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Alexis Scamoni

Alexis Scamoni, Lehrer und Forscher der Waldkunde in Eberswalde, zum 100. Geburtstag

Im Frühjahr 2011 jährt sich zum 100. Mal der Geburtstag von Professor Dr. phil. habil. Alexis Scamoni. Er wurde am 16. Fe­bruar jul./1. März greg. 1911 in Sankt Petersburg geboren. Nach dem Ersten Weltkrieg kam er nach Berlin, vollendete hier seine schulische Ausbildung und studierte an der Berliner Universität Biologie bei Professor Markgraf in Dahlem, der ihn auf das Fachgebiet der gerade neu entstehenden Pflanzensoziologie lenkte. Mit einer Dissertation über das Waldgebiet Sarnow nördlich von Berlin promovierte Alexis Scamoni zum Doktor der Philosophie.

Der renommierte Waldbauprofessor Alfred­ Dengler holte ihn 1935 in sein Institut und betraute ihn vorausschauend mit waldkundlichen Aufgaben. Nach dem Zweiten Weltkrieg verblieb Alexis Scamoni als einer der wenigen Mitarbeiter der Forstlichen Hochschule in Eberswalde. Mit Professor A. Hueck, dem bekannten Pionier des Naturschutzes in Deutschland, wurde ein Vegetationskundler erster Dekan der neugebildeten Forstwirtschaftlichen Fakultät Eberswalde der Humboldt-Universität zu Berlin. Er schuf im Forstlichen Versuchswesen Eberswalde eine Abteilung Waldpflanzensoziologie. Hier und an der Fakultät ergab sich ab 1948 ein neues Arbeitsfeld für Alexis ­Scamoni, der es in breiter Front mit produktiven Ideen und Elan erschloss. Durch Publikationen und Vorträge wurde er in der sich nach dem Zweiten Weltkrieg im Osten Deutschlands neuformierenden forstlichen Lehre und Praxis schnell bekannt.

Alexis Scamoni wird erfolgreicher und beliebter  Hochschullehrer und Waldforscher

Alexis Scamoni wurde Direktor des Instituts für Waldkunde der Fakultät und Leiter der Abteilung Vegetationskunde des Instituts für Forstwissenschaften an der Deutschen Akademie der Landwirtschaftswissenschaften (DAL) zu Berlin. Als Hochschullehrer übernahm er die Vorlesungen über Bau und Leben der Waldbäume und über Forstliche Vegetationskunde. So wurde er für eine ganze Generation von Forstleuten, die nach ihrer Ausbildung in Eberswalde entscheidende Aufgaben in der forstlichen Praxis, im Naturschutz und in der Wissenschaft Ostdeutschlands übernahmen, ob seines originellen Vorlesungsstils, seiner überaus interessanten Exkur­sionen, seiner treffenden Kommentare, seines studentenverbundenen Umgangsstils ein beliebter Hochschullehrer, Diplom- und ­Doktorvater. Er widmete sich tiefgreifend und innovativ der standortskundlichen Ausbildung und wurde einer der geistigen Väter der neuen forstlichen Standorts­erkundung in der DDR, die durch seinen begabten Schüler und Doktoranten Dietrich­ Kopp auf hohem wissenschaftlichen Niveau weiterentwickelt wurde, dadurch eine neue Qualität erreichte und flächen­deckend Eingang in die forstliche Praxis fand. Mit vielen Diplomarbeiten und Dissertationen, die Scamoni als vegetationskundliche Gebietsmonographien, ergänzt durch eigene Geländearbeiten, planmäßig über verschiedene Regionen verteilte, organisierte er in relativ kurzer Zeit tiefgehende Einblicke in die Vegetation und Ökologie des Landes. Den Studierenden (nicht nur der Forstwirtschaft) stellte er mit seinem Lehrbuch „Einführung in die praktische Vegetationskunde“ (1. Auflage 1955, 2. Auflage 1963) einen modernen Leitfaden zur Verfügung.
Als scharfer Beobachter und kluger Denker nahm Alexis ­Scamoni nicht nur die natürliche Umwelt wahr. Teils mit dem ihm eigenen hintergründigen Humor, teils mit drastischen Bemerkungen reflektierte er auch bestimmte Erscheinungen des beruflichen Umfeldes und hatte dadurch stets Sympathie auf seiner Seite.

