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AGR reagiert auf jüngste Klimaschutz-Studie von Greenpeace

Am 28. Februar 2018 veröffentliche Greenpeace eine Auftragsstudie, die das Ergebnis erzielte, dass eine schwächere Bewirtschaftung des Waldes eine höhere Kohlenstoffspeicherung bedeute. Die Arbeitsgemeinschaft der Rohholzverbraucher (AGR) äußerte sich dazu in einer ersten Reaktion.

Laut AGR beschäftige sich die Studie des Öko-Instituts ausschließlich mit dem Wald als Kohlenstoffsenke. Grundsätzlich bedeute eine verminderte Bewirtschaftung unserer Wälder eine Erhöhung des Holzvorrats und damit auch eine Erhöhung des Kohlenstoffspeicherpotenzials. Allerdings untersuchte die Studie nur das Speicherpotential des Waldes selbst, so äußert sich die AGR, nicht aber die nachgelagerten Effekte durch die Holznutzung, die sogenannten Substitutionseffekte. „Das größte Einsparungspotential von Klimagasen liegt nicht im Wald selbst, sondern in der Nutzung von Holz als wichtigsten nachwachsenden Rohstoff“, erklärt Leonhard Nossol, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher e.V. (AGR). Denn die Holzverwendung leiste durch die Speicherung von Kohlenstoff im Holz und durch die Substitutionseffekte – also den Ersatz fossiler Rohstoffe und Energieträger durch Holzbiomasse – einen deutlich höheren Beitrag zum Klimaschutz als die reine Kohlenstoffspeicherung im Wald, so Nossol weiter.

Diese Erkenntnisse entstammen einer Studie des Thünen-Instituts aus dem Jahr 2016. Das Öko-Institut Greenpeace scheint schlecht recherchiert zu haben, denn es weist darauf hin, dass „aufgrund fehlender Daten für eine fundierte Beschreibung der Effekte (…) diese bei der Betrachtung der Gesamtkohlenstoffbilanz ausgeklammert (wurden)“.

Die AGR macht auf die Ungereimtheiten in der Auftragsstudie von Greenpeace aufmerksam

  • Der Substitutionseffekt von ca. 30 Mio. t pro Jahr durch die stoffliche und weiteren 36 Mio.t durch die energetische Nutzung wurden in der Studie gar nicht berücksichtigt.
  • Gerade der Waldumbau verringert die Kohlenstoffbindefähigkeit unserer Wälder: Der von der AGR als zu einseitig kritisierte Waldumbau von Nadel- hin zu reinen Laubwäldern führt aufgrund der geringeren Leistungsfähigkeit der Laubbäume zu einer geringeren Kohlenstoffbindung in den von Greenpeace favorisierten reinen Laubwäldern. Die AGR spricht sich für ökologisch wertvolle und gleichzeitig leistungsfähige Nadel-Laub-Mischwälder aus.
  • Die Annahmen für das sogenannte Basisszenario (Fortsetzung der bisherigen Waldbewirtschaftung) bildet nicht die Wirklichkeit ab. Deutschlandweit ist der Nadelholzanteil von 56 % auf nur noch 27 % in der Verjüngung zurückgegangen. In einigen Bundeländern sogar auf nur noch 10 % Nadelbäume zu 90 % Laubbäume.
  • Das Öko-Institut vernachlässigt zudem bereits nicht genutzte Flächen, wie zum Beispiel Wälder in Steilhanglagen oder im nicht genutzten Privatwald. Dies bedeute, das Öko-Institut überschätzt in ihren Szenarien die aktuelle Nutzung.
  • Die Studie berücksichtigt zudem keine volkwirtschaftlichen Effekte durch eine verminderte Bereitstellung, Verarbeitung und Verwendung des nachwachsenden und ökologischen Roh- und Baustoffs in Deutschland.
  • Die Studie berücksichtigt auch nicht die klimaschädlichen Effekte, wenn durch eine verringerte Nutzung von Holz, andere fossile Rohstoffe den Öko-Rohstoff Holz ersetzen würden.

Insgesamt entspricht die Kohlenstoffminderungsleistung durch die Verwendung von Holz rund 7,5 % der gesamten jährlichen Treibhausgasemissionen Deutschlands. „Enttäuschend ist, dass die Umweltorganisation Greenpeace keine ganzheitliche Betrachtung der Klimaschutzeffekte des Waldes und der Holznutzung durchführt“, so Nossol abschließend.

Hintergrund

Der in Holzprodukten gespeicherte Kohlenstoff wird dem natürlichen Kreislauf entzogen und ist langfristig gebunden. Das Thünen-Institut errechnete für Holzprodukte eine Speicherung von 2 Mio. t CO2 pro Jahr in Deutschland. Die stoffliche Verwendung von Holz verhindert zusätzlich den Einsatz anderer, weniger nachhaltiger Rohstoffe, wie Kunststoffe oder Stahl, welche zusätzlichen Kohlenstoff dem Kreislauf wieder zuführen würden. Das hierfür errechnete Einsparungspotential liegt sogar bei 30 Mio. t CO2-Äquivalenten. Durch die energetische Verwertung von Holz wird weiterhin die Verwendung von fossilen Energieträgern vermindert, was laut Thünen-Institut zu einer Einsparung von weiteren 36 Mio. t CO2-Äquivalenten führt. Somit werden jährlich zusätzlich zum Klimaschutzpotenzials des Waldes 66 Mio.t CO2-Äquivalente eingespart Das größte Einsparungspotential von Klimagasen liegt also nicht im Wald selbst, sondern in der Nutzung von Holz als wichtigsten nachwachsenden Rohstoff. Insgesamt entspricht die CO2-Minderungsleistung durch die Verwendung von Holz rund 7,5 % der gesamten jährlichen Treibhausgasemissionen Deutschlands.

Arbeitsgemeinschaft der Rohholzverbraucher

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