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Natürliche Walddynamik und ihr Wert für Biodiversität und Ökosystemfunktionen: Ergebnisse einer Fallstudie aus dem Harz

Quelle: Forstarchiv 84; 3, 75-80 (2013)
Autor(en): HAUCK M, JACOB M, DITTRICH S, BADE C, LEUSCHNER C

Kurzfassung: Wirtschaftswälder unterscheiden sich grundlegend von Naturwäldern durch die Seltenheit von Bäumen jenseits des Umtriebsalters in der Alters- und Zerfallsphase sowie durch einen radikaleren Bruch der Bestandeskontinuität zwischen den aufeinanderfolgenden Waldgenerationen. Die natürliche Bestandesdynamik infolge altersbedingter Mortalität und externerr Störungen in vom Menschen nicht genutzten Wäldern führt zu einem heterogenen Muster von unterschiedlich großen Teilflächen unterschiedlicher Waldentwicklungsstadien und zur Bildung von Bestandeslücken. In Mitteleuropa sind Waldbestände, die zumindest seit mehreren Jahrhunderten einer natürlichen Bestandesdynamik ausgesetzt sind, äußerst selten. In einer Fallstudie im Harz (Deutschland) hatten wir die Gelegenheit, einen solchen Bestand zu untersuchen (Brockenurwald). Ziel der Untersuchung war die vergleichende Analyse der pflanzlichen Diversität (Bodenvegetation, Epiphyten) sowie ausgewählter Ökosystemeigenschaften (oberirdische Biomasse, ökosystemarer Kohlenstoffvorrat) in fünf altersabhängigen Waldentwicklungsphasen (Verjüngungs-, Aufwuchs-, Optimum-, Alters- und Zerfallsphase). Während sich die Bodenvegetation kaum zwischen den Entwicklungsstadien unterschied, war der Artenreichtum epiphytischer Moose und Flechten auf den stehenden Bäumen in der Alters- und insbesondere der Zerfallsphase signifikant größer als in den jüngeren Entwicklungsstadien, die auch im Wirtschaftswald vorkommen. Der Artenreichtum auf liegendem (aus der vorangegangenen Waldgeneration stammendem) Totholz war am höchsten in der Verjüngungs- und der Aufwuchsphase. Die oberirdische Biomasse und die Kohlenstoffvorräte waren in der Alters- und in der Zerfallsphase größer als in den anderen Waldentwicklungsstadien. Der Kohlenstoffvorrat im Boden war unabhängig vom Waldentwicklungsstadium konstant hoch. Unsere Ergebnisse unterstreichen die große Bedeutung der Alters- und Zerfallsphase und einer natürlichen Bestandesdynamik für die pflanzliche Diversität von Wäldern und für die Fähigkeit, große Vorräte an Kohlenstoff zu speichern.


Natural dynamics of forests and their importance for biodiversity and ecosystem functions: results of a case study in the Harz Mountains

Abstract: Managed forests differ principally from old-growth forests by the scarcity of ageing and decaying trees beyond the rotation age as well as by the more radical disruption of stand continuity between consecutive forest generations. The natural dynamics due to age-dependent mortality and external disturbance in unmanaged stands results in a heterogeneous spatial pattern of differently sized patches of different forest development stages and in the formation of gaps. Forest stands, which follow natural forest dynamics since at least several centuries, are extremely rare in Central Europe. In a case study in the Harz Mountains, Germany, we had the opportunity to study such a forest stand (Brocken old growth forest). The objective of our study was the comparative analysis of plant diversity (ground vegetation, epiphytes) as well as of selected ecosystem properties (aboveground biomass, ecosystem carbon pool) in five age-dependent forest development stages (regeneration, initial, climax, over-mature, and decay stages). While the ground vegetation did hardly differ between the forest development stages, the species richness of epiphytic bryophytes and lichens on standing trees was significantly greater in the over-mature and decaying stages than in the earlier ones, which are also found in managed forests. The species richness on downed deadwood (originating from the preceding forest generation) was highest in the regeneration and initial stages. The aboveground biomass and carbon pools were higher in the over-mature and decaying stages than in the other forest development stages. The pool of soil organic carbon was consistently high across the forest development stages. Our results confirm the great importance of the over-mature and decaying stages for plant diversity and for the capability of forests to store high amounts of carbon.

© DLV München

 

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