Mit der Waldkunde wird in Eberswalde die ganzheitlich orientierte Waldforschung eingeleitet und institutionalisiert

Bereits im Waldbauinstitut von Alfred Dengler begannen die waldkundlichen Studien von Alexsis Scamoni durch die komplexe Bearbeitung der Waldungen auf grundwassernahen Talsanden nördlich von Berlin, die er 1950 veröffentlichte. Er spannte darin den Bogen von historischen und pollenanalytischen Untersuchungen zur allgemeinen Waldgeschichte, zur Bestandesgeschichte einzelner Waldteile, über Untersuchungen zu Waldgesellschaften, verbunden mit bodenkundlichen Beobachtungen und Wurzeluntersuchungen der Waldbäume bis zu Standortsformen, Betriebszieltypen und waldbaulichen Folgerungen. Die forstpraktische Ausrichtung dieser Arbeit war zugleich Programm für das weitere Vorgehen des Instituts für Waldkunde.
Mit der Erarbeitung der ökologischen Grundlagen zu der richtungsweisenden Gemeinschaftsarbeit der Fakultät: „Eberswalde 1953 – Wege zu standortgerechter Forstwirtschaft“ (Neumann Verlag, Radebeul 1956) wurde die waldkundliche Forschung in neuer Qualität in den Eberswalder Weg der standortsbezogenen Waldbewirtschaftung integriert. Sein Buch über „Waldgesellschaften und Waldstandorte“ legte wesentliche Grundlagen zur Fundierung naturgemäßer Waldwirtschaft und zur Entwicklung einer modernen Standortserkundung (erschienen im Akademie Verlag 1951, 2. Auflage 1954, 3. Auflage 1960). In der „Waldkunde“, wie das Institut damals verkürzt genannt wurde, fanden Entwicklungsarbeiten zur Waldvegetationskunde, zur umfassenden Pollenanalyse und zur Autökologie wichtiger Waldbodenpflanzen statt. Die Denglerschen Lärchenherkunftsversuche wurden weitergeführt. Aktiv mitgestaltet wurde weiterhin die vegetationsökologische Erkundung des neugeschaffenen Systems der Naturschutzgebiete der DDR. Auch die Untersuchung der Ökologie der schnellwüchsigen Pappeln für ihren Anbau in- und außerhalb des Waldes wurde von ihm initiiert und gefördert. Für diese außergewöhnlich produktive und innovative Arbeitsphase wurde Alexis Scamoni der Nationalpreis für Wissenschaft und Technik verliehen, auf den er sich allerdings in seiner bescheidenen Art nie öffentlich berief.

Innovativer Schritt in die ökologische Landschaftsforschung

Der Zeit voraus, begann Alexis Scamoni 1954 ein Projekt der komplexen hochauflösenden Landschaftsanalyse am Beispiel eines Kulturlandschaftsausschnittes (Messtischblatt Thurow) in Südmecklenburg. In einer Gemeinschaftsarbeit nach dem Muster der interdisziplinären Waldforschung führte er selbst umfangreiche Untersuchungen zur Geschichte des Gebietes und zur Laubwaldvegetation durch. Mitarbeiter untersuchten die Waldgeschichte über ein systematisch verteiltes Netz von Pollenanalysen sowie die Vegetation der Moore, Nadelbaumforsten, Seen, Äcker und Wiesen. Standortskundlich-bodenkundliche Erhebungen sowie zoologische und wildbiologische Ergebnisse ergänzten das Bild ebenso wie wirtschaftliche Recherchen über Landwirtschaft und Fischerei. Eine Naturraumgliederung wurde für das Gebiet daraus abgeleitet. Die Publikation der ersten und wesentlichen Ergebnisse erfolgte 1963 in den Wissenschaftlichen Abhandlungen der Deutschen Akademie der Landwirtschaftswissenschaften (Nr. 56) im Akademie Verlag Berlin. Weitere Veröffentlichungen zogen sich über einen längeren Zeitraum hin, ein geplanter abschließender 3. Band blieb ein unveröffentlichtes Fragment. Dieser innovative Forschungsansatz jedoch hat die Landschaftsökologie und die Entwicklung der flächendeckenden Naturraumerkundung des Landes wesentlich begründet und gefördert.

