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v.l.: Dr. Gerd Landsberg (Geschäftsführer Gemeindewaldbesitzerverband NRW

50 Jahre Gemeindewaldbesitzerverband NRW

Der Waldbesitzerverband der Gemeinden, Gemeindeverbände und öffentlich-rechtlichen Körperschaften in Nordrhein-Westfalen e.V. wurde am 12. Juli 1966 in Burg a.d. Wupper gegründet. Im Rahmen der Mitgliederversammlung am 12. Juli 2016 in Bonn feierte der Verband sein 50-jähriges Bestehen.

Anlässlich des Jubiläums warben der Verbandsvorsitzende, Bürgermeister Bernhard Halbe (Schmallenberg), und der Geschäftsführer, Dr. Gerd Landsberg (Bonn), für eine höhere Wertschätzung des Waldes in der Öffentlichkeit: 
Der Gemeindewaldbesitzerverband NRW, dem auch die Bundesstadt Bonn als Mitglied angehört, hat sich dem Motto „Kommunalwald ist Bürgerwald“ verschrieben. 365 Mal im Jahr garantieren die waldbesitzenden Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen für ihre naturverbundenen Bürgerinnen und Bürger „Tag der offenen Tür im Wald“. Zehntausende der rd. 320.000 Einwohner der Bundestadt Bonn gehen ein- bis mehrmals wöchentlich zur Erholung in den Wald. Aber obwohl der Wald für die Bevölkerung einen sehr hohen Stellenwert hat, kommt die Wertschätzung des Waldes zu kurz. Während den Menschen ein Besuch im Kölner Zoo 19,50 € für eine Tageskarte oder 85,- € für ein Jahresticket wert ist, wird der freie Zutritt in den Wald als selbstverständlich angesehen.

Die Städte und Gemeinden pflegen den Wald, unterhalten Wege, Parkplätze, Waldinformationszentren, Wildgehege, sorgen für sicheres Betreten, kontrollieren die Bäume auf Gefahren hin, schaffen den Müll weg und vieles mehr. Die Kosten hierfür sind je nach Ausmaß der Freizeitnutzung hoch. Den Waldspaziergang, Wandern, Joggen, Mountainbiking, Reiten, all diese Freizeitaktivitäten gibt es nicht umsonst.

Garant für Nachhaltigkeit, Erholung und Holznutzung
Allein im 660 ha großen Stadtwald Bonn kümmern sich ein Förster zusammen mit einem Forstwirtschaftsmeister und 7 Forstwirten um die Waldpflege, Wegeunterhaltung, Verkehrssicherung, Wildgehege, Müllbeseitigung und Vandalismus. Diese Aufwendungen im Bonner Stadtwald schlagen jährlich mit rd. 871.000 € zu Buche, davon allein 30.000 € für Müllentsorgung und 11.000 Euro für die Wiederherstellung nach Vandalismus. Die Forstwirtschaft der waldbesitzenden Städte und Gemeinden steht seit Jahrzehnten als Garant für Nachhaltigkeit, Erholung und Holznutzung. Der Verband ist hierbei eine wichtige Stimme in der Landespolitik, damit der Spagat zwischen den verschiedensten Ansprüchen an den Kommunalwald gelingen kann. Das können unverhältnismäßige Naturschutzauflagen sein, die die freie Erholung im Walde oder die Holznutzung einschränken. Es können genauso ausufernde Freizeitbeanspruchungen sein, die den Lebensraum Wald gefährden.

Erfolge in der Verbandsarbeit

Seit seiner Gründung im Jahre 1966 auf Schloss Burg an der Wupper hat sich der Verband für eine differenzierte, flexible und gestaltende Waldpolitik engagiert. Eine Bevormundung in der Waldbewirtschaftung lehnt er aus guten Gründen ab. Als Erfolge dieser Verbandsstrategie werten Halbe und Landsberg insbesondere die „Warburger Vereinbarung“ mit Ausgleichsregelungen für Naturschutzmaßnahmen im Kommunalwald und die Richtlinie zur forstlichen Förderung von Gemeinden und Gemeindeverbänden in Natura-2000-Wäldern und Naturschutzgebieten aus dem Jahr 2002.

Forstpolitik und gesellschaftliche Ansprüche im Wandel

In der 50-jährigen Verbandsgeschichte haben sich die forstpolitischen Schwerpunkte und die gesellschaftlichen Erfordernisse an den Wald ständig gewandelt. Die Zeit von 1966 bis zum Ende der 1980er-Jahre war geprägt von einem „Wegebauboom“. Erhebliche Fördergelder des Landes waren hierfür die Grundlage. Davon profitierte aber nicht nur die Forstwirtschaft durch hervorragende Wegedichten für die Holzabfuhr, sondern in gleichem Maße auch die Wanderer durch die Erschließung der Waldgebiete für die Erholung. Parallel dazu herrschte bis in die 70er-Jahre eine „Hochphase“ der Waldmöblierung mit Parkplätzen, Lehrpfaden, Waldsport- und Kinderspielplätzen, Liegewiesen, Grillplätzen, Skipisten und Trimmpfaden. 

