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Der Anteil alter Wälder soll im Niedersächsischen Landeswald deutlich steigen, der Totholzanteil auf 40 m³/ha

Widerstand gegen den Niedersächsischen Weg

Die Forst- und Holzwirtschaft Niedersachsens formiert sich gegen ein Abkommen der rot-schwarzen Landesregierung  zu mehr Naturschutz im Wald. Diese hatte sich am 25. Mai mit dem Bauernverband, der Landwirtschaftskammer und den Naturschutzverbänden NABU und BUND auf gemeinsame Ziele für eine Verbesserung des Natur-, Arten- und Gewässerschutzes geeinigt.

Schriftlich festgehalten ist dies in dem Dokument Der Niedersächsische Weg. Die Vereinbarung richtet sich vor allem an Landwirte, deren Leistungen für den Naturschutz sie dauerhaft und fair entlohnen will: zum Beispiel die Anlage breiterer Gewässerschutzstreifen oder den Verzicht auf Pflanzenschutzmittel. Der ökologische Landbau soll – finanziell gefördert – seinen Anteil von heute 9 % auf 15 % bis 2030 steigern.

Der Niedersächsische Weg betrifft auch den Wald

Doch der Niedersächsische Weg führt auch durch den Wald – und zwar in erster Linie durch den Landeswald. Die Niedersächsischen Landesforsten bewirtschaften ihn seit 1991 nach den Grundsätzen des Programms „Langfristige Ökologischen Waldentwicklung“ (LÖWE), das sie  2017 zu LOEWE+ weiter entwickelt haben. Hierzu haben die Partner nun einige konkrete Ziele vereinbart, die in den LÖWE-Papieren nicht zu finden sind.

So soll der Anteil der Wälder über 100 Jahre von heute 25 % langfristig steigen, der Anteil der Bestände über 160 Jahre von 5,6 % (2015) auf 10 %. Darüber hinaus legt das Papier einen Totholzanteil von 40 m³/ha fest; 2012 waren es laut Bundeswaldinventur 28,6 m³/ha. Im Solling soll bis 2028 außerdem ein 1.000 ha großes Wildnisgebiet der natürlichen Waldentwicklung überlassen werden. Und nicht zuletzt haben die Partner vereinbart, dass die Holzernte in der Setz- und Brutzeit den Schutz von Säugetieren und Vögeln in besonderer Weise beachtet.

Ein breites Aktionsbündnis entsteht

All diese Ziele beziehen sich auf den Landeswald. Doch auch der Nichtstaatswald ist betroffen. So dürfen der Übereinkunft zufolge künftig nur noch standortsgerechte, europäische Baumarten gefördert werden. Fremdländer und trockenresistente Baumarbeiten aus Übersee trotz des Klimawandels aber nicht. Und auch die Privatwaldbesitzer müssten natürlich den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zurückfahren.

Darum sorgt der Niedersächsische Weg  für großen Äger in der gesamten Forst- und Holzbranche, die mittlerweile ein breites Aktionsbündnis gegründet hat: die Niedersächsische Allianz für Wald und Forstwirtschaft. Deren bisher elf Mitglieder haben nicht nur mit den geplanten Naturschutzauflagen ein Problem. Richtig sauer sind sie außerdem, weil die Landesregierung die Branche schlicht übergangen hat und sich nur mit dem Bauernverband und zwei Naturschutzverbänden besprochen hat.

Dabei hat die rot-grüne Vorgängerregierung erst 2017 in mühsamer Abstimmarbeit zwischen 40 Verbänden den Waldkonsens Wälder für Niedersachsen erarbeitet – und als dauerhaften Masterplan verkauft. Unterschrieben hatte ihn damals neben den Naturschützern auch die heutige Landwirtschaftsministerin, die gerade ins Amt gekommen war.

NABU will am Volksbegehren festhaltem

Als unverfroren empfinden es die Forstleute außerdem, dass der NABU trotz der neuen Vereinbarung am parallel initierten Volksbegehren Artenvielfalt  festhalten will. Der Verband gibt zu, dass er so den Druck auf die Politik hochhalten will. Der Niedersächsische Weg sei schließlich nur eine Absichtserklärung, die erst noch in Gesetze und Verordnungen gegossen werden müsse. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass der Naturschutz sogar noch weitergehende Ziele erreicht.

Wer wissen will, was das für die Forstwirtschaft bedeuten kann, braucht nur einen Blick auf den Forderungskatalog des Volksbegehrens zu werfen. Beispielsweise auf die Formulierung zu den Brut- und Setzzeiten: „Holzentnahme und Pflegemaßnahmen sind in der Zeit vom 1. März bis 31. August unzulässig.“

Forstunternehmer hätten ein gewaltiges Problem

Dr. Maurice Strunk vom Deutschen Forstunternehmer-Verband (DFUV) hat zu alledem eine klare Meinung: „Die Regierung lässt sich gerade von den Naturschutzverbänden erpressen.“ Man kann seine Aufregung verstehen. Sollte ein Einschlagstopp in der Vegetationszeit Wirklichkeit werden, dann hätten die niedersächsischen Forstunternehmer ein gewaltiges Problem.

Der Umweltminister hat es eilig

Hoffnung macht der Branche einerseits, dass sich auch Politiker der großen Koalition über das Festhalten des NABU am Volksbegehren ärgern. Andererseits hat die Landesregierung bereits beschlossen, die nötigen Gesetzesänderungen in den Landtag einzubringen. „Damit stärken wir den gesetzlichen Naturschutz in Niedersachsen und bereiten die Grundlage für die weiteren Änderungen, die aus dem gemeinsamen Niedersächsischen Weg erarbeitet werden“, sagte Umweltminister Olaf Lies, der keine Zeit verlieren will.

Morgen tagt in Niedersachsen übrigens der Waldbeirat des Landwirtschaftsministeriums. Es dürfte hoch hergehen. Wie zu hören ist, will das Aktionsbündnis nächste Woche an die Öffentlichkeit treten. Ein Schreiben an Ministerpräsident Stephan Weil hat es bereits verschickt.

Erste Kommentare aus der Branche

Einen Kommentar von Dirk Schäfer, dem Vorsitzenden des Bundes Deutscher Forstleute in Niedersachsen, finden Sie hier: Kommentar zum Niedersächsischen Weg.

Die Afl Niedersachsen hat ihre Mitglieder mit folgendem Rundschreiben informiert: Afl-Infoschreiben

 

Oliver Gabriel

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