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Agroforstwirtschaft – geringes Engagement auf Bundesebene

Es ist schon unverständlich – während sich Landwirtschafts- und Umweltministerien mehrerer Bundesländer aktiv für eine bessere Unterstützung und zukünftige Förderung von Agroforstsystemen als eine klimaresilientere Form der Landwirtschaft einsetzen, scheinen die Ampeln beim Bund nach wie vor auf Rot zu stehen.

Nach Ansicht des Deutschen Fachverbands für Agroforstwirtschaft (DeFAF) wäre es außerordentlich wichtig, dass auf Bundesebene endlich Rahmenbedingungen wie z. B. eine rechtsverbindliche Agroforst-Definition geschaffen werden, die den Ländern eine unkomplizierte Aufnahme der Agroforstwirtschaft in die Länderförderprogramme ermöglichen bzw. dies unterstützen. Stattdessen wird das Interesse der Länder, aber auch die diesbezüglichen Zielsetzungen der EU an dieser multifunktionalen Form der Landwirtschaft weitestgehend ignoriert.

So hat das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL), unter Führung von Julia Klöckner (CDU), ungeachtet der Aktivitäten auf Länderebene in seiner Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE zum rechtlichen Rahmen für Agroforstsysteme, u. a. wie folgt reagiert: „Die Beratungen zur Förderung von Agroforstsystemen sind innerhalb der Bundesregierung noch nicht abgeschlossen. Zurzeit sind keine konkreten Maßnahmen geplant, da die Länder hier zurzeit keinen Bedarf sehen.“

Diese Reaktion verwundert den Verband, da dem BMEL durch mehrere Forschungseinrichtungen und -projekte sowie auch vom DeFAF bescheinigt wurde, dass die agroforstliche Landnutzung als vielversprechendes und zukunftsweisendes Instrument erachtet wird, die wesentliche Beiträge zum Schutz von Klima, Boden und Wasser sowie zur Förderung der biologischen Vielfalt in Agrarlandschaften und des Tierwohls leisten kann.

Vielversprechende Ergebnisse

Der DeFAF betrachtet Agroforstwirtschaft zudem als geeignetes Anbausystem, um die landwirtschaftliche Produktion besser an die prognostizierten Folgen des Klimawandels anzupassen, zum Erhalt abwechslungsreicher Kulturlandschaftsbilder beizutragen und die gesellschaftliche Akzeptanz der Agrarwirtschaft zu erhöhen. Die Initiativen in den Bundesländern zum Thema Agroforst belegen, dass die vielversprechenden Ergebnisse von Forschungsprojekten zu Agroforstsystemen inner- und außerhalb Deutschlands durchaus Beachtung finden. Auch auf Europäischer Ebene besteht ein großes Interesse am Potential und der Umsetzung von Agroforstsystemen. Entschließungen des Europäischen Parlaments und Mitteilungen der Europäischen Kommission verlangen, unter anderem, die Förderung von Maßnahmen zur Unterstützung von Agroforstsystemen, eine angemessene Berücksichtigung im Rahmen der Strategiepläne für die neue GAP-Periode sowie die Förderung von Beratung sowie Aus- und Weiterbildung zu Agroforstsystemen.

Signale stehen auf Rot

Ungeachtet der Europäischen Strategiepläne und der positiven Signale und Bemühungen von Landespolitik, Wissenschaft und Gesellschaft, schaltet man beim BMEL die Signale für Agroforstsysteme auf Rot. Anstatt die Suche nach Lösungen für Agroforstsysteme zu unterstützen, erläutert das BMEL in seiner Antwort auf die Kleine Anfrage, was (aufgrund hemmender rechtlicher Rahmenbedingungen und Regelungen in Deutschland) alles nicht umgesetzt werden kann. Natürlich sind die Änderung von Gesetzen und die Erarbeitung einer rechtlich sauberen Definition für Agroforstsysteme mit einem Aufwand verbunden. Doch egal wie groß die Anstrengungen für verbesserte rechtliche Rahmenbedingungen für Agroforstsysteme in Deutschland auch sind, es lohnt sich, diese auf sich zu nehmen. Denn sie dienen nicht nur der Biodiversität, dem Gewässer-, Klima- und Bodenschutz, sondern der ganzen Gesellschaft und den kommenden Generationen.

DeFAF/red

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