Ein neuer Methodenansatz begründet  die „Eberswalder Schule der Pflanzensoziologie“

Schon frühzeitig erkennt Alexis Scamoni, dass das in Westeuropa vorherrschende floristische Aufnahme- und Gliederungsprinzip der „Charakterartenlehre“ die Vegetation nur unvollständig in den ursächlichen Zusammenhängen mit ihren ökologischen Grundlagen erfasst und für die Auswertung in der Praxis der Landnutzung nicht hinreichend aussagefähig ist. Die nordischen und russischen Vegetationsschulen hingegen kamen mit ihren Ergebnissen bis zur praktischen Anwendungsfähigkeit (so z.B. Cajander mit seinen Waldtypen, die in die Forsteinrichtung Finnlands Eingang fanden).
Auf der Suche nach der natürlichen Ordnung der Waldvegetation wird von Alexis Scamoni die Typisierung zunächst vorurteilsfrei über die Baumartenkombination hergeleitet. In Gemeinschaftsarbeit mit seinen Mitarbeitern wird das Konzept der „Soziologischen Artengruppen“ als objektiven Verhaltensmustern in der Vegetation entwickelt. Bei den Wäldern wird bei der Bewertung dem soziologischen Bauwert der Baumarten verstärkt Rechnung getragen. Die Vegetationstypisierung resultiert bei diesem Vorgehen aus der Einmaligkeit und Regelhaftigkeit der Artengruppenkombination im Rahmen der Gesamtvegetation. Durch die Aufdeckung der Beziehungen zwischen den Vegetationseinheiten (einschließlich Untereinheiten) und den sie bestimmenden Standortsfaktoren und der Vegetationsgeschichte wird die Anwendbarkeit der Ergebnisse in der praktischen Landesplanung und Landnutzung gewährleistet. Diese Methodik, in der Literatur als „Eberswalder Schule der Pflanzensoziologie“ benannt, gelangt fortan neben der „Charakterartenlehre“ flächendeckend in Ostdeutschland und in internationalen Methodenvergleichen zur Anwendung.
In diesem methodischen Entwicklungsprozess sorgte Alexis Scamoni dafür, dass die sekundären, von der Forstwirtschaft künstlich begründeten Nadelbaumbestände, die noch heute den Hauptanteil an der Waldfläche haben, vegetationsökologisch bearbeitet werden, um flächendeckende Informationen über den Weiserwert der Vegetation für forstpraktische Problemlösungen zu erhalten.

Alexis Scamoni wird ein Pionier der großräumigen Kartierung der natürlichen Vegetation

Mit der Erweiterung der Kenntnisse über die Vegetation seit Alexander von Humboldt wuchs der Wunsch nach ihrer zutreffenden Kartierung. Alexis Scamoni findet den Weg von der vorwiegend pflanzengeografisch orientierten zur modernen ökologisch basierten Kartierungsmethodik. 1958 erscheint von ihm die Karte der Natürlichen Vegetation der DDR im Klimaatlas. Sie wird in ständiger Weiterentwicklung der Methodik unter Beteiligung weiterer Fachkollegen 1964 im Maßstab 1:500.000 mit Verbesserungen und ausführlichen Erläuterungen erneut veröffentlicht (Feddes Repert. Beih. 141, Beitr. z. Vegetationskunde Bd. IV) und findet 1975 mit wiederum verbessertem Informationsgehalt im Maßstab 1:750.000 Eingang in den Atlas der DDR. Diesen Kartierungen kommt landschaftsökologischer Pioniercharakter zu.

Der Waldbauer Alfred Dengler formulierte schon frühzeitig das fundmentale Problem der Waldbewirtschaftung: „Wie weit wir vom Wege der Natur abweichen dürfen ohne uns selbst zu schaden, das ist die große Frage, aber auch die große Kunst  des Waldbaus.“ Durch die Kartierungsarbeiten von Alexis Scamoni und seinen Mitarbeitern ist der Waldbau erstmals zur Beantwortung dieser Frage befähigt worden. Die Vegetationskarten ermöglichten die Quantifizierung der Naturnähe des gesamten Waldbestandes des Landes und machten im Ergebnis auf eine große, ökologisch sehr bedenkliche Naturferne der vorherrschenden Nadelbaumbestände aufmerksam. Damit waren wissenschaftliche Grundlagen gelegt worden, einen Waldumbau zu stabileren, artenreicheren Wäldern als notwendig zu planen und umzusetzen.

