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65 Jahre Welte

65 Jahre Welte

Pünktlich zum 65. Geburtstag der Firma Welte Fahrzeugbau in Umkirch übergab Werner Nühnen
Anfang Juli die Firmenleitung an seine beiden Söhne Joscha und Maik.

Blitzsauber glänzte das Firmengelände der Firma Welte Fahrzeugbau am 8. und 9. Juli. Dafür gab es zwei gute Gründe: Einmal hatte die Firmenleitung zum 65. Firmenjubiläum eingeladen – und zum Anderen gab sie den Führungswechsel in der Firma bekannt. Der dichte Besucherstrom kam sowohl aus der Region, als auch von weit her.Man hörte auch viel Französisch. Die gesamte Geschäftsführung und viele Mitarbeiter aus Vertrieb und Fertigung standen für die Besucher bereit. Sie konnten alle Fertigungsstufen eines Welte vom Blechzuschnitt bis zur Endmontage besichtigen.

Und nicht zuletzt war auch die neueste Maschinengeneration der Firma Welte vor Ort: der W100 (100 kW) ebenso wie die Baureihen W130 und W230/210 Nur der neue W200 in Achtrad-Ausführung und mit großer Drehkabine war schon in Luxemburg im Einsatz und daher nicht zu besichtigen. Die mit diesen Maschinen eingeführten Innovationen werden vom Markt gut aufgenommen: Dazu zählen neben Motoren der Tier-4-final-Stufe die schnelle Schaltung „SIB“ bei den Modellen W100 bis W130 und die RaLaReg-Radlastregelung zur Verringerung der Bodendrücke bei Tandemachsen; außerdem der Bogielift, wählbar für das vordere oder hintere Radpaar.

Und die nächsten Neuheiten zeichnen sich schon ab. Nichts zeigte das Spannungsfeld zwischen Bewährtem und Neuem besser auf als ein nagelneuer W130 in der Mitte des Hofes, bereit für den Versand nach Frankreich: Auf diesem ist eine klassische Klemmbank auf dem Heckschild montiert, eine seit Jahrzehnten bewährte Bauweise. Erstmals verbaut hat Welte aber die neue HZM 16, eine Doppeltrommel-Forstseilwinde mit einer einstellbaren Zugkraft bis zu 2 × 21 = 42 t und mit einem innovativem Antrieb. Bei dieser Maschine ist die Seilwinde aber nicht auf maximale Zugkraft ausgerichtet, sondern auf eine hohe Seillänge. Dafür hält man die Betriebszugkraft (Seilzugkraft in oberster Seillage) so konstant, dass man handliche Seile mit nur 12 mm Durchmesser auflegen kann. 200 m Seillänge passen dadurch auf jede Trommel. Das ist in Frankreich wichtig, weil die Rücker dort mit großen Seillängen arbeiten. Die volle Sicherheit von Seil und Winde entsprechend den Vorgaben des KWF ist dabei in vollem Umfang gegeben. Die dem Seildurchmesser angepasste Betriebszugkraft ist dabei immer verfügbar, unabhängig vom Füllgrad der Trommel.

Innovationen waren von Anfang an das Markenzeichen der Firma Welte. Der Firmengründer Alexander Welte sen. setzte dafür mit seiner 1952 gegründeten Firma mehrere Meilensteine. So beeinflussten z. B. die Knickschlepper „Forstmann“ (1965) und „Ökonom“ (1970) für Jahrzehnte die Forstmaschinenentwicklung. 1998 verkaufte der Firmengründer seine Firma an Werner Nühnen.

„Ich war damals gerade Fünfzig und hatte lange erfolgreich als GmbH-Geschäftsführer und AG-Vorstand gearbeitet. Aber ich wollte noch einmal etwas Neues, Eigenes machen“, erinnert sich Nühnen. „In Vertrieb und Geschäftsführung hatte ich selbst Kenntnisse – für die Technik und andere Aufgaben holte ich mir Fachkräfte.“ Mit Alexander Welte jun. als Mitgeschäftsführer und Dr. Johannes Sebulke als Entwicklungsleiter war das Führungsteam komplett. Dann ging es Schlag auf Schlag: Neue Lastschaltgetriebe, wassergekühlte Turbodiesel statt der legendären, aber veralteten Deutz-Luftkühler, geringere Fertigungstiefe bei Achsen und Kranen, Hydrowinden mit doppelter Zugkraft, erste elektronische Steuerungen für Motor, Winde und Arbeitshydraulik, starke Rahmen, tauglich für starke Rückekrane. „Es war viel Arbeit. Und vieles war auch ungewohnt für die Belegschaft, aber die Kunden dankten es uns. Der Umsatz ging sofort in die Höhe“, erzählt Nühnen, „aber das ging natürlich nicht von allein, die neue Kundenorientierung und unser Teamgeist waren der Schlüssel.“

Der Öffentlichkeit blieb dieser Aufschwung nicht verborgen. So erhielt die Firma Welte im Jahr 2001 den badenwürttembergischen Förderpreis für erfolgreiche junge Unternehmen, 2002 auf der Interforst den Innovationspreis für die Entwicklung der ersten Doppeltrommel-Konstantzugwinde. Im Jahr 2008 verlieh das Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) den begehrten Award „KWF-Medaille für besondere Verdienste um den technischen Fortschritt im Forstmaschinenbau“ an den langjährigen Entwicklungsleiter.

Zum 1. Juli 2017 übergab Werner Nühnen die Geschäftsführung der Welte Fahrzeugbau altersbedingt an seine beiden Söhne, Joscha B. Nühnen und Maik F. Nühnen. Sohn Joscha arbeitet bereits seit 2004 in der Firma mit. Die Affinität zur Technik war ihm angeboren. Auf der Interforst 2006 entdeckte er dann sein Faible für Kundenkontakt und zum Vertrieb. „Auslandsreisen mache ich ohnehin gern, und meine Englischkenntnisse helfen mir dabei“, so Joscha Nühnen. Schnell gelang es ihm, den Vertrieb zu internationalisieren. Der Gebrauchtmaschinenmarkt war dabei ein wichtiger Schlüssel, besonders in den osteuropäischen Ländern, denn oft ist die erste Maschine eben eine gebrauchte. Auch heute betreut er den Export und den Gebrauchtmaschinenhandel. Joscha Nühnen ist verheiratet und hat drei Kinder, der Älteste packt heute auch schon mit an.

Maik F. Nühnen arbeitete zunächst im Stuttgarter Raum im Projektmanagement, bevor er im Jahr 2012 in das Unternehmen Welte „reingeschnuppert“ hat. Seine Projekte in Organisation, Verwaltung und Außenpräsentation gelangen. Heute hat er die kaufmännische Leitung inne und betreut zusammen mit mit seinem Bruder und Alexander Welte den Inlandsvertrieb. Werner Nühnen selbst bleibt seinen Söhnen und den Kunden aber aus der zweiten Reihe heraus noch unterstützend erhalten.

Beide Unternehmersöhne wurden also weder in die Nachfolge hineingedrängt, noch wurden sie vom Vater eingeengt, eine Übergabesituation, die sich viele Unternehmenschefs sicher so wünschen würden.

Johannes Sebulke

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