Forstgesetz 1969 – Ausgleich für Erholung

Der Verabschiedung des Landesforstgesetzes von 1969 gingen heftige Diskussionen voraus. Strittig waren vor allem die besondere Betonung der Gemeinwohlverpflichtung kommunaler Waldbesitzer, der Sozialpflichtigkeit des Eigentums und die Einführung des freien Betretungsrechtes zum Zwecke der Erholung. Zum Ausgleich für die zusätzlichen Belastungen insbesondere durch das freie Betreten sollte auch die kommunale Forstwirtschaft in besonderem Maße gefördert werden. Allerdings habe sich das Land hier über die Jahre immer weiter aus der Verantwortung gezogen, so Halbe und Landsberg.

Die 1980er- und 1990er-Jahre wurden dominiert von der Debatte um das „Waldsterben“. Man hatte erkannte, dass durch die Politik der „Hohen Schornsteine“ Umweltverschmutzungen aus den Industriegebieten in die ländlichen Regionen verfrachtet wurden. Der Verband forderte Entschädigungen für die „immissionsbedingten neuartigen Waldschäden“ und das Land förderte die Waldkalklungen.
Die Diskussionen um Nachhaltigkeit, Wald als Umweltfaktor und die Einführung von Zertifizierung im Wald stehen für den Prozess, dass immer mehr gesellschaftliche Gruppen, Naturschutzverbände und Bürgerinitiativen beim Wald mitreden wollen und sich kümmern. Darüber hinaus spürt die kommunale Selbstverwaltung immer mehr den Einfluss und Beschränkungen durch EU-, Bundes- und Landesrecht.
Kommunalwald vor neuen Herausforderungen
Im 21. Jahrhundert stehen die waldbesitzenden Kommunen vor neuen Herausforderungen:  Zukunft der Betreuung, Energiewende, Klimawandel, Waldstillegung, Wildnis, Wälder als gesellschaftliche Wohlstandsressource für Freizeitgestaltung und Gesundheitserhaltung, Inwertsetzung von Ökosystemdienstleistungen bis hin zu Überlegungen, die Sozialbindung des Waldeigentums noch weiter auszudehnen.
Bei all diesen Fragen werde der Verband immer die Interessen seiner 141 Mitglieder im Auge haben und gegenüber der Politik vertreten. Kommunale Forstwirtschaft habe über 50 Jahre hinweg gute Ergebnisse geliefert. „Wir haben das Vertrauen, dass sie das auch in Zukunft tun wird“, so Halbe und Landsberg.
Zahlen und Daten zum Kommunalwald in Nordrhein-Westfalen
•  Die Waldfläche aller Gemeinden, Gemeindeverbände und öffentlich-rechtlichen Körperschaften in Nordrhein-Westfalen beträgt 178.900 ha. Das macht rd. 20 % der Waldfläche im ganzen Land aus. Der Kommunalwald ist damit um ein Drittel größer als der Staatswald NRW.
•  Im Kommunalwald NRW gibt es rd. 12.000 km Forstwege, die auch den Bürgerinnen und Bürgern zur freien Nutzung und kostenlosen Erholung zur Verfügung stehen. Darüber hinaus stehen mehrere Hundert Kilometer Reitwege, Mountainbiking-Strecken und Skiloipen zur Verfügung. •  Rund 45.000 LKW-Ladungen Holz können pro Jahr im Kommunalwald nachhaltig genutzt werden.

Die größten Stadtwälder in NRW
•  Brilon ist mit 7.750 ha Stadtwald der größte Kommunalwaldbesitzer in NRW und Deutschland.
•  Die Nummer zwei ist die Stadt Warstein mit 4.841 ha Wald. Es folgen Rüthen mit 3.849 ha, Köln mit 3.552 ha, Winterberg mit 3.505 ha und der Stadtwald Bad-Münstereifel mit 3.268 ha.
•  Die größten Körperschaftswälder in Nordrhein-Westfalen sind der Landesverband Lippe (15.900 ha) als Rechtsnachfolger des ehemaligen Landes Lippe und der Regionalverband Ruhr Grün (RVR) mit 13.500 ha Wald.

Kommunale Forstverwaltungen
•  Bis 1970 war der größte Teil des Kommunalwaldes in 14 Gemeindeforstämtern organisiert, die sich danach bis auf das Gemeindeforstamt Willebadessen (Westfalen) und Aachen (Rheinland) aufgelöst haben.
•  Arbeitgeber Kommunalwald: Etwa 150 Försterinnen und Förster arbeiten zurzeit als Beamte und Angestellte in rd. 90 Kommunen auf etwa 140.000 ha Waldfläche. 
•  Über 300 Gemeinden mit zusammen etwa 36.000 ha meist kleinerer Waldflächen sind Mitglied in einem forstlichen Zusammenschluss (Forstbetriebsgemeinschaft).
 

Gemeindewaldbesitzerverband NRW
v.l.: Dr. Gerd Landsberg (Geschäftsführer Gemeindewaldbesitzerverband NRW Geschäftsführendes Präsidialmitglied Deutscher Städte- und Gemeindebund)

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