Newsletter
ABO
Zeitschriften
Service
Wer frisst an meinen Fichten? Kupferstecher (Pityogenes chalcographus), Nordischer Borkenkäfer (Ips duplicatus) und Buchdrucker (Ips typographus) im Vergleich. Maßstab: 5 schwarze Kästchen entsprechen 1 Millimeter.

Aktuelle Borkenkäfersituation in Sachsen

Mehr Borkenkäfer als im Jahr 2019 und eine zeitigere Entwicklung als 2019 – das sind die Ausgangsbedingungen für den sächsischen Wald 2020.

Der Borkenkäfer ist dieses Jahr zeitiger aktiv als 2019. Gleichzeitig findet sich in den sächsischen Wäldern eine immense Borkenkäferdichte. Das zeigen auch die aktuellen Fangergebnisse des landesweiten Borkenkäfer-Monitorings. Im Gebirge findet derzeit der erste Befall gesunder Bäume statt. Im Hügelland ist dies bereits abgeschlossen und die Käfer legen bereits sogenannte Geschwisterbruten an. Die aktuellen Wetterprognosen versprechen keine Trendwende im Borkenkäfer-Schadgeschehen. Die rasche Erkennung und Beseitigung von befallenen Bäumen ist daher weiterhin das beste Mittel, um einen weiteren Befall abzuwehren.

Borkenkäferzahlen auf Rekordhoch

Derzeit sind mehr Borkenkäfer in den sächsischen Wäldern aktiv als wahrscheinlich jemals zuvor in der forstlichen Geschichte. Unter optimalen Bedingungen konnten sich die Käfer in den vergangenen zwei Jahren unter der Rinde der Bäume massenhaft vermehren. Bei starkem Befall sterben die Bäume ab. Dieses Szenario droht dem sächsischen Wald in diesem Jahr wieder auf großer Fläche.

Wie ist der aktuelle Entwicklungsstand der Borkenkäfer?

Die Borkenkäfer hatten bis jetzt optimale Bedingungen für ihre Entwicklung. Milde Temperaturen und relativ geringe Niederschläge sorgten dafür, dass der Borkenkäfer 2020 zeitiger aktiv wurde als im vergangenen Jahr. Gleichzeitig ist die Anzahl der Borkenkäfer in den sächsischen Wäldern sehr hoch. Dies belegen die entsprechend hohen bis sehr hohen Fangzahlen in den lockstoffbeköderten Fallen des landesweiten Borkenkäfer-Monitorings. In 80 % der Fallen liegen die Fangzahlen höher als zum gleichen Zeitpunkt im Jahr 2019.

Die Hauptschwärmphase der Borkenkäfer, die überwintert haben, ist im Hügelland von Sachsens abgeschlossen. Sie – die „Eltern-Käfer“ – haben ihre Eier unter der Rinde abgelegt. Aus diesen Eiern sind nun Larven geschlüpft, die weiter unter der Rinde fressen und sich entwickeln. Gleichzeitig legen die „Eltern-Käfer“ erneut Eier ab – die sogenannte Geschwisterbrut wird angelegt. Dies geschieht zurzeit in den auf der Karte gelb gefärbten Regionen in Sachsen. In den höheren Gebirgslagen (beige Flächen) ist die Entwicklung etwas verzögert und die Käfer legen noch keine „Geschwisterbrut“ an.

Modellberechnung zur aktuellen Entwicklung des Buchdruckers in Sachsen vom 5. Juni 2020: Im Hügelland, den unteren Lagen sowie teilweise im Mittelgebirge werden nun schon die sogenannten Geschwisterbruten angelegt (gelbe Flächen). In den höheren Lagen (beige Flächen) befallen die Käfer weiterhin gesunde Bäume und legen an diesen ihre ersten Eier im Jahr 2020 ab. Für die nördlichen Gebiete (weiße Flächen) von Sachsen ist der Buchdrucker aufgrund der fehlenden Fichten-Vorkommen nicht relevant.
Modellberechnung zur aktuellen Entwicklung des Buchdruckers in Sachsen vom 5. Juni 2020: Im Hügelland, den unteren Lagen sowie teilweise im Mittelgebirge werden nun schon die sogenannten Geschwisterbruten angelegt (gelbe Flächen). In den höheren Lagen (beige Flächen) befallen die Käfer weiterhin gesunde Bäume und legen an diesen ihre ersten Eier im Jahr 2020 ab. Für die nördlichen Gebiete (weiße Flächen) von Sachsen ist der Buchdrucker aufgrund der fehlenden Fichten-Vorkommen nicht relevant. Quelle: SBS

Umso mehr ist es nun wichtig, befallene Bäume rasch zu erkennen und zu beseitigen. Zwei Dinge können dadurch verhindert werden:

  1. Die Weiterentwicklung der Larven und
  2. die Anlage der „Geschwisterbrut“.

Somit ist der Wettlauf in vollem Gange. Die Bestände sind weiter intensiv nach neu befallenen Bäumen abzusuchen. Frischer Befall von stehenden, gesunden Bäumen ist jetzt am Rand von Waldbeständen zu erwarten, die im Vorjahr befallen wurden. Je später der Befall im vergangenen Jahr erkannt und saniert wurde, desto wahrscheinlicher ist auch jetzt der Befall – auch in einem Abstand von bis zu 500 Metern, wobei die Wahrscheinlichkeit mit zunehmender Entfernung zum Altbefall abnimmt.

Gefährdet sind ebenso alle sonnen- und wärmeexponierten sowie trockenen Standorte. Auch in Bereichen mit Wurf- und Bruchholz aus dem letzten Winter – insbesondere, wenn dieser schon jetzt voll besiedelt ist – muss mit Stehendbefall gerechnet werden. Durch die aktuell extrem hohe, bislang unbekannte Anzahl von Borkenkäfern in den sächsischen Wäldern ist aber auch über die genannten Bereiche hinaus jederzeit von einem neuen Befall auszugehen. Gegenwärtig sind nur die Einbohrlöcher mit Bohrmehl, teilweise mit Harzaustritt verbunden, das eindeutige Merkmal für frischen Stehendbefall.

Weiterführende Informationen

Informationen über die aktuelle Borkenkäfersituation in Sachsen können über die Webseite des Staatsbetriebs Sachsenforst (SBS) abgerufen werden. Die Seite wird regelmäßig aktualisiert.

Die regionalisierte Entwicklung des Buchdruckers in Sachsen nach dem Modell PHENIPS ist über diesen Link abrufbar.

Weiterführende Informationen zu den Daten der Käferüberwachung in Sachsen finden sich hier.

Quelle: SBS

Auch interessant

von