Waldbau WaldÖkologie

Alpenhumus in Bayerns Bergwäldern stabilisieren

Bearbeitet von Mirjam Kronschnabl-Ritz

Klimawandel und Waldbewirtschaftung können den Abbau der wertvollen Humusauflagen in den Bergwäldern der Bayerischen Kalkalpen beschleunigen. Ein Verbundprojekt wurde der Kohlenstoffspeicher Alpenhumus untersucht und ein Konzept zur Humuspflege in Berg- und Schutzwäldern entwickelt.

Zwischen 15 cm und bis zu einem Meter Dicke misst die als Tangel- oder Alpenhumus bezeichnete Bodenauflage unter Bergwald und Krummholz in Teilen der Bayerischen Kalkalpen. Für die dortigen Berg- und Schutzwälder ist Tangelhumus oftmals das ausschließliche Wurzelsubstrat. Und nicht allein diese Tatsache macht den Alpenhumus so wertvoll. Die Bodenauflage trägt mit ihrer hohen Wasserspeicherfähigkeit außerdem maßgeblich zum Wasserrückhalt bei.

Weiter bindet Tangelhumus deutlich mehr Kohlenstoff (C) als ein durchschnittlicher Waldboden. Während letzterer auf 98 t C/ha kommt, sind es beim Tangelhumus im Schnitt rund 193 t C/ha. Die gesamte im bayerischen Tangelhumus gespeicherte Menge wird auf 4,2 Mio. Tonnen Kohlenstoff geschätzt.

Wissenschaftler entwickeln Konzept zur Humuspflege

Der mit den Klimaveränderungen einhergehende Temperaturanstieg kann den Abbau der empfindlichen Humusauflagen beschleunigen – ebenso wie unzureichender Nachschub an schwer zersetzlicher Streu und Totholz. „Ein vollständiger Verlust der organischen Bodenauflage würde erhebliche Mengen Kohlenstoff freisetzen und hätte dramatische Folgen für die Waldökosysteme“, erklärt Prof. Dr. Jörg Ewald von der Fakultät Wald und Forstwirtschaft der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Zusammen mit Forschern des Wissenschaftszentrums Weihenstephan der Technischen Universität München untersuchte sein Team zwischen 2016 und 2020 im Verbundprojekt „Alpenhumus als klimasensitiver C-Speicher und entscheidender Standortfaktor im Bergwald“ u. a. die Temperatursensitivität von Tangelhumus und legte ein dreistufiges Konzept zur Humuspflege vor.

Bodenvegetation als Humusanzeiger

Das Drei-Säulen-Konzept sieht im ersten Schritt die Lokalisierung von Tangelhumusvorkommen mit Hilfe eines geostatistischen Modells und einer interaktiven Substratkarte vor, um Gebiete mit felsigen und steinigen Kalk- und Dolomituntergründen ohne mineralische Feinböden einzugrenzen – nur auf derartigen Standorten kann Tangelhumus entstehen. Zur sicheren Bestimmung im Gelände können dann säureanzeigende Pflanzen der Bodenvegetation herangezogen werden, die als signifikante Tangelanzeiger gelten, darunter Heidekraut- und Bärlappgewächse, sowie das Fehlen von Arten, die als Tangelmeider gelten.

Naturverjüngung und Totholz verschiedenster Zersetzungsstadien. Aufgenommen in der Langen Au östlich von Wildbad Kreuth, 2018.
Foto: Olleck, Michelangelo

Dichtes Kronendach und Totholznachschub als Stabilisatoren

Die zweite Säule des Humuspflegekonzeptes umfasst waldbauliche Empfehlungen zum Erhalt stabiler, artenreicher Dauerbestockungen, um dem Humusabbau vorzubeugen. Dazu gehören neben strukturreichen Beständen, deren geschlossenes Kronendach nachteilige Bodenerwärmung abfängt, auch die Vorausverjüngung mit typischen Haupt- und Begleitbaumarten, eine angepasste Schalenwilddichte, die Naturverjüngung zulässt, und das Freistellen der Flächen von Waldweide. Säule drei empfiehlt zur mittel- und langfristigen Wiederherstellung und Stabilisierung der Tangelhumusvorräte, Stamm- und Kronenholz zur Vermoderung im Wald zu belassen. Bei Borkenkäfermassenausbreitung könnten betroffene Bäume gefällt und entrindet als Kohlenstofflieferanten am Standort belassen werden.

Im Gebirgswald auf Tangelhumus sei – vergleichbar den Moorwäldern oder Mangroven – den Ökosystemleistungen Kohlenstoff- und Wasserspeicherung Priorität gegenüber der Holznutzung einzuräumen, heißt es im Abschlussbericht zu dem Projekt.

Hintergrund:

Tangelhumus kann unter verschiedenen Waldtypen der tiefmontanen bis subalpinen Stufe vorkommen. Mit einem Anteil von 9 % der gesamten Waldfläche der Bayerischen Alpen ist Tangelhumus weiter verbreitet als bisher angenommen.

Das Verbundprojekt wurde von den Bundesministerien für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) über den Waldklimafonds gefördert.

Quelle: FNR