Das Institut für Waldkunde wird 1963 auf dem Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit und Außenwirksamkeit geschlossen, Alexis Scamoni wechselt hauptamtlich in das Institut für Forstwissenschaften Eberswalde

Durch die Verschärfung der politischen Situation in Europa ­Anfang der 1960er Jahre wurden die bis dahin bestehenden ­wissenschaftlichen Verbindungen in das „westliche Ausland“ ­unterbrochen. In Berlin wurde, aus welchen Gründen auch immer, der Beschluss gefasst, die Eberswalder Fakultät für Forstwirtschaft aufzulösen, die forstliche Lehre in Tharandt an der ­TH Dresden zu konzentrieren und die Forschungskapazitäten der Eberswalder Fakultät vollständig in das Institut für Forstwissenschaften Eberswalde (IFE) zu integrieren, welches damit zu dem wohl größten mitteleuropäischen forstlichen Forschungsinstitut wurde. Alexis Scamoni, damals gerade Dekan der Fakultät, versuchte mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln die Umsetzung dieses Beschlusses zu verhindern. Der Rektor der Humboldt-Universität sicherte ihm Unterstützung zu, „weil es keine Schwächung der haupt­städtischen Universität geben darf“. Der Beschluss wurde 1963 dennoch umgesetzt, das Institut für Waldkunde kam „wie es geht und steht“ in die schon länger von Alexis Scamoni geleitete ­Abteilung für Forstliche Vegetationskunde am IFE. Diese Entwicklung bedrückte Alexis Scamoni fachlich wie menschlich ­außergewöhnlich stark und nachhaltig, hatte er doch seit seiner Assistentenstelle im Waldbau eine feste und emotionale Bindung an die Forstliche Hochschule bzw. Fakultät ent­wickelt und deren Tradition zum Motiv seines wissenschaftlichen Handelns gemacht.

Alexis Scamoni war und bleibt damit der letzte Dekan einer forstlichen Universitäts-Fakultät in Eberswalde.
Er wurde 1963 Direktor des Forschungsbereiches Waldwachstumskunde am IFE und erlangt den Dienstgrad eines Landforstmeisters. In dem Forschungsbereich wurden Forstliche Vegetationskunde, Forstliche Ertragskunde und Forstmeteorologie vereint. Alexis Scamoni organisierte in dieser Zeit die Verbindung der Versuchsarbeit der Forstlichen Ertragskunde mit der vegetationsökologischen Einordnung und Auswahl von Versuchsflächen und beteiligte sich selbst daran.

Mit der Eingliederung in das IFE erhöhte sich der Anteil administrativer Tätigkeit, zu der er keine rechte Verbindung fand. Alexis Scamoni war und blieb ein Mann der freien Forschung, der lebendigen Naturbeobachtung und der ruhigen Synthese. Ambitionen nach Einfluss und Gunsterlangung waren ihm fremd. Eine starke Seite seiner Persönlichkeit lag in der Tole­ranz beim wissenschaftlichen Disput und im Vermögen, die eigene Kreativität in ehrlicher Gemeinschaftsarbeit mit den Fähigkeiten anderer zu neuen Qualitäten zu verbinden. So wie er selbst Freiraum brauchte und nutzte, sorgte er auch dafür, dass seine Mitarbeiter eigene Forschungsideen verwirklichen konnten, niemals hat er deren Ergebnisse für sich in Anspruch genommen.

Die Forschungstätigkeit von Alexis Scamoni widmet sich am IFE vorrangig dem wissenschaftlichen Naturschutz, der Landeskultur und dem Wald als Erholungsraum

Im Bewusstsein kommender Bedeutung der sozialen Auf­gaben des Waldes intensivierte Alexis Scamoni jetzt seine schon an der Fakultät begonnene wissenschaftliche und praktische Natur­schutzarbeit durch breit angelegte monographische Bearbeitungen von wichtigen Waldnaturschutzgebieten, forderte ihren strengen Schutz und zeigte Wege zu ihrer nachhaltigen Bewahrung und Entwicklung auf. Damit schuf er unersetzliche und mit der Zeit immer wertvoller werdende Erkenntnisse über die Waldnatur, vor allem von Buchenwäldern, vor der ab 1970 stärker einsetzenden Fremdbeeinflussung der Landschaft durch Luftschadstoffe und den großflächigen Waldschäden. Er bearbeitete und publizierte ausführlich über jene Waldgebiete, die später Bundesumweltminister Töpfer als das „Tafelsilber der deutschen Einheit“ bezeichnete.
Die innenpolitische Situation erforderte zu jener Zeit, die Leistungen des Waldes für die Erholung der Werktätigen zu verbessern und die Lösung aktueller landeskultureller Probleme in Angriff zu nehmen. Hierzu lieferte Alexis Scamoni durch Pio­nierstudien, Erarbeitung von Projektierungsrichtlinien und praktische Arbeiten vor Ort wichtige und viel­beachtete Beiträge.

