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AGDW fordert Stärkung der sozioökonomischen Kompetenzen beim Bundesamt für Naturschutz

Der Wissenschaftsrat bemängelt die veraltete Perspektive des bewahrenden Naturschutzes beim Bundesamt für Naturschutz.

Der Wissenschaftsrat hat dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) in einem aktuellen Gutachten erwartungsgemäß ein insgesamt positives Zeugnis ausgestellt. Aber: Es gibt deutliche Kritik an dem veralteten Naturschutz-Ansatz des BfN. Das BfN würde „seine Arbeit in hohem Maße an der traditionellen Perspektive des bewahrenden Naturschutzes“ ausrichten. Der Wissenschaftsrat bescheinigt dem Amt einen Mangel an sozialwissenschaftlicher und sozioökonomischer Kompetenz, wenn es um zukunftsorientierte Forschungsthemen geht. „Die Kritikpunkte sind deutlich“, sagte Philipp Freiherr zu Guttenberg, Präsident der AGDW – Die Waldeigentümer, „das Bundesamt bewegt sich unter einer ideologischen Käseglocke. Das Prinzip Nachhaltigkeit mit seinen drei Säulen aus Ökonomie, Ökologie, und Soziales scheint im BfN bis dato nicht verstanden worden zu sein.“
Der veraltete Ansatz des BfN
Die nachhaltige Bewirtschaftung der Natur blende das BfN aus ideologischen Gründen aus. Stattdessen reduziere es den Naturschutz ausschließlich auf das starre Konservieren. Zu Guttenberg: „Dieser Ansatz ist wissenschaftlich längst überholt, da er die dynamischen Veränderungen der Natur ignoriert. Er richtet zudem einen sozial-ökonomischen Schaden an und wird auf dem Rücken der Menschen, die von und mit der Natur leben, ausgetragen.“
Der veraltete Ansatz des BfN ordnet den ländlichen Raum unter eine Schutzkategorie, die den Menschen ausblendet und eine sozioökonomische Kostenfolgeabschätzung nicht zulässt. Dies führt zu Trugschlüssen und Fehlentscheidungen. Ausgeblendet wird,
•  dass künstliche Wildnis oder nicht bewirtschaftete Wälder dem Klimaschutz einen Bärendienst erweisen: Ohne die Substitution klimaschädlicher Emissionen durch Holz, ohne die Speicherung von CO2 in langlebigen Holzprodukten und ohne die kontinuierliche Verjüngung hat der Wald in Deutschland keinen positiven Klimaschutzeffekt.
•  dass viele tausend Hektar Wald schon jetzt durch die Auswirkungen des Klimawandels (z.B. durch trockene Sommer, steigende Waldbrandgefahr und die Zunahme von Schädlingen) extrem gefährdet sind. Die ideologische Blockade beim Thema Waldschutz führt aufgrund der Bundesumweltbehörden bereits jetzt zur Vernichtung von riesigen Waldbeständen.
•  dass das BfN den verantwortungsvollen Waldumbau blockiert, indem es klimatolerantere Baumarten wie die Douglasie und die Roteiche auf eine „Schwarze Liste“ setzt, obgleich diese Baumarten weniger anfällig sind gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels als viele heimische Bäume. Zu Guttenberg: „Hier wird ideologischer Naturschutz auf dem Rücken der Menschen im ländlichen Raum ausgeführt mit folgenschweren Konsequenzen für unsere Kinder.“
•  dass eine unterbliebene Kostenfolgeabschätzung bei Naturschutzprojekten des BfN Arbeitsplätze gefährdet, Erspartes vernichtet und die ländlichen Räume weiter entvölkert.
Laut zu Guttenberg liegt der Wissenschaftsrat richtig, wenn er betont, dass von einer Ressortforschungseinrichtung wie dem BfN zu erwarten sei, „den Wandel des Naturschutzes durch die stärkere Berücksichtigung eines dynamischen Systemverständnisses“ voranzutreiben. Der Rat empfiehlt einen breiten gesellschaftlichen Diskurs für die Entwicklung eines Naturbegriffs und Naturschutzverständnisses der Zukunft, den das BfN anstoßen solle. „Das Prinzip der nachhaltigen Forstwirtschaft vom Schützen durch Nützen ist dem veralteten Ansatz des BfN um viele Meilen voraus. Wir beziehen bei unseren Überlegungen immer den Menschen mit ein“, so der AGDW-Präsident. „Nachhaltige Naturbewirtschaftung bedeutet, täglich eine Balance aus den drei Säulen Ökonomie, Ökologie und Soziales zu finden. Naturschutz ohne den Menschen zu betreiben mag einfacher sein – verantwortungsvoll geht aber anders.“

Der Wissenschaftsrat berät die Bundesregierung und die Regierungen der Länder in Fragen der inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Hochschulen, der Wissenschaft und der Forschung.

 

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AGDW – Die Waldeigentümer

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