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60 Jahre "Internationaler Tag des Baumes"

60 Jahre „Internationaler Tag des Baumes“

„Nachhaltige Entwicklung im Wald wird heute definiert durch das gleichzeitige und gleichberechtigte Umsetzen von umweltbezogenen, wirtschaftlichen und sozialen Zielen. Diese Multifunktionalität unserer Wälder und damit das Kennzeichen des Erfolgsmodells ‚Deutsche Forstwirtschaft` sehen wir durch aktuelle Entwicklungen deutlich gefährdet“ so die SDW-Landesvorsitzende Marie-Luise Fasse anlässlich der gemeinsamen Baumpflanzung mit Landtagspräsident Eckhard Uhlenberg zum 60ten Jahrestag des internationalen „Tag des Baumes“ vor dem Landtag in Düsseldorf. 
Sie zog damit eine Parallele zu 1952, denn die damalige Auftaktveranstaltung im Bonner Hofgarten war noch ganz durch die Nachkriegssituation geprägt, richtete sich v.a. gegen die Übernutzung der ohnehin kriegszerstörten Wälder und appellierte ebenfalls an die Rückbesinnung auf das Prinzip der Nachhaltigkeit. Die Situation unseres Waldes in Nordrhein-Westfalen wird durch nachfolgende Schlaglichter der jüngsten Vergangenheit veranschaulicht:
  • Im Januar 2007 entstanden durch den Orkan „Kyrill“ allein in NRW auf über 30.000 Hektar größere Kahlflächen.
  • Der NRW-Waldzustandsbericht 2011 dokumentierte ein historisch schlechtes Ergebnis – nur noch 24% aller Bäume wurden als gesund eingestuft.
  • Nach Jahrzehnten kontinuierlichen Zuwachses hat die Waldfläche in NRW – so der noch unveröffentlichte Landeswaldbericht – erstmals abgenommen.
  • Zur Förderung der Biodiversität im Wald sollen im NRW-Staatswald auf fast 8.000 Hektar „Wildnisgebiete“ ausgewiesen werden, auf denen jegliche Nutzung künftig unterbleibt; mit einem Nationalpark Teutoburger Wald kämen weitere 8.500 Hektar hinzu.
  • Steigende Holzpreise und Holzeinschlagsmengen dokumentieren eine deutliche Intensivierung der Waldbewirtschaftung.
     
Die Ansprüche und Anforderungen an den Wald nehmen gerade in Zeiten des Klimawandels immer weiter zu. Zur Erhöhung der Stabilität und Risikostreuung muss zugleich vielerorts ein Umbau in standortgerechte Mischwälder erfolgen. Auch die eingeleitete Energiewende mit dem erforderlichen Ausbau regenerativer Energien wird den Wald erheblich betreffen – zum einen bezüglich der Bereitstellung von Holzbiomasse zur energetischen Nutzung, zum anderen als Standorte für Windkraftanlagen, denn 2 bis 3% der NRW-Waldfläche sollen für Windräder geöffnet werden.
Forstpolitisch beobachtet die SDW mit Sorge eine zunehmend segregative Entwicklung ähnlich wie im Offenland, wo kleinflächige Naturschutzgebiete einer zunehmend industriellen Landwirtschaft gegenüber stehen. Auf den Wald projiziert würden Wald-Nationalparke, Wildnisgebiete und sonstige Schutzgebiete im Wald die sogenannten „hot spots“ des Naturschutzes darstellen und auf der übrigen Waldfläche stünde allein die Nutzfunktion im Vordergrund. Eine solche Entwicklung widerspricht den Nachhaltigkeitsgrundsätzen im Wald und wäre sowohl für die Artenvielfalt, als auch für den Naturhaushalt insgesamt fatal.
Die SDW appelliert daher eindringlich an alle politische Verantwortlichen, an dem bewährten integrativem Ansatz der multifunktionale Forstwirtschaft festzuhalten, d.h. dass der Wald vom Grundsatz her auf der gleichen Fläche seiner Schutz-, Nutz- und Erholungsfunktion gerecht werden soll.
DW LV NRW

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