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50 Prozent der Fichten in Niedersachsen sind tot

Mehr als 50 % der Fichten in der Stichprobe der Waldzustandserhebung (WZE) in Niedersachen mussten seit 2017 als Schadholz entnommen werden oder sind abgestorben. Das war die erschreckendste Zahl bei der Vorstellung des Waldzustandsberichts 2020 bei einer Pressekonferenz des Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft (ML) am 17. November.

Im Klartext heißt das, dass über alle Waldbesitzarten in den vergangenen drei Jahren die Hälfte aller Fichten abgestorben ist oder aus Forstschutzgründen geerntet werden musste. Das hat auch Prof. Dr. Johannes Eichhorn, Abteilungsleiter Umweltkontrolle bei der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) auf Nachfrage explizit bestätigt. Über die Dimensionen und die Auswirkungen für das Cluster Forst&Holz mag man gar nicht nachdenken.

Es bleibt schwierig

Der Witterungsverlauf 2020 brachte keine Entlastung für die Wälder in Niedersachsen. Erneut war es zu warm und zu trocken, so dass nun nach drei aufeinanderfolgenden Jahren mit extremer Witterung die Schäden in den Wäldern höher sind seit Beginn der Waldschadenserhebungen 1984. Der Vitalitätszustand aller Baumartengruppen mit Ausnahme der Eichen hat sich seitdem verschlechtert, insbesondere in den Fichtenbeständen sind die Schäden verheerend.

Auch wenn es im kommenden Jahre wieder „ordentlich“ regnen sollte, kann für den Zustand der Wälder noch lange keine Entwarnung gegeben werden, so Eichhorn. Die Folgen der Trockenheit werden wir noch über Jahre spüren. Der Wasserspeicher im Boden funktioniert nicht mehr wie bisher. Die Niederschläge fallen unregelmäßiger und die Böden sind tiefgründig zu trocken, sodass die Bäume schon zu Beginn der Vegetationsperiode nicht ausreichend mit Wasser versorgt werden. Hinzu kommt, dass durch das nach wie vor zu hohe Angebot an Stickstoffeinträgen aus der Luft die Bäume eher weiter an der Oberfläche wurzeln. Ebenfalls begünstigt der Stickstoffeintrag das Wachstum von Begleitvegetation, die wiederum Wasser verbraucht und die Naturverjüngung bzw. die nachgepflantzen Bäume behindert.

Änderungen bei der Baumartenwahl

Was können wir denn tun, um den Wald widerstandsfähiger für das künftige Klima und Schädlinge zu machen? Bei der Neubepflanzung bzw. der Ergänzung der eventuell kommenden Naturverjüngung sollte auf jeden Fall der Standort und die hier künftig vorhandene Wasserversorgung berücksichtigt werden. In Niedersachsen gibt es leider immer noch weiße Flecken auf der Standortkarte der Forstverwaltungen. Angestrebt wir allerdings eine flächendeckende Standortkartierung und eine darauf basierende Baumartenempfehlung.

In Hessen gibt es seit kurzem ein System zur Empfehlungen von klimaangepassten Baumarten. Über das Internet kann man in ganz Hessen eine entsprechende Empfehlung erhalten. Das System wurde im Rahmen des Projekts „Klimarisikokarten Forst – Verbesserte Beratungsgrundlagen für neue Herausforderungen an hessische Waldbesitzer“ (KSP-Hessen) im Integrierten Klimaschutzplan Hessen 2025 entwickelt.

Aktuell hat die niedersächsische Landesregierung 6 Mio. € mehr für die Beratung der Waldbesitzer zur Verfügung gestellt. Bleibt noch zu wünschen, dass das hessische Projekt auch zeitnah für Niedersachsen zur Verfügung steht und so zumindest eine Hilfe zur Anlage der zukünftigen Wälder bereit steht.

Rainer Soppa

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