Umweltministerin Steffi Lemke
Bundesumweltministerin Steffi Lemke
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Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz: Was ist geplant?

31. März 2022

Am 29. März stellte Bundesumweltministerin Steffi Lemke in Berlin die Eckpunkte für ein Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) vor. Mithilfe des Programms sollen Klimaschutz, die Förderung der biologischen Vielfalt und die Vorsorge gegen direkte Klimawandelfolgen gestärkt werden. Hierfür sind im Zeitraum von 2022 bis 2026 4 Mrd. € vorgesehen. Was steht in dem Programm?

Wie können die Ziele der Bundesregierung zum Klimaschutz, zum Schutz der Artenvielfalt sowie zur Krisenfolgenvorsorge erreicht werden? Bundesumweltministerin Steffi Lemke sieht hier vor allem in unseren natürlichen Ökosystemen die Antwort auf diese Frage. Intakte Ökosysteme nehmen bspw. eine große Menge CO2 auf – gestörte Systeme werden jedoch schnell von der CO2-Senke zur CO2-Quelle (das gilt z.B. für Moore).

Natürlicher Klimaschutz: Ein Überblick

Das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) wurde bereits im Koalitionsvertrag der Bundesregierung festgeschrieben. Mit den nun vorgelegten Eckpunkten geht das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) an die Umsetzung des Programms. Dabei wurden zehn Handlungsfelder herausgestellt. Gefördert werden sollen demnach

  • der Schutz intakter Moore und Wiedervernässungen,
  • ein naturnaher Wasserhaushalt mit lebendigen Flüssen, Seen und Auen,
  • Meere und Küsten,
  • Wildnis- und Schutzgebiete,
  • Waldökosysteme,
  • Böden als Kohlenstoffspeicher,
  • natürlicher Klimaschutz auf Siedlungs- und Verkehrsflächen,
  • Datenerhebung, Monitoring, Modellierung und Berichterstattung,
  • Forschung und Kompetenzaufbau sowie
  • die Zusammenarbeit in der EU und international.
  • Dabei sind Maßnahmen nicht nur aus einer Perspektive zu betrachten, vielmehr sollen Synergien zwischen Natur- und Klimaschutz gezielt genutzt sowie vorhandene Wirkungszusammenhänge berücksichtigt werden. Es sollen außerdem bestehende und andere geplante Programme der Bundesregierung mit dem ANK verknüpft werden. Das BMUV nennt in diesem Zusammenhang die Sofortprogramme Klimaschutz und Klimaanpassung. Außerdem sei das Aktionsprogramm von zentraler Bedeutung für die nationale Umsetzung des geplanten EU-Rechtsinstruments zur Wiederherstellung der Natur.

    Moorschutz

    Beim Moorschutz will der Bund land- und forstwirtschaftliche Betriebe bei Maßnahmen zur Wiedervernässung und bei der Einführung angepasster Bewirtschaftungsweisen und deren Wertschöpfung verstärkt unterstützen.

    Kontroverse um Schutzgebiete

    Für Deutschland sieht der Plan vor, 2 % der Landesfläche als großflächige Wildnisgebiete zu sichern. Ebenso sollen 5 % der Waldfläche dauerhaft für eine natürliche Entwicklung vorgesehen werden, laut EU-Biodiversitätsstrategie 2030 sollen es sogar 10 % der Landesfläche sein. Unter Federführung des Bundeslandwirtschaftsministeriums will die Umweltministerin ein Anreizsystem schaffen, um naturnahe Waldumbaumaßnahmen, Aufforstungen und natürliche Waldentwicklung gezielt zu fördern, sowie auch die bodenschonende Waldbearbeitung. Öffentliche Wälder sollen dabei eine Vorreiterrolle beim Umbau einnehmen. Dieser Plan wird jedoch von Verbandsseite unterschiedlich bewertet.

    Die Umweltverbände begrüßen den Vorstoß der Bundesregierung und drängen vor allem zu einer schnellen Umsetzung der angestrebten Ziele. Diese seien jedoch nur durch ein Miteinander zu erreichen.

    So erklärt Johann Rathke, Koordinator für Agrarpolitik und Landnutzungspolitik beim WWF Deutschland: „Die Klimaschutzpotenziale zu erschließen muss oberste Priorität der gesamten Bundesregierung sein. Dies gelingt aber nur gemeinsam mit Land- und Forstwirten, Vertretern der Kommunen sowie des Natur- und Klimaschutzes.“

    Ähnlich äußert sich auch Olaf Bandt, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND): „Nur gemeinsam mit den Bäuerinnen und Bauern, mit Forstwirtinnen und Forstwirten und mit der Fischereiwirtschaft werden die notwendigen Erfolge zu erreichen sein. Es braucht eine effektive Beteiligung der Öffentlichkeit, finanzielle Anreize und ausreichend Personal, um die Aufgaben zu erfüllen.“ Brandt gibt aber zu bedenken: „Ordnungsrechtlich muss es möglich sein, Flächen für Maßnahmen des naturbasierten Klimaschutzes bereitzustellen.“

    Kritischer stehen die forstlichen Dachverbände den von der Bundesregierung angestrebten Zielen gegenüber. Dr. Irene Seling, Hauptgeschäftsführerin der AGDW – Die Waldeigentümer, betont: „Angesichts des Klimawandels und der Russlandkrise können wir uns derartige Nutzungsverbote von Wäldern in einer dichtbesiedelten Kulturlandschaft nicht leisten.“

    Auch die Arbeitsgemeinschaft Rohholz e. V. (AGR) bezieht hierzu klar Stellung. Durch Nutzungseinschränkungen im Wald werde der Gesellschaft der klimafreundliche und nachwachsende Rohstoff Holz entzogen. Die Ausweisung von Schutzgebieten sollte daher laut AGR Flächen in den Fokus nehmen, auf denen die forstliche Nutzung ohnehin eingeschränkt sei. „Wer denkt, die Forstwirtschaft in einem Wirtschaftswald einzustellen sei pauschal eine wirkungsvolle Maßnahme für den Klimaschutz, wird der Komplexität der Probleme im Wald – speziell angesichts des Klimawandels – nicht gerecht“, meint Lukas Freise, Geschäftsführer der AGR.

    Julia Möbus, Geschäftsführerin des Deutschen Säge- und Holzindustrie Bundesverbands e. V. (DeSH): „Obwohl das Aktionsprogramm den Wald explizit in seine Handlungsfelder mit einbezieht, stehen die vorgeschlagenen Maßnahmen den weitreichenden Potenzialen einer aktiven Waldpflege und der nachhaltigen Holznutzung entgegen. Um Synergien zwischen Klima- und Naturschutz wirklich auszunutzen, ist eine ganzheitliche Betrachtungsweise unerlässlich.“

    Strukturvielfalt und Bodenschutz

    Das BMUV will den Erhalt und die Neuanlage von Strukturelementen wie Hecken, Knicks, Agroforstsysteme, Baumreihen und Feldgehölzen fördern, insbesondere in Agrarlandschaften und Städten. Auch die dauerhafte Umwandlung landwirtschaftlich genutzter Flächen in Grünland soll unterstützt werden – nicht zuletzt auf erosionsgefährdeten Standorten. Zudem wird durch das Ministerium überprüft, ob das Bundesbodenschutzgesetz angepasst werden muss, um ökologisch hochwertige Böden besser vor Versiegelung zu schützen.

    Das vollständige Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz finden Sie hier.

    Mit Material von

    BMUV, AGDW, AGR, DeSH, BUND, WWF und

    Josef Koch, Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt