den brennenden Lastwagen der Holzfäller. Die Wächter fürchteten gewaltsame Vergeltung und baten um die Hilfe der brasilianischen Behörden. Sie erklärten dazu: „Bitte zeigt der Welt die Realität, der wir gegenüberstehen. Wir wissen, dass es riskant ist und wir Feinde haben, aber jetzt ist nicht die Zeit sich zu verstecken. Wir möchten, dass ihr der Welt diese Bilder zeigt, damit wir weiterhin unseren Wald schützen können.“

Appell an die Regierung Brasiliens

Survival International hat einen dringlichen Appell an die brasilianische Regierung geschickt und sofortigen und langfristigen Schutz für die Wächter und ihre Gebiete gefordert. Survivals Direktor Stephen Corry sagte: „Indigene Territorien sind die beste Barriere gegen Entwaldung. Die Wächter Amazoniens verteidigen das letzte Stück Grün inmitten des Kahlschlags. Dies ist ein weiterer Beweis dafür, dass indigene Völker die besten Naturschützer und Wächter der Natur sind. Die Guajajara sind praktisch die einzigen Menschen, die zwischen den Holzfällern und den unkontaktierten Awá stehen, die immer noch in diesem Wald leben. Die Untätigkeit der brasilianischen Regierung angesichts der grassierenden illegalen Entwaldung ist beschämend.“ Sônia Guajajara, die bei den Wahlen in Brasilien im Herbst als Vize-Präsidentin antritt, gehört zum selben Volk wie die Wächter Amazoniens. Sie ist die erste indigene Frau, die jemals für dieses Amt angetreten ist. Obwohl das politische Klima in Brasilien indigenen Völkern so feindselig gegenübersteht wie seit dem Ende der Militärdiktatur 1985 nicht mehr, setzt sie sich für indigene Rechte und Umweltschutz ein.

Sie betonte: „Die Arbeit der Wächter ist extrem wertvoll und unglaublich riskant. Wir indigenen Völker werden niemals die Plünderung unserer Mutter Erde akzeptieren – wir hören ihr zu und verstehen, wie sie zu uns spricht, weil unser Leben von ihr abhängt.“

Hintergrund

Das indigene Gebiet Arariboia umfasst ein einzigartiges Biom, das als “Vor-Amazonas” bekannt ist – das Übergangsgebiet zwischen der Savanne und dem eigentlichen Regenwald. Dort finden sich Tiere und Pflanzen, die es nirgendwo sonst im Amazonasgebiet gibt. Das indigene Territorium ist durch illegale Abholzung bedroht. Durch die drastische Kürzung der staatlichen Mittel für die Indianerschutz-Behörde FUNAI und den Schutz indigener Gebiete sind die Gefahren noch größer, da die Behörden das Gebiet nicht angemessen überwachen oder schützen. In der Region operiert, unterstützt von einigen lokalen Politikern, eine mächtige und gewaltbereite Holzmafia.

Die Wächter Amazoniens

Die „Wächter Amazoniens“ sind Männer vom Volk der Guajajara im brasilianischen Bundesstaat Maranhão, die diesen verbliebenen Teil des östlichen Randes des Amazonas-Regenwaldes schützen wollen. Sie wollen das Land für die Hunderten Guajajara-Familien retten, die dort ihr Zuhause haben. Außerdem wollen sie ihre unkontaktierten Nachbarn vom Volk der Awá schützen. Die Wächter Amazoniens veröffentlichten kürzlich Videos und Bilder einer seltenen Begegnung mit den unkontaktierten Awá, die in Arariboia leben. In einigen dieser Videos sprechen die Wächter über ihre Arbeit.

SURVIVAL INTERNATIONAL
Die Awá sind bekannt für ihre besondere Beziehung zu Tieren und ihr tiefes Verständnis für den Wald. Die Wächter schickten Aufnahmen des brennenden Lastwagens, der mit illegal geschlagenem Holz beladen war, an Survival International. Sônia Guajajara bei einer Demonstration gegen Staudämme im Amazonasgebiet, Paris, März 2014.

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