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Adblue-Skandal: Viel Rauch um nichts?

Anfang des Jahres sorgten Fernsehsendungen im ZDF für Wirbel, in denen über manipulierte Abgasanlagen von LKW aus Osteuropa berichtet wurde. Vor allem in Polen und Rumänien seien Betrügereien mit so genannten AdBlue-Killern weit verbreitet. Diese Apparate, die man im Internet ohne größere Schwierigkeiten erwerben kann, gaukeln der Motorelektronik eine ordnungsgemäße Zumischung des Harnstoffs vor, obwohl der Tank leer ist. Abgesehen von der Ersparnis an Materialkosten, werden die betreffenden Euro-6-Fahrzeuge in Deutschland auch in günstigere Mautklassen eingestuft. Der Transport-Verband „Camion Pro“ hatte hochgerechnet, dass bis zu 20% der LKW auf deutschen Autobahnen derart betrügerisch unterwegs sein könnten. Diese These veranlassten im März auch den europäischen Dachverband der LKW-Hersteller Acea dazu, die EU zu strengeren Kontrollen aufzufordern, um den unfairen Wettbewerb zulasten der Umwelt zu unterbinden.

Der renommierte Nutzfahrzeugjournalist Jan Bergrath ist den schwerwiegenden Vorwürfen nachgegangen und kommt in seinem Blog zu völlig anderen Schlüssen. Nach seiner Ansicht ist der vermeintliche Skandal eigentlich ein ziemlicher Rohrkrepierer (http://www.eurotransport.de/news/jans-blog-rohrkrepierer-abgasskandal-mit-adblue-killern-8816820.html). Er stellt dabei nicht in Abrede, dass es Betriebe gibt, die mit solchen unsauberen Mitteln arbeiten. Allerdings sei die Größenordnung der Manipulationen völlig aus der Luft gegriffen und werde in den Fernsehbeiträgen auch in keinster Weise belegt. Im Grunde rechnet sich ein solcher Betrug auch nicht, wie ihm selbst mehrere rumänische Fuhrunternehmen bestätigten: Eine maximale Ersparnis von 500-2000 € pro Fahrzeug und Jahr für AdBlue stehen der Verlust der Gewährleistung und das Erlöschen der Betriebserlaubnis für das Fahrzeug gegenüber, ganz abgesehen von strafrechtlichen Konsequenzen bei Mautbetrug. Aufwändige Kontrollen mit einem Spezialfahrzeug, das die Emissionen hinter dem LKW „erschnüffelt“ seien demnach völlig überzogen. Die BAG lässt sich im Zweifelsfalle bisher die aktuelle Tankquittung für AdBlue vorlegen und überprüft ganz simpel den Füllstand im Tank.

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Heinrich Höllerl

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