In der Forstwirtschaft und Forstwissenschaft wird ab 1970 die Bedeutung der Ökologie für den ökonomischen Fortschritt erkannt

Die Abteilung für Forstliche Vegetationskunde ging im Zuge von Strukturänderungen am IFE mit der Forstmeteorologie in die Abteilung Waldökologie/Hydrologie über. In dieser Umbauphase leistete Alexis Scamoni einen konstruktiven Beitrag zur methodischen Vorbereitung der Ökomodellierung von Kiefern- und Buchenbeständen sowie bei der modellhaften Quantifizierung der Phytomasse der Kiefernkronen und des jährlichen Nadelzuwachses der Kiefer.

Aktiv im Ruhestand

1976 ging Alexis Scamoni in den offiziellen Ruhestand. Nach seiner Emeritierung blieb er weiterhin wissenschaftlich aktiv. Ein größeres Projekt verwirklichte er mit seinem Buch ­“Unsere Wälder“ (VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag, Berlin 1982, 2. Auflage 1984). Mit dieser Publikation wurde in Wort und Bild die Vielfalt und Schönheit der Erscheinungen und Strukturen im Wald einer breiten Öffentlichkeit verständlich sowie wissenschaftlich fundiert näher gebracht und damit eine Lücke in der damaligen naturkundlichen Literatur geschlossen. Bei der Bildsammlung zu diesem Buch waren ihm in alter Verbundenheit ehemalige Schüler zwischen Rügen und Rhön behilflich, die er an ihren Arbeitsorten besuchte.

Alexis Scamoni wird Initiator und Impulsgeber im internationalen Großprojekt: Erstellung einer europäischen Vegetationskarte

Die erste internationale Zusammenkunft zu diesem Projekt fand 1979 in Liblice bei Prag statt, auf der die Erarbeitung einer europäischen Vegetationskarte als wissenschaftliches Großprojekt über politische Grenzen hinweg methodisch vorbereitet wurde. Alexis Scamoni brachte dazu auf dieser Tagung und in den folgenden Arbeitstreffen seinen Erfahrungsschatz ein. Das Gremium, das aus Vertretern unterschiedlichster Vegetationsschulen zusammengesetzt war, konnte sich nach eingehender Diskussion schließlich als allseitig akzeptierten Kompromiss auf die Eberswalder Kartierungsgrundsätze einigen. Dieser ­methodische Beitrag und das Gewicht seiner Argumente zur Kartenerstellung waren wesentlich für das Gelingen des Projektes. Alexis­ Scamoni­ hat die Fertigstellung der „Karte der natürlichen Vegetation Europas, Maßstab 1:2,5 Mio.“ nicht mehr erlebt, sie wurde erst im Jahr 2000 der Öffentlichkeit übergeben.

Das Wirken von Alexis Scamoni beförderte den wissenschaftlichen Fortschritt und stärkte die internationale Anerkennung der Eberswalder Forstwissenschaften

Mit der Fähigkeit, Neues zu erkennen und diesem wissenschaftlich wie praktisch Gestalt zu verleihen, hat sich Alexis Scamoni in die Reihe herausragender Eberswalder Forscherpersönlichkeiten eingeschrieben. Seine Arbeit folgte einem ganzheitlichen Ansatz durch Integration verschiedener moderner, sich dynamisch entwickelnder Wissenschaftsdiszi­plinen. Dadurch wurde die Wissenschaft vom Wald praxiswirksam in die ökologische Landeskunde integriert.

Alexis Scamoni starb 1992 und fand seine letzte Ruhestätte inmitten seines geliebten Choriner Waldes auf dem Klosterfriedhof neben anderen berühmten Eberswalder Waldforschern. Sein 100. Geburtstag soll Anlass zu ehrendem Gedenken sein.

 

In: Archiv für Forstwesen und Landschaftsökologie, 45 (2011) 1, S. 41–44

 
Prof. Dr. Gerhard Hofmann, Waldkunde-Institut Eberswalde

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