Holzverkauf und Holzpreise

AGR warnt vor sich verschärfender Holznot

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Die mangelnde Verfügbarkeit von Holz führt zu immer weiteren Verwerfungen am Holzmarkt, Bauprojekte verzögern sich und für die Wirtschaft wichtige Holzverpackungen und Paletten werden knapp. Die Holznot könnte sich durch zur Unzeit eingesetzte staatliche Maßnahmen jetzt noch weiter verschärfen, warnt die Arbeitsgemeinschaft Rohholz e.V. (AGR).

Die enormen Preissteigerungen auf dem Markt für verarbeitete Holzprodukte seien derzeit Ausgangspunkt für zahlreiche Diskussionen. Während in den vergangenen Monaten die Rohstoffversorgung für die holzverarbeitende Industrie ausreichend gewesen sei, ändere sich die Lage zunehmend.

Steigende Nachfrage

In vielen Waldgebieten sind die Schäden der letzten Jahre mittlerweile aufgearbeitet und die im Wald eingerichteten Zwischenlager leeren sich schnell. Glücklicherweise kamen in diesem Jahr bislang auch kaum neue Schäden durch Borkenkäfer, Stürme oder Schnee hinzu. Gleichzeitig leeren sich die Vorratslager der verarbeitenden Industrie, die unter Hochdruck versuche, auf die große Nachfrage nach ihren Produkten zu reagieren.

Mit der Nachfrage steigt der Rohstoffpreis und die Forstbetriebe reagieren speziell in den von den Schäden nicht so stark betroffenen Regionen mit dem Einschlag von Frischholz. Die gestiegenen Erlöse leisten für die Waldbesitzer dann einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung der Aufforstungsmaßnahmen in den betroffenen Schadbeständen.

Einschlagsreduktion

An dieser Stelle greife aber die im März beschlossene Reduktion für den Frischholzeinschlag von Fichtenholz. Durch die Anwendung des Forstschädenausgleichsgesetzes (ForstSchAusglG) dürfen Forstbetriebe in diesem Jahr nur maximal 85 % ihrer normalen Einschlagsmenge ernten. Tatsächlich betrage die Reduktion wegen des gewählten Referenzzeitraums sogar bis zu 30 – 40% gegenüber den Vorjahren (da 2018 – 2020 der Einschlag kalamitätsbedingt weit über der Nachhaltigkeitsgrenze lag, Anm. d. Red.).

Das politische Instrument, eigentlich gedacht zur Beruhigung des Marktes und zur Stabilisierung der Preise, werde wahrscheinlich in der zweiten Jahreshälfte wirksam, wenn viele Forstbetriebe ihre Quote ausgeschöpft haben. Gleichzeitig zur hohen Marktnachfrage käme es dann zu einer künstlichen Verknappung des Rohstoffangebots. Die Folge: die dramatische Lage auf dem Holzproduktmarkt werde weiter verschärft.

Ungünstigster Zeitpunkt

„2018 oder 2019, als sich die großen Waldschäden abgezeichnet haben, hätte die Einschlagsbeschränkung vielleicht noch etwas gebracht, nun greift der Staat zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt in den Markt ein: Forstbetriebe können trotz hoher Preise bald kein Fichtenholz mehr verkaufen und der Industrie wird die Rohstoffversorgung abgeschnitten. Noch könnte man gegensteuern und sollte die Einschlagsbeschränkung schnellstmöglich aufheben,“ schlägt AGR Präsident Leonhard Nossol vor.

Quelle: AGR