Behringer Grizzly
Fotos: H. Höllerl

Agrotruck Behringer Grizzly: Echt bärig

30. Juli 2020

Die Firma Behringer in Kirchardt brauchte dringend ein starkes Multifunktionsfahrzeug mit Kran für den Agrartransport, für die Landschaftspflege und als Antrieb für den Hacker. Bei diesem Anforderungskatalog mussten sogar die Spezial-Aufbauer erst einmal passen – also entwickelte Martin Behringer das Konzept eben selber.

Martin und sein Onkel Berthold Behringer vor ihrem Grizzly
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Onkel Berthold hatte eine Landwirtschaft und begann 2008 damit, auch Hackschnitzel in Dienstleistung zu produzieren. Sein Neffe Martin Behringer hat schon als kleiner Bub immer gerne auf dem Bauernhof mitgeholfen, aber dann erst einmal Mechatroniker gelernt und war danach fast zehn Jahre unter anderem für die Firma Werner und Palfinger im Außendienst. Als er sich dann entschloss, ganz bei seinem Onkel einzusteigen, konnte er natürlich sehr viel technisches Knowhow mit einbringen. Dessen Betrieb hatte sich mittlerweile zu einem Lohnunternehmen gewandelt, mit einem breiten Portfolio in der Landschaftspflege und in der Holzenergie. Seit 2008 gibt es einen eigenen Hacker in der Firma, einen Heizohack HM 14-800 als kurzen und wendigen Anhängehacker ohne Kran. Den Antrieb besorgte die letzten zehn Jahre ein Werner Wario auf der Basis eines Fendt 820. Schon als dieser in die Firma kam, sorgte Martin dafür, dass es dazu einen langen Kran gab mit einer Schnellwechseleinrichtung. Wobei es bei dem 10-m-Epsilon trotzdem mindestens eine ganze Stunde und zwei Mann brauchte, um diesen diesen anzubauen. Das sollte sich bei dem neuen Fahrzeug ändern, schließlich gibt es für den Grizzly, wie die Berhingers ihn getauft haben, auch diverse Transportaufgaben zu erfüllen.

Es kommt regelmäßig vor, dass der Grizzly vormittags mit Kran fährt und später mit dem Schubboden
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Basis Heizotruck

Die Basis des Grizzly ist ein Heizotruck von Heizomat. Das Konzept hatten die Behringers auf der Interforst 2018 entdeckt und sofort großes Potenzial an Anwendungsmöglichkeiten gesehen. Der Wario hatte auch seine Vorteile – gerade die Drehkabine sparte natürlich Zeit, weil man zum Hacken nicht einmal den Platz im Führerhaus wechseln musste. Andererseits sind die Hackaufträge im Kraichgau oftmals so klein, dass es sich kaum lohnt, überhaupt ein Containerfahrzeug mitzunehmen. Deswegen gibt es schon seit längerem einen zentralen Lagerplatz, an dem das Holz vorkonzentriert und zugleich vorgetrocknet wird. Zur Borkenkäferprophylaxe ist der auch entsprechend weit entfernt von Nadelholzbeständen, um bruttaugliches Material aus dem Wald fahren und zwischenlagern zu können. Wenn das entsprechend schnell stattfindet, kann man heutzutage Waldbesitzern oftmals eine große Freude machen.

Schnelligkeit ist Trumpf

Beste Übersicht am Arbeitsplatz - inklusive Einblick in den Materialcontainer
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Das ist einer der Hauptvorteile eines solchen Agrotrucks, der auf der Straße bei Transportstrecken 80 km/h fahren kann und im Gelände dem Traktor eigentlich in nichts nachsteht. Um die Flexibilität auf die Spitze zu treiben, hatte Martin Behringer sich in den Kopf gesetzt, den Kran diesmal wirklich in kurzer Zeit wechseln zu wollen. Außerdem gilt bei ihm die Devise: „Ein Kran ist eigentlich immer zu kurz!“ Dem entsprechend sollten es nach Möglichkeit wieder 10 m Reichweite werden. Einen Z-Kran musste er relativ schnell verwerfen, weil der massive Umbauten am Heck erfordert hätte. Aber auch einen L-Kran, der sich hinter dem Führerhaus ablegen lässt, gab es bei Epsilon nicht von der Stange. So mussten seine ehemaligen Arbeitskollegen ihm etwas zusammenstellen, aus einem kurzen Hauptarm und einem Doppelteleskop. Das Ergebnis heißt nach der Palfinger-Nomenklatur jetzt M 70-F 96, ist im Grunde ein Forwarderkran mit 70 kNm Hubmoment und einer Reichweite von 9,6 m und schaut aus wie maßgeschneidert für den Grizzly.

Mit den Flap-Down-Abstützungen musste an der Beleuchtung und den Heck-Armaturen ansonsten nichts verändert werden
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Die Flap-Down-Abstützungen mussten wegen des hohen Fahrgestells und der großen Reifen extra um 20 cm verlängert werden, dafür waren an den Beleuchtungseinrichtungen und Armaturen am Fahrzeugheck keine Umbauten nötig. Als nahezu genial darf man den Schnellwechselmechanismus bezeichnen, den Martin zusammen mit dem TÜV Süd ausbaldowert hat: Zwei Haken auf jeder Seite halten die Krankonsole am Hilfsrahmen fest und als Verriegelungsmechanismus dient ein verschiebbarer Königszapfen, der in die Sattelplatte eingreift. Nach dem Abstellen der Stützen und dem Abkoppeln der diversen Leitungen, senkt Behringer nur noch die Luftfederung des Lkw ab und fährt unter dem Kran heraus, wie bei einer Wechselbrücke. Das funktioniert sogar in unebenem Gelände und dauert nicht einmal acht Minuten. Zum Beweis haben wir ein kleines Video gedreht. Auch das Aufsatteln ist hier dokumentiert. Nach kürzester Zeit ist das Fahrzeug z.B. bereit für Transportfahrten mit dem großen Schubbodentrailer.

 

Bärenstark

Seit gut einem Jahr ist die Firma Behringer jetzt schon mit diesem Fahrzeug unterwegs. Mittlerweile hat Heizomat eine eigene Lösung für einen Kranaufbau entwickelt. Bei der müssen allerdings noch Schrauben gelöst werden und es kommen konventionelle Abstützungen zum Einsatz.

Das Herz des Grizzly ist ein Mercedes Arocs 2051 mit 375 kW und einem maximalen Drehmoment von 2500 Nm. Das ist zu viel für den alten Hacker HM 14-800. Damit dessen Vorgelege nicht in Stücke gerissen wird, muss der Grizzly im Moment mit reduzierter Kraft arbeiten. Vermutlich deswegen ist der Spritverbrauch mit 0,55 l/SRm Hackschnitzel noch nicht optimal. Aber der neue Hacker ist bereits bestellt. Es wird im Prinzip die gleiche Maschine, nur mit verstärktem Getriebe und einem neuen Hackrotor, der noch weniger Nachzerkleinerung bieten soll. Da kann der starke Bär dann im besten Wirkungsgrad kauen.

 

Heinrich Höllerl